Superblitzer stoppt die Raser auf der B29

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Der Blitzer auf der B 29 bei Westhausen.
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Fünf Jahre Superblitzer auf der B29: Zehnjähriger Kampf der Bürgerinitiative reduziert die Tempoverstöße deutlich. Der Lärmschutz bleibt aus BI-Sicht aber weiterhin mangelhaft.

Westhausen.

Seit Mitte März 2017 steht jetzt der sogenannte „Superblitzer“ an der B29 im Bereich der ehemaligen Tankstelle auf Höhe Reichenbach. Der richtige Zeitpunkt für die Bürgerinitiative „B29-Lärmschutz-Westhausen“ nach fünf Jahren eine Bilanz zu ziehen. Sie hatte damals lange für den Blitzer gekämpft, um die bereits existierende Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Stundenkilometer in diesem Bereich zu unterstreichen und dazu die Lärmbelästigung durch den meist zu schnellen Verkehr für die Anwohner in Reichenbach zu mindern.

Zehn Jahre hatte die Bürgerinitiative (BI) zuvor für diesen Blitzer gekämpft. Drittes Anliegen der BI war damals, dass durch die oft überhöhten Geschwindigkeiten der Fahrzeuge auf der Bundesstraße das Einfahren aus Reichenbach und aus der Bohlerstraße aus dem Gewerbegebiet gefährlich war. „Im Vorfeld der Aufstellung hatten Behörden temporäre mobile Geschwindigkeitsmessungen und auch Lärmmessungen gemacht mit dem Ergebnis, dass sie unsere Beschwerden als falsch, als unberechtigt bezeichnet hatten“, erzählt Peter Kuch, Anwohner aus Reichenbach und Sprecher der Bürgerinitiative.

So habe es nach diesen Messungen keine wesentlichen Auffälligkeiten bei den Geschwindigkeiten gegeben, auch auffälliger Lärm sei nur an einem Fenster festgestellt worden, „und das an einem Haus, das höhenmäßig unterhalb der Straße liegt“, wundert sich Kuch heute noch über diese Ergebnisse.

Erst eine durch ihre Hartnäckigkeit und dann vom Gemeinderat bedingte Dauermessung eines Fachbüros über sieben Tage ergab 2016, dass neun von zehn gemessenen Fahrzeuge die Beschränkung missachteten, 13 Prozent waren doppelt so schnell unterwegs also mit mehr als 100 Stundenkilometer in der Tempo-50-Zone. 15 Prozent der Sünder waren LKWs, und diese vor allem nachts, „was immensen Lärm verursachte“, ergänzt Kuch. Es habe auch mehrere Unfälle gegeben, darunter in den zehn Jahren vor Aufstellung drei schwere mit zwei Toten.

Die Zahl der Unfälle ist nach Angeben von Polizeisprecher Bernd Märkle unauffällig. Seit der Aufstellung des Blitzers 2017 hat es bis heute im Bereich der Beschränkung drei Unfälle gegeben, einer mit Personenschaden, zwei mit Sachschäden. In den fünf Jahren davor hat die Polizei zufolge vier Unfälle registriert. Davon zwei mit Personen- und zwei mit Sachschäden. Der letzte tödliche Unfall sei laut des Behördensprechers 2010 registriert worden. „Die Straße ist sicherer geworden, und wer hier mit 50 Stundenkilometern statt mit 70 fährt, verliert nur wenig Zeit“, betont Peter Kuch von der Bürgerinitiative.

Das nächste Ziel der BI

Ein Anliegen ist der Bürgerinitiative aber weiterhin der Lärmschutz. „Der Lärm ist erst im vergangenen Jahr zurückgegangen, als bei der Sanierung der Straße Flüsterasphalt aufgebracht wurde“, sagt Peter Kuch. „Aber der wirkt bei Lastwagen erst ab 70 Stundenkilometern, die Motorengeräusche bleiben, vor allem nachts“, ergänzt er. Deshalb strebe die Bürgerinitiative – je nach Entwicklung des Verkehrs – mittelfristig eine Schutzmaßnahme an.

Die Zahlen zum Superblitzer an der B 29

Dass die Aufstellung des Blitzers, der in beide Fahrtrichtungen kontrolliert, zur Verkehrsberuhigung beigetragen hat, zeigen aktuelle Zahlen des Landratsamts. Danach sind die Verstöße von 2017 bis 2021 von rund 29 420 auf 8196 zurückgegangen.
Verwarnungsgelder wurden von PKW-Fahrern 2021 in 4887 Fällen (minus 14 539) eingezogen. Bußgelder, also deutliche Überschreitungen, teils mit Punkten in Flensburg, wurden 2021 in 1607 Fällen (minus 3938) gezahlt.
Bei Lastkraftwagen wurden 1410 Verstöße (minus 1985) registriert. Bußgelder gingen in vier Jahren von 1054 auf 292 Fälle zurück.

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