Sieben Steine zur Erinnerung

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Gunter Demnig setzte in Lauchheim sieben neue Stolpersteine. Foto: je
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Wie Lauchheimer Bürgerinnen und Bürger mit großer Anteilnahme die Verlegung von „Stolpersteinen“ zum Gedenken an Opfer des NS-Regimes begleiten.

Lauchheim

In einer bewegenden Veranstaltung wurden gestern in Lauchheim sieben Stolpersteine zur Erinnerung an sechs von den Nationalsozialisten ermordeten Mitbürgern jüdischen Glaubens und einem Opfer der Euthanasie. Der Kölner Künstler Gunter Demnig setzte die Steine vor ihrem jeweils letzten Wohnort, initiiert hatte die Aktion die Stolpersteininitiative Lauchheim mit Unterstützung der Stadt.

Mit dieser zweiten Verlegung in der Stadt wird an Opfer erinnert, die in Lauchheim geboren wurden und zunächst aufgewachsen sind, bevor sie später meist durch Heirat woanders hinzogen und von dort in Konzentrationslager verschleppt wurden.

Bürgermeisterin Andrea Schnele bezeichnete die Aktion „als weiteren Baustein in der Kultur des Erinnerns“ in der Stadt. Demnig gebe mit seinen inzwischen über 80 000 Steinen der Geschichte ein Gesicht. „Denn sie zeigen, dass diese Gräueltaten nicht irgendwo, sondern bei uns in der Stadt, quasi vor unserer Haustür geschehen sind“, sagte sie. Sie begrüßte neben Gästen wie Dr. Alfred Geisel, Josef Mischko, Mitgliedern verschiedener Stolpersteininitiativen auch eine 10. Klasse der Deutschordenschule mit ihren Lehrern. Sie gestaltete die Verlegungen mit, indem Schülerinnen und Schüler die Daten der Opfer verlasen, Bilder zeigte, Kerzen und weiße Rosen an den verlegten Steinen niederlegte.

Die erste Verlegung fand vor dem Haus Schillerstraße 12 statt. Hier lebte einst Maier Kaufmann. Weitere Steine wurden vor dem Haus Hauptstraße 47, der Hauptstraße 44, dem heutigen Haus der Vereine, in der Biennerstraße 15 gesetzt. Zwei Steine liegen jetzt vor der Hauptstraße 7, die letzte Setzung fand vor dem Haus Torgasse 4 für Rosa Kaufmann statt.

An allen Verlegungsorten verlasen Gerold Wenzel und Peter Maile die Lebensläufe der Opfer, Bettina Strohm und Volker Lauster-Schulz umrahmten mit Friedensliedern. An der letzten Station stellten drei Schülerinnen die Frage, ob so eine Aktion noch zeitgemäß ist, ist „das doch alles lange her“. Und antworteten gleich selbst: „Das darf nie wieder passieren, man muss die Augen offen, die Erinnerung wach halten.“ Und sprachen ein jüdisches Gebet mit dem letzten Satz: „Du lebst, solange ich lebe, weil wir uns erinnern.“ Gerold Wenzel schloss: „Diese Opfer waren nahezu vergessen, durch diese Steine wird eindrucksvoll an sie erinnert.“

Über 80 000 dieser Erinnerungssteine hat Gunter Demnig seit 1996 in 26 Staaten in Europa verlegt, überall dort, wo Recherchen auf Opfer der Nationalsozialisten  hinweisen. Und der 73-Jährige will weiter machen. „Mich treiben die Angehörigen an, die Erinnerung wollen. Und vor allem die wachsende Zahl von Jugendlichen, die sich interessieren“, sagt er. Immer mehr würden nachfragen, würden feststellen, dass Menschen teils in ihrem Alter ermordet wurden. Das Interesse würde wachsen. „Gerade haben wir in der Stiftung drei weitere Mitarbeiter eingestellt“, ergänzt der Künstler.

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