Stolpersteine erinnern an ermordete Mitbürger

  • Weitere
    schließen

Rund 100 Menschen sind bei der Verlegung von acht Stolpersteinen in Lauchheim dabei.

Lauchheim. Für jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die während der NS-Zeit ermordet wurden, hat Gunter Demnig acht Stolpersteine verlegt, die ersten in der Stadt. Zahlreiche geladene Gäste und Bürger kamen zu der Zeremonie. Der Künstler setzte die Steine vor dem jeweils letzten Wohnort der Toten in der Innenstadt. Initiiert hatte die Aktion die Stolpersteininitiative Lauchheim mit Unterstützung der Stadt.

Bürgermeisterin Andrea Schnele begrüßte rund 100 Gäste vor dem Haus Hauptstraße 29, der ersten Verlegestelle. Abgeordnete, Lokalpolitiker, ehemalige und aktuelle Funktionsträger verschiedener Institutionen, die sich mit der Geschichte der Juden befassen, waren gekommen. Die Stolpersteine seien ein beeindruckendes Mahnmal für einen dunklen Teil deutsche Geschichte, so Schneele. "Sie geben verschwundenen Namen und ein Gesicht."

Peter Maile und Gerold Wenzel, Mitglieder der Stolpersteininitiative Lauchheim, berichteten vom Schicksal der Ermordeten:

  • Bertha Maier lebte lange mit ihrer Familie in Lauchheim. Als ihr Ehemann 1935 an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung gestorben war, führte sie das Textilgeschäft in der Hauptstraße 29 weiter. 1938 musste auf Druck der Nationalsozialisten verkaufen und mit 64 Jahren in ein Seniorenheim in Sontheim ziehen. 1942 wurde sie erst ins KZ Theresienstadt deportiert, und dann vermutlich am 29. September 1942 in Treblinka ermordet.
  • Die Familie Neumaier lebte laut städtischen Aufzeichnungen mindestens seit 1789 in Lauchheim, zuletzt in der Hauptstraße 39. Hanna Neumaier, geboren 1872, litt unter einer psychischen Krankheit und wurde seit 1929 in der Heilanstalt Schussenried behandelt. Am 17. Juli 1940 wurde sie sie nach Grafeneck verbracht und am selben Tag vergast. Ihre Schwestern Auguste (74 Jahre alt), Adelheid (87) und Blümla (82) wurden am 22. August 1942 mit dem Zug von Stuttgart ins KZ Theresienstadt deportiert. Bereits im März hatten sie ihr Haus verlassen und nach Oberdorf ziehen müssen. Blümla starb dort am 4. September, Auguste am 23. September und Adelheid am 30. Oktober. Ihr Bruder Moses Max lebte bereits seit Jahren als Händler in Schwäbisch Gmünd. Er wurde mit seiner Frau Regina Rosina am 22. August 1942 von Stuttgart nach Theresienstadt verschleppt und starb dort am 30. Januar 1944.
  • Anna und Paulina Freimann, die in der damaligen Judengasse, heute Obere Bleichstraße 23 gelebt hatten, wurden am 28. November 1941 in Lauchheim abgeholt und am 1. Dezember mit dem Zug nach Riga transportiert, wo sie drei Tage später ankamen. Ihre Spur verliert sich dort, von 1000 Menschen in diesem Zug haben nur etwa 50 überlebt. Ein Bruder ist im Ersten Weltkrieg für das Deutsche Reich gefallen und wird auf dem Friedhof Lauchheim auf einer Gedenktafel aufgeführt. Städtischen Akten nach lebte die Familie Freimann bereits seit 1740 in Lauchheim als geachtete Handwerker. Der einzige noch lebende Augenzeuge der Verschleppung der Schwestern Freimann, Adolf Beck, war am Sonntag anwesend.

Musikalisch begleitet wurde die Stolpersteinverlegung von Theresia Frosch (Querflöte und Gesang) und Bettina Strohm (Gitarre und Gesang) mit den passenden Liedern "Blowing in the Wind", "Donna Donna" und "Oseh Shalom". Lehrerin Elke Lichtenstein sprach einen hebräischen Psalm. Zum Abschluss gab es viel Zuspruch für die Mitglieder der Stolpersteininitiative.

Jürgen Eschenhorn

Zurück zur Übersicht: Lauchheim

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL