Lippach ehrt seine Heilig-Blut-Reliquie

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Dekan Prof. Dr. Sven van Meegen predigt beim Heilig-Blut-Fest in Lippach von den fünf Zeichen des Glaubens.

Ohne Reitergruppen, dafür aber mit einem feierlichen Gottesdienst im Freien.

Westhausen-Lippach. Es ist eine Heilig-Blut-Reliquie, die bei der katholischen Kirchengemeinde in Lippach von enorm großer Bedeutung ist. Sie birgt mit Erde vermischtes Blut von der Kreuzigung Christi und ist in der Heilig-Blut-Kapelle – einem Seitengewölbe der Pfarrkirche St. Katharina – aufbewahrt.

Einmal im Jahr verlässt die Reliquie ihren angestammten Platz und wird in einer feierlichen Prozession durch den Ort getragen. Was früher eine Fußwallfahrt war, ist seit dem Jahr 1950 ein Blutritt mit meist über 100 Reitern und einer Kutsche, in der sich ein Priester mit der Heilig-Blut-Reliquie auf den Weg macht.

Musste der Ritt durch Flur und Felder im vergangenen Jahr pandemiebedingt noch ganz abgesagt werden, durften sich die vielen Gläubigen an diesem Sonntag wenigstens über einen Festgottesdienst auf dem Alten Kirchplatz freuen. Schließlich galt es ja auch das 70. Heilig-Blut-Fest in Lippach zu feiern.

Zu Beginn regnete es noch etwas und nur langsam füllte sich der Platz vor der Altarinsel. Denn alle Gläubigen mussten sich zunächst regelkonform anmelden und ein geeignetes Plätzchen zum Stehen oder Sitzen suchen. Aber auch wenn Standarten-Träger aus Lippach und Westhausen später den Altar flankieren sollten – Hufgeklapper gab es keines. Dafür zwitscherten die Vögel derart um die Wette, als wollten sie die vielen Pferde, die sonst immer zum Geschehen zählen, vertreten.

„Das Heilig-Blut-Fest in Lippach ist so etwas Besonderes, dass sich Menschen seit vielen Jahrzehnten aufmachen und Gott in ihre Mitte nehmen“, stellte Dekan Prof. Dr. Sven van Meegen bei der Begrüßung fest. Auch sei es keine oberflächliche Tradition. „Es wird der Auftrag wiederholt: Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Die Wolken waren inzwischen verzogen und die Sonne strahlte über den ganzen Platz. Da passte das Lied „Der Herr hat seinen Thron errichtet im Himmel“, das von Katharina Hutter so wunderschön leicht gesungen und am E-Piano gespielt wurde.

In seiner Festpredigt sprach der Dekan von Jesus und der Heiligen Wandlung: „Mit dem Tod am Kreuz hat er einen Knopf an seine Lebensaufgabe gemacht.“ Van Meegen zog Vergleiche: „Jesus macht aus seinem Leben eine Stiftung – mit einem Fond, aus dem geschöpft werden kann, selbst in Krisenzeiten.“ Die fünf Wunden von Jesu Verletzungen griff van Meegen als die fünf Zeichen des Glaubens auf. „Der Glaube kann befreien – wer glaubt, muss tätig werden – Glaube ist Herzenssache – Glaube heilt – wer glaubt, wird in neuen Sprachen sprechen.“ Und auch wenn Schwäbisch die schönste Sprache der Welt sei, wäre die Liebe als solche gemeint.

Nach dem Segen mit der Heilig-Blut-Reliquie und einem Marienlied von Katharina Hutter machte Prof. Dr. Sven van Meegen Hoffnung: „Im nächsten Jahr wird es sicher wieder einen grandiosen Blutritt geben.“

Doris Weber

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