Den Kandidaten auf den Zahn gefühlt

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Chris-Robert Behrend, Jakob Unrath, Martina Häusler, Christian Zeeb, Ruben Rupp und Tim Bückner haben auf Einladung der Kolpingsfamilie und des St. Jakobus-Gymnasiums diskutiert. Im Bild unten (l.) Moderatorin Anke Schwörer-Haag und Schulleiter Marco Cataldo.

Landtagskandidaten der Grünen, CDU, SPD, FDP, AfD und der Linken beim Abtsgmünder Kolping-Forum mit 132 Zuhörern.

Abtsgmünd

Wie stehen sie zu Themen wie Corona, Gesundheit, Gesellschaft, Umwelt, Klima, Bildung oder Digitales? Das wollten nicht nur die St. Jakobus-Gymnasiasten, sondern auch die Kolpingsfamilie und viele Abtsgmünder von den allesamt neuen Kandidaten für den Landtag wissen. Aus über 300 Fragen hatte Moderatorin Anke Schwörer-Haag Themenblöcke gebildet, rund zwei Stunden standen Martina Häusler (Grüne), Tim Bückner (CDU), Jakob Unrath (SPD), Chris-Robert Berendt (FDP), Ruben Rupp (AfD) und Christian Zeeb (Linke) beim virtuellen Podium Rede und Antwort. So spannend geriet der politische Vergleich, dass sich von den 132 Zuhörern bis zum Schluss keiner ausklinkte.

Nach der Begrüßung durch Schulleiter Marco Cataldo ist Bildung das Thema: Christian Zeeb (Linke) und Jakob Unrath (SPD) fordern, "massiv in Bildung und Digitalisierung" zu investieren. Zudem soll sie "kostenfrei" sein. Ruben Rupp analysiert, dass Gemeinschaftsschule und Inklusion "nicht funktioniert hat", die AfD wünscht sich "die Förderschule zurück" und ist "gegen Experimente". "Kinder sind unsere Zukunft", sagt Martina Häusler, zur Bildung sollten alle den gleichen Zugang haben. Für Tim Bückner haben "alle Schulformen ihre Berechtigung", es sei eine "große Sünde" ideologische Grabenkämpfe auf dem Rücken der Kinder" auszufechten, sagt er. Chris-Robert Berendt hält die Grundschulempfehlung für wichtig und will zusätzlich neue Förderkonzepte.

Baldmöglichst schnelles Internet für alle, um auch der "Baustelle Bildung" Herr zu werden, fordert der SPD-Vertreter; für die Digitalisierung geschulte Lehrer und auch eine Ausstattung der "bedürftigen Schüler", steht auf der Agenda der Grünen. Der Linke-Kandidat analysiert, dass schlechte Digitalisierung im ländlichen Raum auch mittelständische Betriebe belaste und will die Schulen hier finanziell unterstützen. "Nicht alles ist schlecht im ländlichen Raum", sagt der CDU-Vertreter, verweist auf große Fördersummen und erinnert, bei aller "digitalen Euphorie" daran, dass man die älteren, "analogen" Mitmenschen nicht vergessen dürfe. Der AfD-Vertreter kritisiert die verzögerte Auszahlung der Fördermittel, wichtig sei der rasche Ausbau der Infrastruktur. Die FDP will ein Digitalisierungsministerium und eine intelligentere Vernetzung.

In Sachen Landesstraßenbau und Verkehr will Martina Häusler den Fokus auf die Schiene und intelligente Mobilität legen, Christian Zeeb fordert eine Stärkung des ÖPNV und den Ausbau der Radwege. Für Ruben Rupp bleibt das Auto wichtigstes Verkehrsmittel und er fordert, den "Sanierungsstau" bei den Landstraßen zu stoppen. Tim Bückner will eine Straßensanierung mit Aus- und Neubau "da, wo es geboten ist". Chris-Robert Berendt will beim Straßenbau "situationsbedingt" entscheiden mit Blick auf einen intelligenten Mix der Mobilitätsmittel mit Fahrrad, ÖPNV, Ruftaxi.

"Fridays for Future" ist "klasse, weil die Jugend für ihre Zukunft kämpft", sagt Christian Zeeb. Ruben Rupp kann bei dieser "Bewegung kein Demokratieverständnis" erkennen. Chris-Robert Berendt findet, dass das "positive politische Engagement" auch samstags wirken würde. Jakob Unrath nennt FfF eine "mutige Bewegung". Tim Bückner warnt vor Hysterie, beim Klimaschutz liege vor dem Land "ein harter und teurer Weg", der aber "auch Chancen" biete. Martina Häusler lobt, dass FfF "eine sofortige Wende in der Klimapolitik" deutlich gemacht habe.

Wenn es um die Zukunft der Gesellschaft geht, will sich Tim Bückner stark machen für familienfreundliche Betreuungsangebote sowie alternative und bezahlbare Wohnformen für Ältere, auch im ländlichen Raum. Chris-Robert Berendt mahnt, die guten Betreuungsangebote zu erhalten, ebenso die Pflegeeinrichtungen. Jakob Unrath möchte die Kita-Gebühren abschaffen und mehr Geld für die Mobilität der Senioren einsetzen. Martina Häusler will die Familien "da unterstützen", wo sie es benötigen und das soziale Netz so stärken, "dass jeder darauf zurückgreifen kann". Christian Zeeb betont, Kinderarmut sei nicht hinnehmbar, bezahlbarer Wohnraum und Änderungen bei den "zu niedrigen Renten" seien nötig. Ruben Rupp fordert Vorteile für pflegende Familienangehörige, Wohneigentum müsse für Familien erschwinglich sein.

Zuletzt ist Corona Thema: Eine Impfpflicht, auch durch die "Hintertür", lehnen alle ab. Chris-Robert Berendt will den Wiederaufbau von Wirtschaftsunternehmen unterstützen. Jakob Unrath kritisiert, dass der Kreis bei der Verteilung des Impfstoffes benachteiligt wurde. Für Martina Häusler hat Corona gezeigt, "wir halten zusammen". Christian Zeeb ärgert sich, dass die Hilfen zu spät geflossen sind. Ruben Rupp will den Lockdown sofort beenden – mit Hygieneauflagen. Tim Bückner warnt, Corona sei eine reale Gefahr, die sich nicht als Wahlkampfthema eigne.

Am Ende kann Kolping-Vorsitzender Wolfgang Haas allen Helfern und den Akteuren für eine spannende Diskussion danken, die Entscheidungshilfe für die Wahl gegeben habe.

Andrea Rohrbacher

Chris-Robert Behrend, Jakob Unrath, Martina Häusler, Christian Zeeb, Ruben Rupp und Tim Bückner haben auf Einladung der Kolpingsfamilie und des St. Jakobus-Gymnasiums diskutiert. Im Bild unten (l.) Moderatorin Anke Schwörer-Haag und Schulleiter Marco Cataldo.

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