Top-Ausputzer und (Gipfel-)Stürmer

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BU Im Bild von links: Franz Schirle (einst Rückennummer 7), Gerhard Steidle (4), Peter Neumann (10), Werner Rosner (2), Gerhard Rieger (13), Ernst Rapf (6), Herbert Brüstle (5), Alfred Bölstler (3), Anton Siller (2) und Edwin Schneider (11). Foto: mas
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Wöllerstein, Agnesburg und Schlössle – ein verschworener Haufen von Ex-TSV-Kickern macht Westhausens Geschichte komplett ehrenamtlich wieder erlebbar.

Westhausen

Elf Freunde müsst ihr sein, um Siege zu erringen.“ Ob dieses Zitat nun von Trainer-Legende Sepp Herberger stammt oder nicht, ist dem „AH-Freundeskreis TSV Westhausen – Initiatorengruppe Agnesburg-Wöllerstein-Schlössle“ egal. Den Inhalt aber haben sie verinnerlicht, auch wenn sie nur noch zu zehnt sind. Welch sperriger Name für eine so geschmeidige Truppe, in der der Käpt'n den Reporter in Versform begrüßt. Ich fühle mich geehrt und hätte gerne einen Wimpel zum Tauschen dabei.

Was die Männer vereint? Alle haben sie einst die Kickstiefel geschnürt für ihren TSV, haben sich mit den Großen in der Region gemessen, der Gmünder Normannia oder dem VfR Aalen. Und alle lieben sie ihr Westhausen und kümmern sich gemeinsam ehrenamtlich um den Ort.

Der älteste der Truppe ist 83, der „Jungspund“ 57. Das Durchschnittsalter liegt bei 75. Edwin Schneider, Franz Schirle und Herbert Brüstle - die drei Gründungsmitglieder stehen noch immer auf dem Platz. Die einstigen „Stammspieler“ Fred Röhrl, Jochen Fischer, Otto Hross und Eugen Feil sind verstorben.

Gut, dass immer wieder neue, ehemalige TSV-Kicker dazustießen. Heute komplettieren Gerhard Steidle, Anton Siller, Ernst Rapf, Gerhard Rieger, Werner Rosner, Peter Neumann und Alfred Bölstler das Team. „Auch mit zehn Mann kann man gewinnen“, lacht Herbert Brüstle.

Brüstle, der einstige Libero und Kapitän, ist der Chronist des „verschworenen Haufens“, der sich jeden dritten Montag im Monat trifft. Dann geht es gemeinsam hinauf zur Kieselberghütte, dem heimlichen Vereinsheim. Und bereits im Oktober eines jeden Jahres wird schriftlich festgehalten, wer sich jeweils wann in den kommenden zwölf Monaten um Speis und Trank zur „Mannschaftsbesprechung“ dort kümmert. Die AH klärt Taktikfragen eben gerne vor dem Spiel.

Die Kieselberghütte hat Eugen Feil den Männern verschafft. Er hat auch für Liederbücher gesorgt, hat auf alte Melodien auf Westhausen passende Texte gedichtet, denn die Kicker singen noch immer gern. „Nach dem Spiel sagten die Alten damals im Vereinsheim, 'Buaba, sengad no a Liad, no gibt’s a Liesl“, erinnert sich Edwin Schneider. „Der Eugen fehlt uns sehr, er hat so viel eingebracht“, sind sich alle einig.

Gemeinsam unternehmen die Männer einiges, zum Beispiel geht es seit 37 Jahren stets für ein paar Tage in die Berge. Und weil die Alpen voller Gipfelkreuze sind, erwuchs dabei die erste Idee: Welcher ist Westhausens höchster Berg und warum hat er kein Gipfelkreuz? Eine Steilvorlage für Edwin Schneider: Der 723 Meter hohe Wöllerstein, wusste der Linksaußen. Schneider war es auch, der im „Sololauf“ ein Gipfelkreuz zimmerte, zunächst ein Provisorium, später folgte eine schmucke Version.

„Wir haben also die Wege zum Wöllerstein freigeschnitten und befestigt“, erzählt Herbert Brüstle. Das Gipfelkreuz wurde montiert, eine Schutzhütte entstand, ein Gipfelbuch wurde ausgelegt. Das war im August 2007. Alle zwei Jahre ist so ein Buch voll – der Ort am Hauptwanderweg 1 wird von vielen Wanderern, auch Auswärtigen besucht, die sich darin verewigen.

Weil die Sache ein Kantersieg wurde, weil der Name Wöllerstein nun ins Bewusstsein der Westhausener gerückt war, und sogar die damals neue Sporthalle nach ihm benannt wurde, beschloss die Mannschaft ein weiteres Heimspiel. „Freigespielt“ wurde diesmal die fast vergessene Agnes. „Agnes war eine Gönnerin. Die Adlige starb kinderlos und hinterließ ihren Grund und ihr Vermögen den Bauern aus der Umgebung. Wir dachten, jetzt tun wir ihr mal etwas Gutes“, lacht Brüstle. Im Sommer 2008 machten die Kicker die uralten Wege hinauf zur Agnesburg wieder begehbar. Sogar Treppen wurden gebaut. Das einstige Burgplateau wurde wieder erlebbar gemacht. Und das alles ehrenamtlich.

Ist ein Team erst in Spiellaune, dann rollt der Ball wie von allein. „Wir hatten immer noch nicht genug und knöpften uns nun das Schlössle vor“, berichtet Brüstle. 2012 wurden auch hier Wege freigeschnitten und befestigt, auch hier ist seither das Burgplateau wieder sichtbar. Und wieder alles für Gotteslohn.

Bis heute kümmern sich die Männer um den Erhalt ihrer Projekte. Im Juli 2013 haben sie eine Wandertafel am Bohler und im September 2016 zwei Sitzbänke am Brünnele erstellt und einen Stahlbehälter ins Brünnele eingesetzt.

Nach getaner Arbeit gibt es stets verbale Ballstafetten und reichlich Spaß. „Wir machen das gerne, denn wir tun das für unsere Heimat Westhausen, den schönsten Ort weit und breit.“ Bravo: ein Traumtor.

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