Tempo 30 und Rechts-vor-Links in der Lauchheimer Innenstadt

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Ein Baukran blockiert die Hauptstraße. „Wer aus der Höllgasse herausfährt, kann Rechts-vor-Links derzeit gar nicht ausnutzen“, bemängelt Stadtrat Rüdiger Backes (FWV).

Seit dem 1. Oktober gilt in Lauchheims Innenstadt Tempo 30 mit Rechts-vor-Links. Wie erste Rückmeldungen lauten und was Bürgermeisterin und Gemeinderäte dazu sagen. Von Doris Weber

Lauchheim

Es sind 700 Meter vom ersten Kreuzungspunkt am Hettelsberger Weg bis zur letzten Abzweigung in die Hardtsteige. Dort gilt seit dem 1. Oktober 2021 in Lauchheims Innenstadt „Tempo 30“ mit „Rechts-vor-Links“. In der Sitzung des Gemeinderats vom Donnerstag ging es um erste Rückmeldungen.

„Die Umsetzung von Tempo 30 wird als sehr positiv empfunden, da nun langsamer durch die Innenstadt gefahren wird“, formulierte Bürgermeisterin Andrea Schnele ein Stimmungsbild. Dafür gebe es wegen der geänderten Vorfahrtssituation auch negative Meinungen, die zu Missstimmung führten. „Rechts-vor-Links finden viele sehr furchtbar.“

Von den Geschäftstreibenden habe sie erfahren, dass manche Kunden gar nicht mehr in die Innenstadt fahren. „Die Kundenfrequenz sei sehr rückläufig, auch die Betreiber des Wochenmarkts klagen schon.“ Schnelebringt die Rechtslage in Erinnerung: „Eine 30er-Zone heißt laut Gesetz Rechts-vor-Links.“

An insgesamt 15 Kreuzungspunkten wurde mit Einführung der Maßnahme die Vorfahrtsregelung geändert. Hinweisschilder und Warnlichter machen auf die besondere Situation aufmerksam. Ob es nochmals eine Änderung gibt?

Bürgermeisterin Andrea Schnele sagt klar, was sie will: „Ja, wir wollen Tempo 30 aber Nein, wir möchten kein Rechts-vor-Links.“ So zumindest möchte sie es gerne beim Landratsamt beantragen. Von dort weiß sie aber auch: „Tempo 30 allein geht nur bei Lärmbelastung oder aus Gründen der Verkehrssicherheit.“

Das sagen die Gemeinderäte

Claudia Gerken (CDU): „Die Einführung von Tempo 30 war eine gute Entscheidung. Dagegen haben wir Rechts-vor-Links schon immer kritisch gesehen. Die Probleme sind nachvollziehbar. Im Kreuzungsbereich Lindenstraße/Lippacher-Straße herrscht relativ viel Verkehr. Autofahrer behindern sich gegenseitig – das kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Wenn, dann sollten wir aber eine einheitliche Regelung finden.“

Rüdiger Backes (FWV): „Wir müssen an verschiedenen Stellen nachjustieren. Andere Gemeinden lösen das auch mit entsprechenden Vorfahrtsschildern. In der Bleichstraße wäre von der VR-Bank bis zur evangelischen Kirche Einbahnverkehr denkbar. Wer aus der Höllgasse herausfährt, kann derzeit wegen eines Baukrans die Vorfahrtsregelung gar nicht nutzen. Hier sollten wir die Dauer der Baustelle im Blick behalten.“

Wolfgang Dambacher (UBL): „Die neue Regelung gilt gerade mal 28 Tage. Man sollte nicht nur meckern und schon gar nicht über eine mögliche Änderung abstimmen. Was wir in 4 Jahren erarbeitet haben, können wir in 28 Tagen nicht wieder kaputt machen.“

Monika Bernreiter (FWV): „Wir sind schon so lange d’ran uns sollten uns vom Handel nicht unter Druck setzen lassen. Es ist einfach ein Gewöhnungsprozess. Vielleicht könnte man an manchen Kreuzungen die Warnzeichen eben etwas länger stehen lassen.“

Appell an die Kunden

Abgestimmt wurde am Ende der Sitzung dann nicht. Auch weil der Beschlussvorschlag zu kurzfristig einging. Der Gemeinderat nahm die Rückmeldungen vorerst nur zur Kenntnis. Bürgermeisterin Schnele bittet die Kunden, das Angebot in der Innenstadt trotz allem anzunehmen: „Wenn es den Wochenmarkt nicht mehr gibt, dann ist das Geschrei groß.“

Wenn es den Wochenmarkt nicht mehr gibt, ist das Geschrei groß.“

Andrea Schnele, Bürgermeisterin

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