So lebt Uschi Hirsch in ihrem Tiny House in Lippach

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Uschi Hirsch hat vor wenigen Monaten ihr neues Tiny Haus in Lippach bezogen.
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Seit September wohnt die 72-Jährige nun in ihrem 45-Quadratmeter-Häuschen. Was sie dort vermisst, was sie daran liebt und warum ihr vor dem Einzug ein wenig bange war.

Westhausen-Lippach

Im Türrahmen steht eine glücklich lachende Frau. Uschi Hirsch ist endlich dort angekommen, wo sie seit zwölf Jahren hinwill. In ein kleines Haus – ein Tiny House. Ende August ist sie dort eingezogen. Und hat es keine Sekunde lang bereut, dass sie nun statt auf 138 Quadratmetern nur noch auf 45 wohnt. „Ich habe ein Drittel meins Lebens aufgeräumt, auch Dinge, die mir am Herzen lagen“, sagt sie und blickt ebenso aufgeräumt in die Ferne. Das kann sie, weil ihr Minihaus in Lippach an einen Acker grenzt, aus dem sich nun die letzten verblieben Grashalme durch eine dünne Schneedecke recken. Weiter hinten sieht man den Wald. Natur pur. „Im Sommer hatte ich Kuh-Kino, aber jetzt sind sie weg“, sagt Uschi Hirsch. Ihren Fernseher, der an der Wand hinter der Veeh-Harfe fast versteckt ist, habe sie trotzdem noch nie angeschaltet.

Ruhig ist es an diesem Tag im Dezember bei ihr aber nicht. Im Garten werkeln die Handwerker der Firma Holzbau Maier, die nun Uschi Hirschs Carport in Angriff nehmen. Ende August war es auch die Firma Maier, die das dort gefertigte Tiny House auf einem Tieflader genau dort hingesetzt hat, wo es jetzt steht. Uschi Hirsch schaute zu, bangte: „Das Haus war ja an einem Stück, die Türen und Fenster schon drin, wenn da was geknackt hätte …“, lässt sie das Ende gedanklich offen. „Ich hatte schon Angst.“ Zuvor sei noch etwas am Kran kaputtgegangen. „Das war schon einen Zitterpartie bis zum Ende“, sagt Uschi Hirsch. Aber alles habe gut geklappt und sie bereue keine Sekunde, mit der Firma vor Ort gebaut zu haben.

Mit ihren Schwiegersöhnen, Sohn, Freunden und Freundinnen lädt sie noch am gleichen Tag ihre Möbel und Umzugskisten in ihrem neuen Heim ab. „Da stand alles nur drin. Das war wild. So was habe ich noch nicht erlebt.“ Die erste Nacht verbringt sie auf ihrer Gästeliege, für die sie durchaus Platz in ihrem Minihaus gefunden hat. Die Liege steht in ihrem Handwerks-, Bastel-, Arbeits- und Gästezimmer. Sie selbst schläft aber mittlerweile längst unter dem Dachgiebel, mit Blick auf den Himmel durchs Dachfenster, wie sie es sich gewünscht hat. „Und der Sternenhimmel findet tatsächlich manchmal auch statt“, freut sie sich. „So gut habe ich schon lange nicht mehr geschlafen.“ Nur zu warm sei es manchmal. Obwohl es dort gar keine Heizung gibt. Das Tiny House entspricht KfW-Standard 45 und wird beheizt mit vier Infrarotheizkörpern. Allein zwei davon hängen in dem rund vier Meter hohen Dachgiebel. „Das reicht völlig aus“, sagt Uschi Hirsch.

Die Wände in ihrem Tiny House gehören nicht Heizkörpern, sondern dem Stauraum. Allein ihrer Wohnküche hat sie zwei Bauernschränke, eine Vitrine und ein Board unterbracht, dazu ein Rattansofa, einen kleinen Tisch und einen Sessel dazu, einen Küchentisch mit roter Pünktchen-Tischdecke, drei Stühle und die Küchenzeile mit zwei Induktionsplatten und einem Backofen, der nur die Hälfte der normalen Höhe misst. Zwischen all dem Holz an der Wand fühlt man sich wie im Wald und so riecht es auch. Gemütlichkeit in jeder Ecke. Platz für den Holzherd mit Backfach, den sich Uschi Hirsch eigentlich noch wünscht, gibt es momentan nicht. Auch ihr großer Garten fehle ihr sehr.„So einen hatte ich in der Bahnhofstrasse in den 40 Jahren dort aufgebaut und den vermisse ich sehr“, sagt sie.„Da draußen ist ja nur Lehmwüste, da kommt noch die Holzterrasse hin“, schaut sie aus der doppelflügeligen bodenhohen Holztüre im Wohnzimmer. Und stapelt tief. Denn in der "Lehmwüste" stehen eine Bank, ein kleiner Weihnachtsbaum mit Lichtern und ein Vogelhaus.

Wenn auch der Ofen im alten Haus zurückblieb, dafür hat 72-jährige, die früher auch eine Änderungsschneiderei mit Naturwaren in Westhausen führte, mehrere Dutzend bunter Stoffballen in ihrem Allzweckzimmer untergebracht. Nähmaschine und Bastelutensilien sind hinter einem Vorhang verstaut. Auch hier kann man durch ein Fenster in die Natur blicken. Nachbarn und Freunde, die vermisse sie schon ein wenig. „Aber ich bin ja nicht weit weg“, sagt Uschi Hirsch. Das Loslassen von Dingen, Gewohnheiten, Familiengeschichten sei schon schwieriger gewesen. Dafür habe sie nun die Natur sehr nah, können den Sonnenuntergang sehen, genieße die Ruhe. „Es ist ein Haufen Ballast weg. Ich habe hier ein anderes Lebensgefühl. Das möchte ich nicht mehr missen.“

Uschi Hirsch hat vor wenigen Monaten ihr neues Tiny Haus in Lippach bezogen.
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Uschi Hirsch hat vor wenigen Monaten ihr neues Tiny Haus in Lippach bezogen.
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