Fred Moll auf zwei Rädern auf der Idyllischen Straße

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Von Gschwend aus erklimmt die Straße die Frickenhofer Höhe. Von hier genießt man einen herrlichen Blick in die Landschaft des Schwäbischen Waldes.

Die "Idyllische Straße" führt auf 130 Kilometern durch den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Was einem dort alles begegnet.

Abtsgmünd

Wer immer schon mal zwischen Abtsgmünd, Gaildorf, Wüstenrot und Welzheim unterwegs war, hat mit ziemlicher Sicherheit ein Stück auf der "Idyllischen Straße" zurückgelegt, einer 130 Kilometer langen Ferienstraße, die seit 1967 besteht. Das Symbol der Route ist übrigens ein Singvogel, der auf einem Baumzweig sitzt.

Die Idyllische Straße ist ein Rundkurs, der durch den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald führt, und als dessen Start und Ziel Welzheim angegeben wird. Aber da man in eine Rundfahrt überall einsteigen kann, düst der Reporter von Wasseralfingen aus nach Abtsgmünd. Durchs Welland, über Affalterried, Treppach und Dewangen. Das Kochertal kommt früh genug.

Nicht, dass es im Kochertal nicht schön wäre. Es wirkt wie herausgeputzt an diesem Mittwochmorgen, kaum Verkehr. Ein paar Lieferwagen und Langholzlaster sind unterwegs. Der Motorradfahrer genießt die zumeist lang gezogenen Kurven, passiert Untergröningen, und nimmt Kurs auf Gaildorf. Kurz vor der Stadt sind die Bauarbeiten beendet, die ihn vor 14 Tagen zu einem kleinen Umweg gezwungen haben. Die Fahrbahn der B 19 ist noch nicht von der Sonne zum Grau gebleicht, sondern satt schwarz, mit weißen Streifen an beiden Rändern. Sieht irgendwie festlich aus.

Wenn man falsch abbiegt

Nach der Kocherbrücke, noch bevor man das Zentrum Gaildorfs erreicht, macht die Idyllische Straße einen scharfen Linksknick auf die B 298, um schon nach einem knappen Kilometer bei Unterrot rechts abzuschwenken in Richtung Fichtenberg.

Fichtenberg wird von der Landesstraße 1066 nur tangiert. Am Ortsende rechts auf die etwas schmälere L 1050, durch hübsche Waldlandschaft nach Oberrot bis zum Weiler Badhaus. Hier muss eigentlich geradeaus fahren, wer auf der Idyllischen Straße bleiben will.

Leider fehlt ein entsprechender Hinweis und der Reporter entscheidet sich für einen Linksschwenk.

Dann hat er die nächste Anhöhe erklommen, kommt direkt an der Driving Range des Golfclubs Marhördt vorbei und tuckert danach durch so idyllisch klingende Weiler wie Schönbronn und Schwalbenflug. Aber damit jetzt kein Übermut aufkommt, trägt der danach folgende Ort den Namen "Grab".

Durch den wilden Wald

Die Route zur Idyllischen Straße ist plötzlich ausgeschildert und über Erlach und Liemersbach düst er auf netten Sträßchen in Richtung Mainhardt, um bei Hohenegarten im spitzen Winkel erneut links abzubiegen – diesmal aber korrekt, in Richtung Wüstenrot.

Der Schwäbisch-Fränkische Wald ist etwas wilder geworden inzwischen, die Straßen schmal und kurvig, manchmal geht's ordentlich steil rauf, dann wieder runter. Richtige Kehren hat's auch, was einem Motorradfahrer natürlich besondere Freude bereitet. Noch mehr Spaß würde es mit einem Hinweis machen, dass gleich eine 180-Grad-Kurve ansteht. Der Reporter ist in dieser Hinsicht verwöhnt nach einer 7-Tage-Tour durch Tirol, Südtirol und zum Gardasee.

Aber wir sind ja nicht in den Alpen, sondern im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald unterwegs.

