Westhausen – innovativ und attraktiv

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Bürgermeister Markus Knoblauch setzt auf Innovation.
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Tiny-Houses, Digitalisierung, Investitionen trotz von der Pandemie gebeutelter Gemeindefinanzen – viele Themen greift Bürgermeister Markus Knoblauch im Gespräch mit der SchwäPo auf.

Westhausen

Klein, aber pfiffig, vor allem in Sachen Digitalisierung weit vorne – Westhausen glänzt mit innovativen Lösungen. Auch darüber sprach Bürgermeister Markus Knoblauch im Interview.

Herr Knoblauch, was ist das neueste innovative Projekt in Westhausen?

Markus Knoblauch: (lacht) Das neuste? Vielleicht die Tiny-Houses, die im Baugebiet "Rinnenbach" in Lippach entstehen. Wir passen hier für einen Platz den Bebauungsplan an, damit dort vier solcher Häuser entstehen können. Das Interesse an diesen Wohnformen wächst. Wir freuen uns, dass Holzbau Mayer aus Lippach auf dem Feld so aktiv ist.

Allgemein lässt Westhausen Bauherren viel Gestaltungsspielraum.

Wir sind sehr liberal bei Bauformen. Man baut doch nur einmal im Leben. Daher sollte das Haus nach den Vorstellungen der Bauherren realisiert werden können.

Innovativ ist in Westhausen das Projekt Klimamanager.

Wir haben die Stelle jüngst ausgeschrieben. Aufgabe ist es, unser Klimaschutzkonzept zu steuern, zu koordinieren und umzusetzen. Die Stelle ist auf drei Jahre befristet, wir erhalten zwei Drittel Zuschuss vom Bund für die Laufzeit. Funktioniert das, kann dies verstetigt werden.

Wann geht es hier los?

Schnellstmöglich. Die Stelle soll Bürger beraten, für das Thema animieren, Projekte anschieben, Gemeinde-Liegenschaften auf energetische Aspekte abklopfen, optimieren und Energie einsparen. Wir wollen so unseren Teil zum Klimaschutz beitragen.

Westhausen ist jetzt schon weit im Bereich regenerative Energien.

Absolut. In Westhausen werden über 80 Prozent des gesamten Strombedarfs der Haushalte und Betriebe über erneuerbare Energien abgedeckt, Tendenz steigend. Deutschlandweit liegt dieser Wert bei etwa 49 Prozent.

Was sind die größten Stromfresser?

Die Pumpen der Kläranlage verbrauchen viel Strom. Zum Thema Kläranlage ist ein Strukturgutachten in Arbeit. Darin wird auch eine gemeinsame Anlage mit Lauchheim geprüft. Die Anlagen Westhausen und Lippach müssen saniert werden, auch in Lauchheim stehen Investitionen an. Eine interkommunale neue Anlage könnte das Thema zukunftssicher beantworten.

Auch für das Freibad gibt es Pläne.

Ja, wir wollen hier klimaneutral werden. Dank an dieser Stelle an unser Freibad-Team und alle, die mitgeholfen haben, dass wir öffnen konnten. Die Corona-Saison war ein riesiger Aufwand. Aber unser Konzept ist aufgegangen, alles lief sehr gut.

Wie viele kamen in dieser Saison?

Es waren rund 13 000 Besucher, sonst haben wir um die 40 000 Gäste. Für viele war es daher die "mit Abstand" schönste Badesaison. Mindereinnahmen und Infektionsschutzausgaben führen aber wohl leider zu 70 000 Euro mehr Verlust als sonst.

Werden wir noch mal digital. Westhausen mischt bei Smart City mit.

Wir haben am Ort die innovative Geo Data samt Tochter Zentrum für digitale Entwicklung (ZDE). Geo Data hat ein 5-G-Netz und ZDE nun eine eigene Akademie. Geo Data erstellt für uns als Pilotgemeinde einen "Konvergenten Netzplan". Vereinfacht gesagt, ein digitales Abbild Westhausens, das Breitbandausbau, Mobilfunknetz und das Thema Smart City umfasst. Die Kamerabefahrungen für das digitale Straßennetz sind abgeschlossen.

