Markus Knoblauch zieht Halbzeitbilanz

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Westhausens Bürgermeister Markus Knoblauch plant fleißig. Für ihn ist jetzt quasi „Halbzeit“.

Halbzeit für Markus Knoblauch: Wie Westhausens Rathauschef seine Gemeinde mit Bedacht weiterentwickeln und in vielen Bereichen voranbringen will.

Westhausen

Die Hälfte seiner ersten Amtszeit als Bürgermeister von Westhausen ist bereits vorbei und die vier Jahre vergingen seinen Worten nach wie im Flug. Was beschäftigt Rathauschef Markus Knoblauch momentan und wo will er seine Gemeinde gerne sehen? Darüber hat unser Mitarbeiter Martin Bauch mit Bürgermeister Markus Knoblauch in einem Interview gesprochen.

Sie sind ja kein Neuling im Rathaus Westhausen und kennen die Verwaltung aus dem Effeff. Aber haben Sie sich Ihr Amt als Bürgermeister von Westhausen genau so vorgestellt?

Markus Knoblauch: Ich arbeite ja schon seit 2000 im Westhausener Rathaus. Zuerst als stellvertretender Hauptamtsleiter, dann als Hauptamtsleiter und seit meiner Wahl im November 2017 und meinem Amtsantritt am 15. Februar 2018 nun als Bürgermeister dieser Gemeinde. Somit gab es im Hinblick auf die Themen wenig Überraschendes – außer Corona natürlich. Neu waren für mich die Repräsentationsaufgaben und Termine mit Außenwirkung, die Leitung der Sitzungen sowie die Verantwortung als Bürgermeister. Jedenfalls konnte mir selbst die sehr herausfordernde Pandemie die Freude an meinem Traumjob nicht nehmen.

Was hat Corona in Ihrer Arbeit verändert?

In meinen ersten beiden Amtsjahren konnte ich noch mit allen Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Organisationen, Handels- und Gewerbetreibenden usw. unbeschwert in den engen persönlichen Kontakt und Austausch treten. Die Pandemie hat dies dann leider sehr stark eingeschränkt. Keine Vereins- oder Gemeindefeste, Seniorengeburtstage, Hochzeitsjubiläen, kulturelle Veranstaltungen, nicht mal ein traditioneller Silvesterritt. Auch unser großes Kreisfeuerwehrfest musste ja schon zweimal verschoben werden. Hoffentlich klappt es diesen Juli nun im dritten Anlauf. Das alles sind genau die Gelegenheiten, die den so wichtigen direkten Draht zu den Menschen ermöglichen und ich hoffe sehr, dass dies alles bald wieder möglich sein wird.

Wo haben sie als Bürgermeister in den letzten vier Jahren Akzente setzen können?

Als Bürgermeister ist es mir sehr wichtig, für alle Generationen da zu sein. Dazu gehört auch, wichtige Projekte für alle Lebensbereiche umzusetzen. So haben wir beispielsweise viele Millionen Euro in die Einrichtungen zur Kinderbetreuung und unsere Propsteischule investiert. Neues Bauland konnte entwickelt, zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten konnten geschaffen werden. Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene dürfen sich auf unsere neue Pumptrackanlage bei der Wöllersteinhalle freuen, für die wir einen LEADER-Zuschuss ergattern konnten. Und wir haben einen großen Schritt in Sachen Breitbandausbau gemacht.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Besonders freut es mich, dass wir das Thema Betreutes Wohnen gemeinsam mit der Stiftung Haus Lindenhof und dem Projektträger Brenner+Ebert kurz nach meinem Amtsantritt angehen und zwischenzeitlich auch fertigstellen konnten. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es wichtig, weitere Wohn- und Pflegeprojekte für unsere älteren Mitmenschen, wie die neben St. Agnes geplante Tagespflegeeinrichtung sowie die Erweiterung des Pflegeheims selbst zu entwickeln. Auch mein Herzensprojekt „Wim“ ist ein toller Erfolg – das Bürgerrufauto wird von unseren Senioren bestens angenommen. Dankenswerterweise engagieren sich 25 Fahrerinnen und Fahrer ehrenamtlich für dieses wunderbare Angebot.

Was geschieht in Sachen Klimaschutz in Westhausen?

