Großes Abfischen am Stockmühlsee

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Wie Karpfen, Barsche, Schleien und andere Fischarten von Lippach aus über den Hammerschmiedesee auf große Reise gehen.

Westhausen-Lippach

Warum hat ihr niemand gesagt, dass neben Fotoapparat und Kugelschreiber noch ein Paar Gummistiefel zur Standard-Ausrüstung gehören? So kommt unserer Reporterin nach einer zufälligen Begegnung mal wieder "nassen Fußes" zu Hause an. Gelohnt hat sich das "Große Abfischen" für sie aber allemal.

Es ist der Fischwirtschaftsmeister Joachim Hug, der vom Hammerschmiedesee bei Abtsgmünd zum Stockmühlsee bei Westhausen-Lippach "übergesetzt" hat, um Karpfen, Barsche & Co. aus dem Wasser zu holen. Zeit zum Plaudern bleibt kaum, denn er und seine Helfer müssen mit hohem Tempo tausende Fische fangen, sortieren und in Transportbecken verteilen. Gut, dass der See eigens dafür abgelassen wurde und nur noch ein Teich übrig bleibt. Anders wäre das Spektakel kaum denkbar.

Entschlossen kämpfen sich ein paar Männer in Anglerhosen durch das bauchnabeltiefe Wasser. Immer und immer wieder ziehen sie mit einem Netz die Fische in Richtung Ufer. Dort wartet ein vielhändiges Team mit Keschern auf seine "Beute". Es wuselt und riecht nach Schlamm. Ein Kraftakt, bis die unzähligen Fische in Bottiche verfrachtet und nach oben auf den Damm befördert sind. Vom Sortiertisch aus kommen die Fische nach Arten getrennt in separate und beschriftete Transportbecken, wo wiederum Sauerstoff zugeführt wird.

Das große Zappeln hält sich während der ganzen Aktion ziemlich in Grenzen. "Fische sind wechselwarme Tiere. Wenn es kalt ist, sind sie weniger aktiv und das Ganze ist für sie stressfreier", erklärt Hug auch den Herbst als gewählte Jahreszeit für das Abfischen. Während unsere Reporterin noch darüber nachdenkt, ob denn schon Ostern sei, wo an Karfreitag ganze oder filetierte Fische gebraten auf den Tellern landen, klärt der Experte weiter auf. "Wir bringen die lebendigen Tiere von Lippach aus zum Hammerschmiedesee. Dort kommen sie in Zuchtteiche, von wo aus sie weiterverkauft werden." Die Reise geht also weiter, indem Fischereivereine aus ganz Baden-Württemberg die gewünschten Fischarten zur eigenen Zucht in ihre kleineren Seen bringen.

So wie ein Bauer sein Feld erntet.

Joachim Hug Fischwirtschaftsmeister

Das Abfischen vergleicht Hug mit klassischer Landwirtschaft. "So wie ein Bauer sein Feld erntet, wird in der Fischwirtschaft ein See abgelassen." Stolz zeigt er seinen dicksten Fang – einen 3,5-Kilo-Karpfen. Schlankere Exemplare, wie Rotaugen oder Rotfedern kennt nur der Fachmann auseinander. "Die einen haben ein endständiges Maul, wo beide Kiefer gleich lang sind. Die anderen dafür einen längeren Unterkiefer." Auch ob es ein weiblicher oder männlicher Fisch ist, stellt Hug, wie bei Schleien, anhand der Brustflossen fest.

Das alles hat der Fischwirtschaftsmeister schon von seinem Vater und während der Ausbildung gelernt. "Ein ganz normaler Lehrberuf", wie Hug sagt, der inzwischen mit seinem Zuchtbetrieb gut 90 Hektar Gewässer bewirtschaftet.

Am 23 Hektar großen Stockmühlsee bei Lippach geht am Ende alles sehr schnell. Nur vier Stunden Abfischen und schon kann die Schleuse wieder geöffnet und der See befüllt werden.

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