Auch Bund und Land sind im Boot.

Wir treiben das Thema Breitbandausbau seit Jahren voran und arbeiten auch hier eng mit Geo Data zusammen. Nun sollen für rund 3,2 Millionen Euro letzte unterversorgte Internetbereiche erschlossen werden. Ein seit 2018 zäher und aufwendiger Prozess, aber nun haben wir die Bundeszusage über 50 Prozent. Das Land schießt weitere 40 Prozent der Gesamtsumme zu.

Wann wird das sichtbar?

Wir wollen im Herbst noch die Arbeiten vergeben, um alle "weißen Flecken" auf der Gemarkung mit Glasfaserhausanschlüssen zu versorgen. Es fehlt nur noch der schriftliche Zuschussbescheid des Landes.

Ein paar Fragen zu Corona. Wie kam Westhausen bislang durch?

Seit März wurden bei uns 34 Infektionen registriert. Soweit wir wissen, ist hiervon zum Glück keiner schwer erkrankt. Über 130 Kontaktpersonen wurden nachverfolgt und isoliert. Das ist ein unglaublich hoher Aufwand. Dank daher dem Gesundheitsamt und meinem Rathaus-Team.

Wie trifft Corona die Wirtschaft?

Dass sich eine wirtschaftliche Delle abzeichnet, war schon vor Corona absehbar. Insbesondere in Automotive, Metallverarbeitung und Maschinenbau, die hier stark vertreten sind. Corona hat die Probleme verschärft. Kurzarbeit federt hier aber manches ab. Leider hat es auch eine große Firma der Veranstaltungsbranche hier hart getroffen.

Was macht das mit den Finanzen?

Wir rechnen leider für dieses Jahr mit einem Gewerbesteuereinbruch von fast 50 Prozent, also rund 2,3 Millionen Euro. Davon ersetzt das Land rund 1,3 Millionen Euro. 2021 und 2022 werden wohl schwer. Viele Jahre konnten wir Schulden abbauen. Im Februar noch haben wir einen Haushalt verabschiedet, der auch für die kommenden Jahre keine Kreditaufnahmen vorsah.

Das ist jetzt Makulatur?

Hängt davon ab, wie schnell die Konjunktur wieder anspringt. Wir haben mit der geringen Pro-Kopf-Verschuldung von 230 Euro eine stabile Ausgangsbasis. Wir rennen nicht blind in Schulden, sondern gehen bedacht mit dem Geld um. Angestoßene Projekte sollen weitergeführt und möglichst auch neue angegangen werden. Es ist doch wie bei privaten Häuslesbauern – wichtige Zukunftsinvestitionen dürfen auch kreditfinanziert sein.

Was steht an?

Zum Beispiel der Neubau des Feuerwehrhauses. Wir haben ein Grundstück neben dem Lidl-Markt hierfür reserviert. 2021 werden wir die Zuschüsse beantragen, um 2022 mit dem Bau beginnen zu können.

Feuerwehrfest und Kreisfeuerwehrtag fielen wegen Corona aus.

Ja, leider. Geplant ist nun vom 15. bis 18. Juli 2021 das Jubiläum ‘100 plus 1 Jahr' Freiwillige Feuerwehr Westhausen zu feiern. Viele weitere kleine Feste und Veranstaltungen wurden abgesagt. Schade, aber Sicherheit geht vor.

Auch die Kapfenburgmesse fiel aus.

Die soll nun 2022 abgehalten werden. Wir haben ja ein neues HGV-Vorstandsteam mit Caroline Momesso an der Spitze. Ihre Bereitschaft zur kurzfristigen Übernahme dieses wichtigen Ehrenamts freut mich sehr.

Zurück zu Investitionen. Schule und Kindergärten stehen hier im Fokus.

Wir sanieren und erweitern aktuell für rund 1,7 Millionen Euro den Kindergarten Lippach. Das größte Projekt, Umbau und Erweiterung der Propsteischule für rund 8,5 Millionen Euro, ist nach fünf Jahren Bauzeit nun abgeschlossen. Auch die Digitalisierung dort geht voran. Hier sollen fast 200 000 Euro investiert werden, den Großteil davon trägt der Bund. Über ein weiteres Förderprogramm wurden nun 75 iPads für die Schule beschafft.

