Fleischeslust, in der viel Heimat steckt

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Was Willi Heger innerhalb von vier Jahren aus seinem Barbecue-Grill gemacht hat. Wie er sich mit seiner Burger-Küche von einem Schnellimbiss unterscheiden will.

Abtsgmünd

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Einer, der während des Lockdown nicht die Hände beziehungsweise den Löffel in den Schoß gelegt hat, ist Willi Heger. Gemeinsam mit seiner Frau Janice-Ann und mit vielen Freunden und Unterstützern hat er seinen Barbecue-Grill "Fleischeslust" am Abtsgmünder Kocherufer in den vergangenen Wochen erweitert und in ein kleines grünes Paradies verwandelt. Hat Holzdielen verlegt und darauf eine rustikale Terrassenlounge aus geflammtem Fichtenholz gezimmert – insgesamt 75 Sitzplätze im Freien. Teilweise unter dem Dach eines Zeltes, teilweise unter Bäumen. Unten plätschert der Kocher vorbei, oben zwitschern die Vögel.

"Wir wollten hier ganz bewusst eine kleine grüne Oase schaffen für die Gäste unserer Burger-Küche", erzählt die 31-jährige Janice-Ann. "Weil Essen und Seele einfach zusammengehören", ergänzt der 36-jährige Willi.

Vor vier Jahren haben die Eltern des heute vierjährigen Emil das Burger-Barbecue am Kocherstrand eröffnet. Haben zunächst in einen Foodtruck investiert. Aber nicht, um damit an den Festivals der rollenden Küchen teilzunehmen. "Wir wollten uns von Anfang an davon distanzieren", betont Janice-Ann. Und ihr Mann pflichtet ihr bei: "Das ist ja gerade unser Ziel; Von der Fastfood-Idee, von der Schnelllebigkeit wegzukommen. Und deshalb bezeichnen wir uns auch nicht als Imbiss."

Alles, was zu einem Burger gehört, werde von ihm persönlich oder von seinen zwei angestellten Köchen frisch aus regionalen Zutaten zubereitet, versichert er. Das Rinderhack für die Patties komme vom Metzger um die Ecke, die Brötchen backe die Landbäckerei Hilbert in Eschach nach seinem Rezept. Und dass er ohne Geschmacksverstärker arbeitet – dafür legt er seine Hand ins Feuer. "Auch die Toppings – also die Soßen, die oben drauf kommen – sind alle handgemacht mit natürlichen Zutaten," sagt Willi, der im Alter von elf Jahren mit seinen Eltern als Spätaussiedler von Kasachstan nach Deutschland gekommen ist, wo die Familie in Abtsgmünd Fuß gefasst hat.

Willi hebt den rechten Arm und zeigt ans gegenüberliegende Kocherufer. "Genau dort habe ich als Jugendlicher oft gesessen und geangelt", erinnert er sich. Damals habe er sich geschworen: "Mit 30 bin ich Meister oder Capo."

Wir wollen von der Fastfood-Idee wegkommen.

Willi Heger Inhaber Fleischeslust Barbecue

Das hat dann zwar nicht geklappt. Seine Ausbildung zum Koch in einem Abtsgmünder Restaurant brach er ab, lernte Gas- und Wasserinstallateur, arbeitete sieben Jahre lang bei Kessler & Co. Aber der Traum, irgendwann sein eigener Chef zu sein, ließ ihn nicht los. "Ich wollte immer was mit Menschen, mit Essen machen und nicht mit Maschinen." Inzwischen haben ihn seine selbst rezeptierten Burger in weitem Umfeld bekannt gemacht. "Unsere Gäste kommen an Sonntagen bis aus Stuttgart, Schwäbisch Hall und Bayern", erzählt Janice-Ann.

Was gut werden will, braucht Weile. Und so müssen die Gäste an publikumsstarken Wochenenden schon mal 30 bis 45 Minuten auf ihren frisch zubereiteten Burger warten. Auch da hat Willi Heger Abhilfe geschaffen. "Vor Kurzem haben wir eine Bar-Hütte auf unserer Terrasse eröffnet. Mit frischem Bier vom Fass, mit Cola oder einem Cocktail, mit Fanta oder einem Hugo wartet es sich leichter", grinst er. Auch hier hat er investiert und eigens einen gelernten Barkeeper angestellt.

Schon jetzt denkt Willi über einen Ausbau seiner Küche und seines Angebots nach. Und so könnte bald auch Spanferkel vom Grill oder russisches Schaschlik auf der Speisekarte stehen. Ohne Soße. "Denn wenn Du zum Schaschlik Soße brauchst, dann hast Du was falsch gemacht", weiß Willi. Denn von seinem russischen Großvater hat er gelernt: "Das Fleisch muss so gut eingelegt sein, dass es von innen heraus saftig und würzig ist."

Geöffnet ist "Fleischeslust Barbecue" Mi und Do von 11.30 bis 20 Uhr, Fr und Sa von 11.30 bis 22 Uhr und So von 11.30 bis 20 Uhr.

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