Die Sage um die Ruine Gromberg

Unterirdischer Gang wird sichtbar

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In der Hauptstraße in Lauchheim wurde ein unterirdischer Gang aus vergangener Zeit sichtbar. Sein genauer Zweck wirft Fragen auf.
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Ein Tunnel in Lauchheim kommt ans Tageslicht. Diente er als Transportweg für Bierfässer oder als Fluchtweg zum Gromberg?

Lauchheim

Geheimnisvolle und sagenumwobene Begebenheiten aus alter Zeit gehören immer noch zu beliebten Themen in neuerlichen Gesprächsrunden. So verfolgten in Lauchheim manche Einwohner mit Spannung, was beim Abriss einer ehemaligen Scheune in der Hauptstraße zutage kommen sollte. Hieß es doch aus früheren Erzählungen, dass vom Haus Nummer 14 ein unterirdischer Gang zum östlich gelegenen Gromberg führen solle. Dorthin, wo schon im frühen Mittelalter die Burg der Ritter von Gromberg stand und sich zuletzt eine Sage um drei Schwestern knüpfte.

Stadtarzt Dr. August Gerlach hat im Jahr 1907 in einer Chronik die Sage einst niedergeschrieben. Gerlach sogar einen unterirdischen Gang nach vermeintlichen Spuren untersucht haben berichtet Werner Kowarsch, Bürgermeister außer Dienst. „Ich selbst bekam im Jahr 2009 persönlich Gelegenheit, die betreffenden Räumlichkeiten im Haus und der Scheune zu besichtigen“, erzählt Kowarsch. Demnach handle es sich bei dem Gehöft um einen ehemaligen Gasthof mit Brauerei und verschieden großen Kellerteilen. „Hinter einer vermauerten Öffnung befand sich ein gut erhaltener langer Gang“, beschreibt Kowarsch einen Verbindungsgang, dessen Nutzen er darin sieht, um Bierfässer vom Haus zum Keller zu rollen.

Den unterirdischen Gang erkunden

Tatsächlich wurde nach den aktuellen Abrissarbeiten gerade eben dieser unterirdische Gang wieder von außen sichtbar gemacht. Der heutige Besitzer und Bauherr Eqrem Shala hat Einlass in den gewölbten Gang gewährt. Und so sieht's im Gang aus: Dort ist es kalt und feucht. Der Boden besteht aus Lehm mit Felsplatten und die Wände sind aus quaderförmigen Bruchsteinen gemauert. Im Gang mit schätzungsweise zwei Metern Höhe und eineinhalb Metern Breite kann man gut stehen. Ein mulmiges Gefühl macht sich breit, wenn man sich nach rund zehn Schritten auf ein paar Stufen und eine zugemauerte Türöffnung wiederfindet. Führt sie in das Haus dahinter? Schließlich werden Erinnerungen an die Bierfässer und an das, was der ehemalige Bürgermeister Kowarsch sagte wach: „Es ist eher unwahrscheinlich, dass es den unterirdischen Gang zum Gromberg je gegeben hat. Durch die Jagst wäre dieser zur damaligen Zeit gleich überflutet worden.“

Auf dem Weg zurück, wieder froh im Freien zu sein, wandert der Blick nach oben zur Straße hin. Dort befindet sich ein grünlich gefasster hölzerner Taubenschlag – ein Kleindenkmal, das erhalten bleiben soll. Was aus dem gewölbten Gang darunter passiert, da ist sich Eqrem Shala noch nicht sicher. Dokumentiert und festgehalten wurde er jedenfalls.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass es den unterirdischen Gang zum Gromberg je gegeben hat.“

Werner Kowarsch, Bürgermeister a.D.

Überreste: die Burgruine Gromberg

Dass es die mittelalterliche Burganlage der Herren von Gromberg gab, daran erinnern heute nur noch Mauerreste. Nach turbulenten Jahren ging sie im Jahr 1378 als Ruine in den Besitz des Deutschen Ordens über. Doch beschäftigt eher eine Sage über drei Schwestern und Burgfräulein bis heute die Gemüter. Zwei davon hätten beim Aufteilen des übrig gebliebenen Vermögens ihrer Mutter ihre blinde Schwester betrogen. Mit fatalen Folgen. Denn der Besitz sei von nun an verflucht gewesen und die letzte lebende der beiden sehenden Schwestern musste nachts als „Irrlicht“ umherwandeln. Sogar ein Höllenhund soll den Schatz bewacht haben. Auch wenn es heißt, das Geld sei später mit schweren Wagen durch die Luft zum Schönenberg geschafft worden, sollen so manche „Schatzsucher“ trotzdem verschiedentlich schon in dem Waldstück oberhalb des kleinen Weilers Gromberg beobachtet worden sein.

Von den drei Schwestern

An die Ruine Gromberg knüpft sich eine Sage. Aus der Chronik von Dr. August Gerlach: „Der Mannesstamm der Herren von Gromberg war ausgestorben und nur noch drei Schwestern übrig. Von diesen war eine blind. Nach dem Tod ihrer Mutter teilten sie ihr Vermögen in Kornmaß einander zu. Die beiden Sehenden gaben sich nun jedes Mal das volle Maß, für die Blinde aber drehten sie das Maß um und bedeckten nur den Boden mit Münzen. Die Blinde starb bald darauf, nachdem sie sich mit ihrem geringen Vermögen einen Jahrtag in Lauchheim gestiftet hatte. Die übrigen Schwestern vererbten einander. Die Letzte sollte einen Jahrtag für beide stiften. Doch sie war geizig und stets voll Angst um ihr Geld. Deshalb vergrub sie es auf dem Gromberg. Als sie starb, hatten beide Schwestern keinen Jahrtag bekommen. Die Letztgestorbene fand im Grab keine Ruhe und musste auf dem Gromberg als Geist wandern. So saß sie hunderte Jahre in der Tiefe des Berges bei einem Höllenhund, der sie und ihr Geld bewachte. Nur zu Fronleichnam durfte sie an die Oberwelt, um erlöst zu werden. Als diese Zeit wieder kam, sah man eine Schar Jesuiten aus Ellwangen betend auf den Gromberg ziehen. Nach einigen Stunden kamen sie freudig zurück und man hörte, wie schwere Wagen nach Ellwangen fuhren. Die Jesuiten hatten den Höllenhund überwunden und gezwungen, das Geld nach dem Schönenberg zu führen, wo sie Kirche und Kloster erbauten. Das Fräulein soll nun erlöst sein, doch sieht man es zuweilen noch in weißer lichtstrahlender Gestalt auf dem Berg wandern.“

Der Taubenschlag nahe des unterirdischen Gangs
An die Burgruine Gromberg knüpft sich eine Sage

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