GoA - beim Feiern Altlasten abladen

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GoA Gottedienst ohne Altersbeschränkung Abtsgmünd
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Wie sich in der Gemeinde Abtsgmünd-Leinroden-Neubronn ein besonderer Gottesdienst entwickelt hat und warum am Sonntag Jubiläum gefeiert wird.

Abtsgmünd

Jedes Mal, wenn er ein Müllauto sieht, muss Pfarrer Martin Gerlach schmunzeln: Die fahren für uns Reklame“, sagt er und das sei das Witzige, das ihn versöhnt mit diesem eigentlich langweiligen Namen, der aber für eine tolle Sache stehe: GoA - das ist in diesem Fall nämlich ein „Gottesdienst ohne Altersbegrenzung“ - und immerhin so gut, dass mehr und mehr Menschen dabei sind und am kommenden Samstag zum 100sten Mal unter diesem Motto gefeiert wird.

Den skurrilen Namen versteht nur, wer die Anfänge kennt: Drei Jugendliche sind damals mit Elke Gerlach, der Frau des Pfarrers, nach Stuttgart gefahren und wollten in der Stiftskirche in der Königsstraße mal einen Jugendgottesdienst erleben. Überwältigend sei schon die Erfahrung gewesen, dass es proppenvoll war im Gotteshaus. Aber auch die Gestaltung habe die Ausflügler begeistert, erzählt Martin Gerlach, der bei der Rückkehr konfrontiert wurde mit dem Wunsch: So etwas soll es in Abtsgmünd auch geben.

Der Pfarrer, der sich als Jugendlicher und auch später im Studium vom konventionellen abweichende Gottesdienstformate kennen- und schätzengelernt hatte, formulierte nur wenige Bedingungen an die Pläneschmiede: Die Gottesdienste sollten regelmäßig sein und einen möglichst kleinen Aufwand in der Vorbereitung bedeuten - „dann ist es für das Team auch nicht so schlimm, wenn mal nicht so viele Besucher kommen“, denkt Martin Gerlach bis heute ganz pragmatisch.

Obwohl sich diese Sorge in Abtsgmünd längst niemand mehr machen muss. Denn der „GoA“ sei manchem Gemeindemitglied inzwischen ein besonders lieb gewordener Gottesdienst und locke Mitfeiernde über die Grenzen Abtsgmünds hinaus an, erzählt der Pfarrer. Dass sich dann regelmäßig Jung und Älter angesprochen fühlt, ist ebenfalls einer Vorsichtsmaßnahme aus den Anfangsjahren zu verdanken. „Es war eher unwahrscheinlich, dass wir, wie in Stuttgart, von Beginn an genügend Jugendliche haben würden“, sagt Martin Gerlach - weshalb junge Erwachsene, Familien und alle Interessierten eingeladen waren - „ohne Altersbegrenzung“ eben.

Einmal wurde anfangs sogar namenlos gefeiert. Dann stand fest, was auch ziemlich schnell mit „GoA“ abgekürzt wurde. „Nicht das Kreativste, aber es beschrieb, was wir wollten“, findet der Pfarrer und stellt dann noch mal einen Bezug zur Ostalb-Abfallgesellschaft GOA her: Wer den Gottesdienst besuche, könne dort seine Altlasten abladen, den Müll loswerden, sich am Ende erneuert, recycelt fühlen. „Es ist ein schöner Moment, wenn ich auf dem Wertstoffhof alles losgeworden bin“, beschreibt Martin Gerlach eine Erfahrung und wünscht sich, dass die „GoA“-Feiern ähnlich erleichternd wirken.

Was sich bewahrheitet haben dürfte angesichts dieses Jubiläums und der Entwicklung der Gottesdienste: Drei Jahre lang, von 2007 bis 2010, wurden sie zusätzlich jeden Monat gefeiert, jeweils mit Gastpredigern. Mit Anspiel und Präsentationen, Rätseln und einer GoA-Band, mit jeder Menge Beteiligung der Mitfeiernden - sowohl in der Vorbereitung wie auch in der Gottesdienstfeier selbst. Da gebe es Umfragen und Kreuzverhöre, erzählt Martin Gerlach, der die dialogischen Gottesdienstmomente - darunter zum Beispiel Rückfragen zur Predigt - besonders schätzt. Die GoA-Feiern seien zwar länger, als konventionelle Gottesdienste - „aber niemals langweilig“. Das zumindest sei die Rückmeldung, die er bekomme, sagt der Pfarrer.

Zwischendurch, räumt er ein, gab es eine Durststrecke, die der GoA überstehen musste. Nach 2010, drohte das Format ganz einzuschlafen. Immer noch war dieser Gottesdienst damals ein zusätzliches Angebot und das jugendliche Mit-Erfinderteam studien- oder berufsbedingt in alle Winde verteilt.

Doch der GoA wurde vermisst. Das ist ein Ergebnis der Visitation im Herbst 2012, erzählt Martin Gerlach, denn danach sei am häufigsten gefragt worden. Also haben die Gemeindemitglieder allen Elan zusammengenommen und GoA als normales Gottesdienstformat in ihre Planung integriert. Jeden Monat ersetzt es an einem Sonntag die klassische Feier - „ist damit normal geworden“, freut sich der Pfarrer. Zwischen 90 und 110 Menschen kamen vor Corona zu diesen Feiern, in die nun auch Taufen oder Abendmahl integriert sind und die die Gemeinde um ein Kirchencafé bereichert. Manch einer habe so - bei einer Tasse Kaffee, einem Glas Sprudel und einem Keks - erste Kontakte in die Gemeinde geknüpft. Die schließlich, ab 2016 mit einem regelmäßigen Mittagstisch nach dem GoA zur Gemeinschaft gewachsen sei. Um die 40 Leute - von der jungen Familie bis zum 90-Jährigen - seien jeweils zum Mitessen geblieben.

Bis Corona einen Riegel vorschob. Doch der GoA hat überlebt und werde weiterleben, erzählt Martin Gerlach vom zarten Wiederbeginn im Juli 2020: Open Air und mit Livestream und von mittlerweile in die Kochertalmetropole verlegten GoA-Feiern. Bis hin zum Jubiläum am Sonntag. Er habe überlegt, ob das überhaupt ein Grund zu feiern sei. Doch das Echo der GoA-Fans sei eindeutig: Am 7. November wird gefeiert.

Es ist gut, wenn dieses Format normal ist.“

Martin Gerlach,, Pfarrer
  • Der GoA zum Jubiläum
  • Der 100ste Gottesdienst ohne Altersbegrenzung wird am Sonntag, 7. November, um 10.30 Uhr in der Kochertalmetropole in Abtsgmünd gefeiert und hält sich weitgehend an die Gottesdienstdramaturgie.
  • Anschließend ist gemeinsames Mittagessen und ein Podiumsgespräch, bei dem auch die Gratulanten zu Wort kommen können. Bei der Veranstaltung gelten die Corona-Regeln des Landes, die Genesene, Geimpfte oder Besucher mit mitgebrachtem aktuellem PCR-Test zulassen.

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