Sandstein aus Lauchheim für das Ulmer Münster

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Sonja Schurr ist Steinmetz und Steintechnikerin zugleich. Im Wald bei "Pfaffenloh" erklärt sie Horst Engel und Alfred Vetter (v.l.) vom Obst- und Gartenbauverein Lauchheim, für welches berühmte Bauwerk der örtliche Sandstein eingesetzt wird.

Was für Schätze im Wald bei "Pfaffenloh" auf 20 Meter Tiefe verborgen sind.

Lauchheim. Sie hat schon als Kind lieber mit Steinen als mit Puppen gespielt. Die Begeisterung für das Naturmaterial ist ihr geblieben, nur dass sich heute alles um viel größere Dimensionen dreht. Sonja Schurr ist Steinmetz von Beruf. Als gebürtige Lauchheimerin weiß sie, was im Waldstück "Pfaffenloh" nordwestlich von Lauchheim in 20 Metern Tiefe verborgen liegt. Für Ahnungslose hat sie nun das Geheimnis gelüftet.

Es war der Obst- und Gartenbauverein Lauchheim, der den verborgenen Schätzen auf den Grund gehen wollte und sich mit Schurr im Wald verabredete. Schon auf dem Weg dorthin kommt die Gruppe an riesigen, zum Teil moosbewachsenen Gesteinsbrocken vorbei. Bester Sandstein, so wie sie später erfahren. "Der wird bei Renovierungsarbeiten im Turm des Ulmer Münsters verbaut", erzählt die Fachfrau, während sie vor einer hohen Wand in die Tiefe blicken lässt. Von Sandstein ist zunächst nicht viel zu erkennen, denn das große Loch im Boden wurde nach dem letzten Abbau im Jahr 2016 aufgefüllt.

Das Farbenspiel der Natur beginnt also erst viel tiefer und dann aber auf eine Dicke von bis zu sieben Metern. Woher Sonja Schurr das weiß? Seit ihrem weiterführenden Studium zur Steintechnikerin arbeitet sie für die Firma Lausterstein in Stuttgart. Die wiederum zeichnete für den Abbau am Sandsteinbruch bei Pfaffenloh verantwortlich.

Den Lauchheimer Sandstein beschreibt Schurr als kräftig ockergelb-bräunlichen, homogenen Eisensandstein mit Maserungen aus Eisenhydroxiden. Genauso, wie die Steine, die am höchsten Kirchturm der Welt (161,5 Meter) verbaut sind. "Mit der "Ader" aus Lauchheim wurde somit für Nachschub bei der Restaurierung gesorgt", sagt Schurr.

Schwergewichte sind die großen Brocken in Rohform allemal. "Der größte, der mit Schaufeln und Bohrhämmern aus dem Berg gewuchtet wurde, wog 30 Tonnen und musste für den Abtransport zweimal geteilt werden."

Denkmalpflege oder moderne Treppenanlagen – Schurr macht ihr Beruf Spaß, das merkt man. Derzeit kümmert sie sich um ein neuzeitliches Projekt: um die technische Planung eines Marmorfußbodens in einem großen Berliner Gebäude.

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