Bürger wehren sich gegen Bauprojekt

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Die Bürgerinitiative Westhausen macht mobil. Sie wehrt sich gegen die massive Bebauung eines Grundstücks.
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In Westhausen gründet sich eine Bürgerinitiative gegen drei Mehrfamilienhäuser an der Gartenstraße. Wie die Sprecher argumentieren und was der Bürgermeister sagt.

Westhausen

Die Gemeinde und zwei Investoren planen drei Mehrfamilienhäuser auf einem brachliegenden Gartengrundstück in Westhausen. Jetzt haben 50 Anwohner der Gartenstraße eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen. Sie wollen sich gemeinsam gegen das Bauvorhaben wehren. „Vor allem die Belastung durch die fehlende Infrastruktur macht uns Sorgen“, begründet das Sprecher-Team der Bürgerinitiative (BI) ihr Anliegen.

Indessen zeigt sich Bürgermeister Markus Knoblauch verwundert. „Wir sind im Gespräch mit den Anwohnern“, betont er und verweist unter anderem auf einen Info-Abend für die Bürger. „Wir nehmen die Anliegen der Anwohner ernst und noch ist nichts in trockenen Tüchern“, versichert der Schultes.

Die Argumente der BI: Kritik an der Informationspolitik übt Sprecher Martin Hartmann. „Im Winter vergangenen Jahres trauten einige von uns ihren Augen nicht. Da wurden auf der Homepage eines Ellwanger Wohnbauträgers Eigentumswohnungen angepriesen, und zwar in unserer unmittelbaren Nachbarschaft“, sagt er. Man habe herausgefunden, dass der Mehrgeschosswohnungsbau zwar geplant, jedoch noch nicht genehmigt sei. „Eine schriftliche Info über das Projekt an alle Anwohner erfolgte erst im Februar“, so Hartmann. Er und die weiteren Sprecher Andreas Banas, Roman Saam und Peter Gerner nennen Zahlen. Sie sprechen von insgesamt 32 Wohneinheiten, verteilt auf drei Gebäude, mit bis zu vier Geschossen. Zielgruppe der Investoren seien, so Hartmann weiter, Westhausener Ü50, die ihr Haus am Ort aufgeben und die Gebäude für junge Familien freimachen sollen – und Ziel sei, „ein autofreies Quartier“ zu schaffen.

Zufahrt: „Was auf dem Papier gut aussieht, hat aber für uns als BI einige große Haken“, sagt Peter Gerner. Er spielt auf die Parksituation und den Verkehrslärm an. Die Zufahrt zu den Gebäuden könne nur über die Gartenstraße erfolgen. Diese ist teils mit 3,70 Meter sehr schmal und könne nur auf Höhe des Baugrundstückes verbreitert werden.

Verkehr: „Mehr Wohnungen bedeuten mehr Verkehr“, springt Andreas Banas seinen Mitstreitern zu Seite. Das Gebiet sei bereits stark durch parkende Fahrzeuge belastet. Senioren mit Gehhilfen oder einem elektrischen Rollstuhl kämen auf der gehweglosen und zudem noch abschüssigen Straße wohl kaum gut zurecht. Ein „autofreies Quartier“ sei kaum die zutreffende Beschreibung für das künftige Areal. Ein Verkehrsgutachten, mitten im Lockdown erstellt, kritisiert das Vierer-Team.

Parken: Zudem bezweifeln die Sprecher, dass 40 Tiefgaragenplätze, also ein Schlüssel von 1,25 Fahrzeugen pro Einheit, ausreichend seien. „Im Ort gibt es bereits ein Paradebeispiel, das das Gegenteil belegt“ sagt Peter Gerner in Bezug auf ein bestehendes Mehrfamilienhaus. Erst seit man eine große, zusätzliche Parkfläche geschaffen habe, gebe es Entspannung.

Umgebung: Als weiteres Argument nennen die BI-Vertreter die fehlende Harmonie zur bestehenden Bebauung. Dort stünden überwiegend Einfamilienhäuser. Grundsätzlich habe man nichts gegen eine Bebauung; allerdings gegen ein Vorhaben in diesem Ausmaß mit 32 Wohneinheiten ohne passende Infrastruktur; da fehle das Verständnis, wenn im Baugebiet „Josephskapelle“ ein Mehrfamilienhaus mit nur zwölf Einheiten geplant sei. „Obwohl dieses Areal durch die Hauptstraße optimal erschlossen wäre“, meint Martin Hartmann.

Der Schultes hält dagegen: „Wir sind in einem laufenden Verfahren“, betont Bürgermeister Markus Knoblauch. Noch sei nichts fix. Etwa die 32 Wohnungen oder die Höhe der Gebäude. Das alles müsse noch der Gemeinderat beraten. Er gehe davon aus, dass die dreigeschossigen Mehrfamilienhäuser mit Flachdach kaum höher kommen, als plane man zweigeschossige Einfamilienhäuser mit Satteldach. „Wir bleiben unter der Firsthöhe der Umgebungsbebauung. Auch in Sachen Parken versucht er zu beruhigen. Die Tiefgarage mit 40 Stellplätzen entspanne die Parksituation. In Planung sei ein Verkehrskonzept, inklusive des ruhenden Verkehrs. Zum „Parkplatzschlüssel“, sagt er, den wolle man auf 1,5 Stellplätze pro Wohnung erhöhen. „Wir haben für das Areal einen Wettbewerb ausgeschrieben und wir hätten bei der Größe durchaus dichter bauen können“, verteidigt er das Projekt.

Was auf dem Papier gut aussieht, hat einige große Haken.“

Peter Gerner, einer der fünf BI-Sprecher

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