Wir wollen Westhausen Schritt für Schritt in die Klimaneutralität führen. Wir als Gemeinde möchten hier unsere Vorbildfunktion ausfüllen, indem wir z. B. unsere kommunalen Gebäude, wo es geht und Sinn macht, mit Photovoltaikanlagen bestücken, Energieeinsparungen vornehmen und Vieles mehr. Dafür haben wir im Gemeinderat ein eigenes Klimaschutzkonzept beschlossen und unsere Klimaschutzmanagerin Verena Mischo eingestellt. Wir müssen bei dieser großen Aufgabe aber auch unsere gesamte Bürgerschaft mitnehmen. Die Reaktionen auf das Thema Klimaschutz sind schon jetzt sehr vielversprechend. Bis zur Klimaneutralität müssen noch viele dicke Bretter gebohrt werden, ich bin überzeugt, dass uns das gelingt.

Läuft immer alles rund in Ihrer Gemeinde, so wie Sie sich es vorstellen?

Ach, irgendwas ist immer (lacht). Ein Beispiel: Der Bedarf und die Nachfrage nach Wohnraum in Westhausen sind aktuell riesig. Bauland ist aber knapp und es gibt kaum noch Möglichkeiten, weiteres zu erschließen. Dies würde auch den Klimaschutzzielen und der Aufforderung des Landes zur Nachverdichtung im Innenbereich widersprechen. Wir hatten in diesem Zusammenhang als Gemeinde das Glück, dass wir in der Gartenstraße ein großes, seit vielen Jahren brachliegendes Baugrundstück erwerben konnten. Dort sollen drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 26 Wohnungen entstehen. Alle barrierefrei und energetisch auf dem neuesten Stand, also flächen- und klimaschonend und auch mit Blick auf die Demografie zukunftsweisend. Mit einher geht die vorgesehene Aufwertung unseres Bahnhofsareals, das von diesem Baugrundstück nur fünf Gehminuten entfernt liegt.

Dagegen hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Wie begegnen Sie ihr?

Wir sind dieser Bürgerinitiative durch eine massive Reduzierung des Vorhabens bereits sehr weit entgegengekommen. Die Bürgerinitiative kritisiert: Die drei geplanten Gebäude seien zu hoch und würden sich nicht in die Umgebungsbebauung einfügen. Dabei sind sie niedriger als Großteile der Nachbarbebauung und das Einfügen wurde vom Baurechtsamt bestätigt. Ein anderer Grund: Zu wenig Parkraum und keine geeignete Erschließung. Doch ein neutrales Verkehrsgutachten und auch die Straßenverkehrsbehörde belegen im Zusammenhang mit einem von uns vorgelegten Verkehrskonzept und der geplanten Tiefgarage genau das Gegenteil. Ich finde es sehr schade und bin auch etwas traurig darüber, dass solch wegweisende Projekte – wie Landrat Dr. Bläse unser Gartenstraße-Projekt bezeichnet hat – auf diese Weise von einigen wenigen Leuten verzögert oder gar verhindert werden sollen.

Wie würden Sie Westhausen selbst beschreiben?

Westhausen verbindet in meinen Augen perfekt die Vorteile einer städtischen Umgebung mit den Vorzügen des ländlichen Lebens. Wir haben mit der A7, der B29 und der Bahnlinie eine ideale Verkehrsanbindung, dazu eine herausragende Infrastruktur mit allen Einrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf - und das alles inmitten einer wunderschönen Landschaft mit tollen Menschen. Somit ist Westhausen aus meiner Sicht der perfekte Wohn-, Freizeit- als auch Arbeitsort.

Was ist Ihnen wichtig?

Mir ist es wichtig, Westhausen in diesem Kontext „gesund“ und mit Bedacht weiterzuentwickeln, um diese schöne Kombination zu erhalten. An Aufgaben wird es uns hierzu in den nächsten Jahren ganz bestimmt nicht mangeln. Im Sommer soll mit dem Bau unseres neuen Blaulichtzentrums begonnen werden. Der Breitbandausbau und die Digitalisierung gehen weiter. Uns steht mit der interkommunalen Kläranlage, zusammen mit Lauchheim, eine herausfordernde „Großbaustelle“ bevor. Wir sind dran an den Planungen zur Erschließung unseres neuen Gewerbegebietes „A7 Westhausen“. Dazu kommt die Schaffung weiterer Wohnbaumöglichkeiten. Auch der geplante vierspurige Ausbau der B29 vom Kellerhaus bis zur Einmündung Westhausen wird uns u. a. in Sachen Lärmschutz für Baiershofen und Immenhofen weiter beschäftigen. Es gibt also noch viel zu tun in den nächsten Jahren in Westhausen.

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