Der Tiny Garten zum Tiny House

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Das Tiny Hirsch von Uschi Hirsch in Lippach. Seit einem Jahr lebt sie dort. Fotos: dot
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Seit einem Jahr lebt Uschi Hirsch in ihrem Minihaus in Lippach. Wie sich Wind und Wetter dort anfühlen, was sie noch anders machen möchte und wie es in ihrem Garten aussieht.

Westhausen-Lippach

Nun, nach einem Jahr, bereut sie ihren Neuanfang vielleicht doch ein wenig? „Keine Sekunde“, sagt Uschi Hirsch mit Nachdruck und blickt mit ruhigem Blick von ihrer neuen Terrasse aufs weite Feld. Vor einem Jahr, am 1. September 2021, ist die gebürtige Münsteranerin von Westhausen in ihr Tiny House in Lippach gezogen. Hat ihr Leben reduziert von rund 140 auf 45 Quadratmeter.

Wobei: Für die naturverbundene 73-Jährige stimmt diese Fläche wohl nicht ganz. Denn jetzt, im Sommer, lebt sie viel in ihrem Garten. Noch ist sie nicht ganz zufrieden damit, wie er aussieht. Es fehlt noch eine Hecke und so richtig wachsen will noch nicht alles in der lehmigen Erde, wie sie sagt - auch wenn mancher sie um ihre Sonnenblumen beneiden dürfte.

„Eigentlich müsste ich hier alles mit guter Erde auffüllen“, sagt sie. Doch bis dahin seien erst noch ein paar andere kleine Arbeiten am Haus zu erledigen, die dringender sind. „Aber wir sind auf einem guten Weg“, beschreibt es Uschi Hirsch. Noch ist der Carport nicht ganz fertig, ebenso wenig der Eingangsbereich. Handwerker sind schwer zu kriegen - auch wenn das Haus nur ein kleines ist.

Bis es vielleicht neue, fruchtbarere Erde in ihrem Garten gibt, hat die leidenschaftliche Gärtnerin einen Trick, wie sie trotzdem jede Menge Salat ernten kann. Aus ihrem ehemaligen Haus hat sie einfach die Schubkarren mitgenommen darin Salat, Rucola, Schnittlauch, Petersilie und Co. angepflanzt. Tiny Beet im Tiny House quasi.

240 Quadratmeter Fläche insgesamt hat Uschi Hirschs Grundstück in Lippach. Ein kleineres Tiny House steht nun auf dem Grundstück neben ihrem, zwei weitere werden auf der anderen Seite entstehen. Die Umrisse für die Grundflächen sind schon sichtbar. Vier Wohneinheiten auf 1000 Quadratmetern Fläche - den Einwand mancher Kommunen, dass Minihäuser Flächen fressen, lässt Uschi Hirsch deswegen nicht gelten. „Schauen sie mal, wie groß die Grundstücke mancher Einfamilienhäuser sind, in denen oft nach dem Auszug der Kinder nur ein oder zwei Personen leben“, sagt sie. „Hier leben mindestens vier. Auf Dauer“, macht sie sich für diese Art des Wohnens stark.

Neugierige Zaungäste

Auch energetisch kann sich die bisherige Bilanz des kleinen, gut isolierten Häuschens sehen lassen, das von der Lippacher Firma Holzbau Maier ganz nach Uschi Hirschs Wünschen gefertigt wurde. Ihre 45 Quadratmeter hätten bisher einen Verbrauch von rund 100 KW im Monat - das Tiny House entspricht KfW-Standard 45 und wird beheizt mit vier Infrarotheizkörpern. Was genüge. „Es war auch im Winter sehr gemütlich und selbst als ich Corona hatte, ist mir im Haus nicht die Decke auf den Kopf gefallen“, erzählt Uschi Hirsch. Nur bei den starken Gewittern kürzlich sei ihr etwas mulmig gewesen wegen „Blitz und Donner“ rundherum. Da sei sie zum Schlafen lieber ins Gästezimmer nach unten gezogen.

Das Leben im Tiny House - es macht andere neugierig. „Es kommen immer wieder Leute vorbei, die mal reinschauen wollen. Ich lasse viele rein, aber nicht alle“, sagt sie. „Ich sehe schon, wer es ehrlich meint“, ist sich Uschi Hirsch sicher. Zuletzt hätten drei Frauen das Haus besichtigt. „Die waren hin und weg“, freut sie sich.

Geburtstag mit 12 Gästen

Mit knapp weniger als 50 Quadratmetern Fläche gehört Uschi Hirschs Tiny House eindeutig zu den Großen unter den Kleinen. Sie weiß das. „Aber weniger wäre für mich nicht möglich gewesen.“ Schaut man sich bei ihr um, sieht man nicht puren Minimalismus - das sei auch nicht ihr Ding, wie sie sagt. Bücher, CDs, Bilder von der Familie - all das hat sie aktuell dort untergebracht. Von vielem getrennt hat sie sich trotzdem - und ist immer noch dabei. Einen Teil ihres Stoffes hat die passionierte Näherin für einen guten Zweck gespendet. „Ich will ja eigentlich nicht so viel haben, ich bin immer noch dran“, erzählt sie, während sie den Kaffee auf ihrer Pad-Maschine macht. Der selbst gebackene Zitronenkuchen steht schon bereit auf dem Tisch.

Kaffee und Kuchen für 12 Gäste gab es auch kürzlich auch zum Geburtstag der dreifachen Uroma. Sie stellte einfach ihren Küchen- und den Tisch aus ihrem Gästezimmer zusammen, dann wurden die neuen Klappstühle aus dem fast fertigen Gartenhaus geholt. „Ich kann in meinem Tiny House auch umräumen, das glaubt man gar nicht“, witzelt Uschi Hirsch. Umräumen, schon nach einem Jahr ...

Tiny House - den Trend gibt es auch auf der Ostalb

Vier Tiny Houses werden in Lippach stehen - die Grundstücke dafür sind bereits alle verkauft. Für weitere gibt es unter anderem Bauplätze in Westhausen „Josefskapelle“ und Hüttlingen „Heiligenfeld“. Kleiner als 50 Quadratmeter dürfen sie immer sein, allerdings regeln die Bebauungspläne Näheres. Wer einmal probieren will, wie sich das Leben in einem Tiny House anfühlt, kann das ja einmal im Urlaub ausprobieren. In Deutschland gibt es auch bei den gängigen Buchungsportalen immer mehr Anbieter unter dem Suchbegriff „Tiny House.“ Nahe gelegen sind; www.zinipi-retreat.de online, aber auch die Schäferwagen in Erpfenhausen und in Zang.

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Das Tiny Hirsch von Uschi Hirsch in Lippach. Seit einem Jahr lebt sie dort. Fotos: dot
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Das Tiny Hirsch von Uschi Hirsch in Lippach. Seit einem Jahr lebt sie dort. Fotos: dot
Die Sonnenblumen stört der lehmige Boden nicht.
Die Sonnenblumen wachsen noch - der lehmige Boden stört sie nicht. Foto: Oltersdorf, Dagmar
Platz ist in der kleinsten Hütte. Insgesamt 12 Gäste hatte Uschi Hirsch kürzlich bei ihrer Geburtstagsfeier. Foto: privat
Platz für Bücher und Dekoration auf kleinem Raum.

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