Orchesterprobe in Pandemiezeiten

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Mit entsprechendem Abstand kann wieder gemeinsam geprobt werden – was Musikerinnen, Musiker und Dirigenten genießen.
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Wie Corona die Junge Philharmonie Ostwürttemberg getroffen hat. Auf Abstand statt Pult an Pult sitzen die Musiker und Musikerinnen bei den Proben auf der Kapfenburg. Wie dies das Spielen beeinflusst.

Lauchheim

Melodien von Dvorák, Haydn und Respighi klingen aus den Sälen auf Schloss Kapfenburg. Dort proben die Mitglieder der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg (JPO) für die bevorstehenden Konzerte. Die ersten seit der Pandemie. "Normalerweise spielen wir immer mit dem kompletten Orchester und nicht in Ensembles", sagt der Orchestermanager der Streicher, Bernhard Schwarz. Das ist in diesem Jahr aber anders, denn durch die coronabedingten Abstands- und Hygieneregeln kann die JPO nicht in Vollbesetzung, sondern nur in kammermusikalischer Besetzung auftreten.

"Ich finde es gar nicht so schlimm, dass wir jetzt Kammermusik spielen", sagt Klarinettistin Hanna Keller. Sie ist der Meinung, dass Kammermusik oft nicht genug Beachtung geschenkt wird.

Schon mehrere Jahre spielt Keller in der JPO und freut sich, dass sie nun, nachdem das Frühjahresprojekt abgesagt wurde, auftreten darf. "Ich wäre bei dem Konzert die Solistin gewesen", bedauert Keller. Für das Stück habe sie mehrere Monate zuhause geprobt. Zur Aufführung kommt es aber erst im nächsten Jahr. Umso mehr freue sie sich jetzt wieder, mit anderen Musikern zusammen zu spielen.

"Die Stimmung ist deshalb so gut, weil die Musiker und Musikerinnen endlich nicht mehr allein im Kämmerchen üben, sondern wieder in Gruppen musizieren", stellt Schwarz fest.

Während der Pandemie hatte sie Klarinetten-Unterricht über Facetime. "Bis auf die schlechte Tonqualität hat das eigentlich ganz gut funktioniert", erinnert sich Keller.

Nicht allein, aber auf Abstand wird für die bevorstehenden Konzerte geprobt. Zwei Meter Abstand statt Schulter an Schulter sitzen die Musiker bei den Proben und nachher beim Konzert voneinander entfernt. "Das funktioniert besser als gedacht", sagt Bernhard Schwarz.

Bis auf die Abstandsregelung und die Maskenpflicht könne wieder wie gewohnt geprobt werden. "Bis zum Platz sind die Corona-Regeln im Bewusstsein, dann legt man die Masken ab, hält Abstand und kann sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren", so Schwarz.

Die Stimmung ist deshalb so gut, weil die Musiker und Musikerinnen endlich nicht mehr allein im Kämmerchen üben, sondern wieder in Gruppen musizieren.

Bernhard Schwarz Orchestermanager der JPO-Streicher

Für die Streicher allerdings ist es eine völlig andere Situation als üblich. "Wo sonst 80 Streicher auf einer Bühne Platz hätten, haben durch den Abstand nur noch 20 Platz", sagt Schwarz. Denn kein Streicher sitzt mehr an einem Pult zu zweit. Auch wenn sich die Musiker dadurch selbst lauter hören, mache es klanglich keinen großen Unterschied. Leiser spielen die Streicher dadurch nicht "die trauen sich alle laut zu spielen, Gott sei Dank", sagt Schwarz.

Auch Dirigent Uwe Renz ist mit der bisherigen Probenarbeit zufrieden "an den Abstand und das Tragen der Maske haben wir uns langsam gewöhnt, da erlauben wir uns keine Fehler, jetzt müssen wir nur noch die Fehler beim Spielen in den Griff bekommen", sagt Renz. Und dafür wird geprobt. Zwar nicht als komplettes Orchester "aber es sind alle Musiker gleichzeitig auf der Kapfenburg zum Proben", sagt Bernhard Schwarz. Und damit komme das "JPO-Feeling" wenigstens ein bisschen auf.

Doch was allen JPO-Mitgliedern fehlt, sind die gemeinsamen Abende. "Nach den Proben am Abend zusammensitzen und über den Tag und die Musik sprechen, das fehlt in diesem Jahr", sagt Keller.

Obwohl nun alle Regeln eingehalten werden und Konzerte wieder erlaubt sind, schwingt immer noch eine gewisse Unsicherheit mit: "Was, wenn nur einer der Orchestermitglieder positiv auf das Corona-Virus getestet wird?", fragt sich Schwarz. Kontaktlisten und eine Bestätigung, dass niemand mit einem Corona-Patienten in den letzten 14 Tagen Kontakt hatte, musste jeder Musiker ausfüllen. Um den Ernstfall zu vermeiden, sei es deshalb umso wichtiger die Regeln einzuhalten "weil diese auch sinnvoll einem solchen Fall vorbeugen und wir nur deshalb diese Proben und das Konzert stattfinden lassen können", so Schwarz. Deshalb wird auch in dieser Form geprobt. "Bei den Proben läuft alles, wie es später auch bei Konzert ablaufen muss", sagt Schwarz. Mit Maske und Abstand gehen die Musikerinnen zum Platz und dann wird musiziert.

Konzerttermine: Sonntag, 13. September um 18.15 Uhr in der Stadthalle Aalen; Freitag, 18. September um 20 Uhr im Forum Schönblick in Schwäbisch Gmünd; Samstag, 19. September um 20 Uhr in der Waldorfschule Heidenheim.

Karten für die drei Konzerte können über die JPO-Geschäftsführung telefonisch unter (07361) 5031233 erworben werden: Montag bis Mittwoch von 9 bis 16 Uhr, Donnerstag bis 18 Uhr, Freitag bis 12 Uhr.

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