Der Begriff "Naturpark" lässt manchen vielleicht an einen Wildpark oder ein abgegrenztes Parkgelände denken. Der 50 Kilometer nordöstlich von Stuttgart gelegene Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, der seit 2004 besteht, ist jedoch ein Großschutzgebiet von 1270 Quadratkilometern Fläche, in dem etwa 170 000 Menschen leben und wirtschaften. Mit den vielen Wäldern und Streuobstwiesen, Weinbergen, Klingen, Schluchten, Gewässern sowie lebhaften Städtchen und beschaulichen Weilern hat die Region eine sehr kleinteilige Kulturlandschaft. Etwa 40 Prozent der Naturparkfläche bestehen aus Naturschutz-, Landschaftsschutz oder speziellen Schutzgebieten nach Europarecht, in denen die Belange des Naturschutzes stärker gewichtet werden und die Nutzung eingeschränkt ist. Das Gebiet liegt in hauptsächlich bergiger Landschaft auf einer Höhe von 200 m im Sulmtal bis 587 m im Mainhardter Wald.

Die Limesstraße schwenkt ein

Durch diese Berglandschaft hatten die Römer den Limes gebaut, der sich im Naturpark auf der Linie Mainhardt-Welzheim-Lorch erstreckt. Kein Wunder also, dass neben der Idyllischen Straße auch die Deutsche Limes-Straße durch das Gebiet führt, abschnittsweise sogar auf derselben Route.

Von Wüstenrot aus wird's richtig wild. Der Motorradreisende kurvt sich durch den Wald nach Vorderbüchelberg, nach Spiegelberg und wird von dort aus (kein Scherz!) über den Weiler Jux im Halbkreis nach Hammer geführt. Natur und Straßen lassen an den Schwarzwald denken. Doch dann folgt ein bequemes Stück über Sulzbach nach Murrhardt.

Motorradtreff am Ebnisee

Es lohnt sich, vor Sulzbach die ersten beiden Umleitungsschilder zu missachten, und schließlich der örtlichen Umleitung zu folgen, lernt der Reporter, weil er einem Einheimischen nachgetuckert ist, der ohne zu zögern einfach weiterfuhr. Zwischen Murrhardt und Althütte wieder Kurven, Kehren, viel Wald und Weidelandschaft – und dann über Ebni an den Ebnisee. Der Kiosk beim Motorradtreffpunkt hat geöffnet. Zehn Maschinen stehen dort. Der Reporter gönnt sich eine Bockwurst. Direkt am See gibt es weitere gastronomische Möglichkeiten sowie einen Bootsverleih. Wer schwimmen will, der darf.

Der 6,7 Hektar (etwa zehn Fußballfelder) große See, den ein schöner Spazierweg umrundet, ist übrigens einer der ältesten weit und breit. Angelegt als sogenannter "Schwellsee" für die Wieslauf in den Jahren 1744 bis 1746. Mit den 163 000 Kubikmetern Wasser, die er zurückhält, ließ man die Wieslauf so anschwellen, dass auf ihr sechs Tage lang Baumstämme geflößt werden konnten bis zur Mündung in die Rems bei Schorndorf. Damit in Stuttgart das Brennholz nicht knapp wurde.

Ausblick nach allen Seiten

Nach dem Imbiss gibt der Reporter Gas, fährt nach Welzheim, dann nach Gschwend und nimmt die Frickenhofer Höhe in Angriff. Auf dem Höhenzug zwischen Lein und Kochertal führt die Straße zwar meist geradeaus. Aber es öffnen sich tolle Ausblicke in die Natur, in Richtung Süden auch zum Albtrauf und zu den Kaiserbergen.

Über Eschach und Hohenstadt soll es zurück nach Abtsgmünd gehen. Aber in Obergröningen nimmt er die Abzweigung in Richtung Fach und kurvt in mäßigem Tempo (mehr ist nicht möglich) hinab ins Kochertal nach Fach. Und von dort wieder nach Hause. 181 Kilometer stehen auf dem Tageszähler.

Weitere Informationen: Idyllische Straße: www.wikipedia.de und www.motorradonline.de - Deutsche Limesstraße: www.limesstraße.de - Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald: www.naturpark-sfw.de - Ebnisee: www.kaisersbach.de

Eine "gedeckte Brücke" über den Kocher bei Fach.
Blick über den Ebnisee. Im Vordergrund startet eine Familie im Tretboot zu einer Tour über das Gewässer.
Strecke zwischen Oberrot und Wielandsweiler.
Der Motorradreporter
Von Gschwend aus erklimmt die Straße die Frickenhofer Höhe. Von hier genießt man einen herrlichen Blick in die Landschaft des Schwäbischen Waldes.

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