Von einem Ordensritter, der nicht nur wegen der Frauen den Kopf verlor

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Werner Kowarsch im Turmzimmer hinter dem Fürstensaal von Schloss Kapfenburg.
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Ein "schwarzer Reiter" soll auf Schloss Kapfenburg spuken. Was es mit der Sage auf sich hat.

Lauchheim

Eine Hinrichtung soll es gewesen sein. Eine heimliche noch dazu. Kopf ab in einer Nacht- und Nebelaktion durch einen extra aus Neresheim angereisten Scharfrichter. Der, den Kopf dabei verloren haben soll, ist der Freiherr von Lehrbach. Ein Ritter des Deutschordens, der einst auf Schloss Kapfenburg Komtur war. Rund 50 Jahre ist es her, dass diese Geschichte in einem Zeitungsartikel erschienen ist, den der Lauchheimer Heimatforscher Werner Kowarsch nun entdeckt hat. Glaubt man dem Artikel, war von Lehrbach in Ungnade gefallen, weil er "seine Ordensregel vernachlässigt und lieber den Weltfreuden" gehuldigt habe, ist in dem Artikel zu lesen. Unter anderem, in dem er mit einer jungen Beschließerin ein Kind gezeugt habe. Nicht genug, auch ein Selbstmordversuch wird dem Ordensritter Conrad Christoph von Lehrbach demnach zugeschrieben, "indem er in die Wand schoß, mit dem Rasiermesser sich die Haut aufritzte und so im Blute seiner Bettstatt liegend gefunden wurde." Dem Bericht und wohl auch den damaligen Glaubensregeln nach ein paar Sünden zu viel. Der Neresheimer Henker soll von Lehrbach im Fürstensaal den Kopf abgeschlagen haben. "Nun gibt es eine Sage, nach der von Lehrbach nachts mit einer Kutsche gefahren kommt", erzählt Werner Kowarsch. Eine weitere von Heimatforscher Hugo Theurer aufgezeichnete machte von Lehrbach gar zum "Reiter von der Kapfenburg". Der soll als schwarzer Ritter zur "Mitternachtsstunde" in Sturmnächten die Feste sieben Mal umrunden und dann um Einlass bitten. Unsinn, wie weite, wenn auch nicht alle Teile der Geschichte, so Kowarsch zusammenfassend.

Wahr ist: Conrad Christoph von Lehrbach gab es. 1732 kam er als neuer Komtur auf die Burg. "Er war damals bereits schon 55 Jahre alt", so Kowarsch. Der Komtur habe versucht, Wirtschaft und Finanzen an sich zu ziehen und sich "dabei nicht nur Freunde gemacht. Klotzen, nicht kleckern, lautete offenbar seine Strategie. Von Lehrbach sorgte baulich zwar barocken Glanz auf der Burg und stockte den Schafbestand der Burg von 300 auf 750 Tiere auf, schuf mehr Schweine an. Dafür benötigte er zunehmend mehr Wald und Weiden und "drängte die Bauern zurück und drangsalierte sie", berichtet Kowarsch von seinen Recherchen. Seine Favoriten dagegen bevorzugte er. Unter anderem auch die Familie Baumgärtner auf der Banzenmühle.

Bereits aus dem 1749 gibt es Verhörprotokolle, die all das belegen, erzählt der Heimatforscher und ehemalige Bürgermeister von Lauchheim Kowarsch. Prügelstrafe, Narrenkappen, Ohrfeigen seien auf der Tagesordnung gestanden. Frauen habe von Lehrbach sogar an den Pranger gestellt. "Er zeigte, wer der Herr ist und war sehr ichbezogen." Wahr ist auch: Der Komtur pflegte ein nach einem Verhältnis mit einer älteren Dame auch ein "intimes Verhältnis" mit einer 20-jährigen Beschließerin, die er auf die Burg geholt hatte. "Im Alter von 65 Jahren", so Kowarsch. 1750 schließlich habe Maria Anna Baumgärtner einen Knaben zur Welt gebracht. "Als das Kind kam, wurde es für ihn eng", sagt Kowarsch. Der Komtur sei bei der Geburt zwar zugegen gewesen, habe das Kind schnell getauft und verzweifelt nach einem gesucht, der die Vaterschaft übernehmen könne. Erfolglos. Und so kam der Knabe zu einer Schwester Maria Anna Baumgärtners nach Waldhausen. Dort sollte es dann angeblich schnell verstorben sein. Der Komtur aber wurde aus der Schusslinie gebracht, wurde zunächst in Mergentheim und dann in Ellingen arretiert und schließlich 1755 in den Ruhestand versetzt. 1767 starb von Lehrbach in Ellingen und wurde dort in der Schlosskapelle beigesetzt.

Ein eher unspektakulärer Tod also. "Aber er hat gegen Regeln verstoßen und auf jeder Burg sucht man einen Bösewicht", sagt Kowarsch, wie es zu der Sage und der Geschichte in dem Zeitungsartikel kam. Kowarsch hat weiter in den Archiven geforscht und herausgefunden, dass man 1750 ein Findelkind fand, dass bei einem Hutmacher in Lauchheim in Pflege genommen wurde. Bis es in die Lehre kam, gingen von der Burg Zahlungen für dessen Schulausbildung ein. "Warum ausgerechnet für dieses Findelkind?", sagt Kowarsch. Zudem hätte man wohl niemals einen Scharfrichter aus Neresheim geholt, um dem sündigen Komtur einen Kopf kürzer zu machen. Sondern wohl eher aus Ellwangen. Noch heute zeugt unter anderem ein Wappen der Familie im Fürstenzimmer, in dem Lehrbach der Sage nach ja seinen Kopf verloren haben soll, dass von Lehrbach dort wirkte. Im Turmzimmer daneben soll sich der damals schon recht betagte Mann zudem immer mit der jungen Beschließerin getroffen haben, so Kowarsch.

Aus den Verhörprotokollen des Freiherr von Lehrbach

Aus der Verhörakte vom 18. Mai 1749 des Komturs von Lehrbach (Staatsarchiv Ludwigsburg B 326 Nr. 16 a) Nr. 22: „ ... Er schaltet und waltet mit dießer Commenden, als wann man ihme solche allein zum Verderben gegeben hätte, und um nur seine Favoriten damit bereichern zu khönnen.“

„… Daß Herr Commenthur , gleichwie mit der vorig, also auch mit dermahligen Beschließerin beständighin ärgerlichen Umbgang habe, dieselbe nicht nur in der Chaise auf die Jagd, sondern auch öffentlich am Armb zum Thor hinauß spatzieren führet ist männiglich bekannt und wird diese neue Beschließerin sich in kurzter Zeitt gleich der vorigen bereichern, wan Sie bey allen Rechts- und auch Handtlungen von jedter Parthey Schmiralien annimbt…“ Quelle: Staatsarchiv Ludwigsburg

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