Auch am Bahnhof wird investiert.

Wir haben ein Konzept eingereicht, um in ein staatliches Zuschussprogramm zu kommen. Das Areal und das Bahnfahren sollen attraktiver werden. Neuordnung der Parkplätze, E-Ladestationen für Räder und Autos, überdachte Sitz- und Wartebereiche sind die Themen. Sobald es grünes Licht gibt, starten wir.

Westhausen hat unweit davon, in der Gartenstraße, Bauland gekauft.

Wir haben ein 4300 Quadratmeter großes Grundstück erworben, um Mehrfamilienhäuser zu ermöglichen. Innenentwicklung wird immer wichtiger. Erste Entwürfe wollen wir demnächst der Öffentlichkeit vorstellen.

Rund 6100 Einwohner hat Westhausen und es werden mehr. Was macht den Ort so attraktiv?

Die schöne Landschaft und die freundlichen Menschen. Und es gibt wohl kaum eine Gemeinde unserer Größe, mit so guter Infrastruktur. Einkaufen, Schulen, Kinderbetreuung, Freibad, Digitalisierung, Verkehrsanbindung – wir sind gut aufgestellt. Das macht Westhausen beliebt.

Stichwort Verkehrsanbindung, die bereitet aber auch Probleme, oder?

Wir wollten immer, dass die gesamte B 29 im Bundesverkehrswegeplan landet, auch das Teilstück Aalen zur Röttinger Höhe. Dieser Bereich wurde aber leider nicht aufgenommen. Die Verbindung nach Aalen muss funktionieren, tut sie aber zu Stoßzeiten nicht. Zumindest der vierspurige Ausbau Kellerhaus-Westhausen soll ja nun kommen. 20 Millionen Euro stehen im Raum. In guten Gesprächen mit dem Landkreis konnte Lärmschutz für Baiershofen und Immenhofen im Ausbaubereich für die Planungen auf den Weg gebracht werden. Aber auch bis zur Röttinger Höhe muss eine sinnvolle Planung her, inklusive Lärmschutz.

Für Senioren tut sich was am Ort.

Ein Herzensprojekt seit meinem Amtsantritt ist für mich das Betreute Wohnen neben dem Pflegeheim St. Agnes. Ich bin glücklich und ein bisschen stolz, dass dieses Projekt so schnell Wirklichkeit wurde. Hier entstehen auf dem ehemaligen Gemeindegrundstück zwei Neubauten mit je neun Wohnungen, konzipiert von Stiftung Haus Lindenhof und Bauträger Brenner & Ebert. In einem Haus gibt es betreute Eigentumswohnungen, die Wohnungen des zweiten Gebäudes wird der Lindenhof vermieten. Leider fällt das Richtfest wegen Corona aus, aber die Arbeiten sind im Plan. Lindenhof plant zudem die Erweiterung des Pflegeheims von 36 auf 45 Plätze. Hinzu kommen soll auch ein Neubau mit zehn Plätzen für Tagespflege zwischen Rathaus und St. Agnes.

Und was tun Sie für die Jugend?

Wir unterstützen die vielen Vereine am Ort, die tolle Jugendarbeit machen. Unser gemeindliches Jugendzentrum Eichendorfstraße musste wegen Corona zeitweise schließen, ist aber wieder offen. Aktuell wird der Wunsch nach einer Pumptrack-Anlage immer größer. Hierfür suchen wir einen guten Standort.

Sie sind nicht im Kreistag, ein Nachteil für Westhausen?

Nein. Seit Februar 2018 bin ich im Amt. Ich wollte mich voll darauf konzentrieren. Mal sehen, wie es bei der nächsten Kreistagswahl aussieht. Über Herbert Witzany und Gabi Schindelarz haben wir ja einen guten Draht in den Kreistag. Auf die Zusammenarbeit mit Landrat Dr. Joachim Bläse freue ich mich. Er hat seinen Besuch bereits angemeldet und ist uns natürlich stets herzlich willkommen.

Und dann geht's um Innovationen?

Aber sicher, irgendwas hat Westhausen ja immer in petto.

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