Hausärztliche Versorgung wird kritisch

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Erneut schließt in Abtsgmünd eine Arztpraxis, weil der Hausarzt in den Ruhestand geht und sich kein Nachfolger findet. Die Gemeinde sucht nach einer Lösung.

Was Abtsgmünds Verwaltung als Lösung des Notstandes präferiert.

Abtsgmünd. Leider kein Scherz: Zum 1. April diesen Jahres schließt Wolfgang Schlipf seine Facharztpraxis. Der Facharzt für innere Medizin und Hausarzt geht in den Ruhestand. Eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für seine gut gehende Praxis hat Wolfgang Schlipf, trotz intensiver Bemühungen, bis dato nicht gefunden.

Für Bürgermeister Armin Kiemel gleicht diese Nachricht einer Katastrophe. „Schon seit Tagen erreichen uns in diesem Zusammenhang zahlreiche Nachfragen von beunruhigten Bürgerinnen und Bürgern“, so Kiemel.

Schock für die Gemeinde

Die Entscheidung von Wolfgang Schlipf, aufzuhören, sei für die Gemeinde ein Schock, denn mit dem Arzt schließt gleichzeitig auch die vorletzte Arztpraxis in Abtsgmünd. „Innerhalb weniger Jahre werden wir von einer Versorgung mit 4,5 Hausärzten für ganz Abtsgmünd und seinen Teilorten auf einen Wert von 1,5 Hausärzten runtergehen“, so der Bürgermeister.

Zur Erinnerung: Erst im Juni 2020 hat die Hausarztpraxis des Untergröninger Arztes Wolfgang Klein geschlossen – auch hier ohne Nachfolge.

„Das ist ein komplettes Versagen der Politik und der Kassenärztlichen Vereinigung. Hier ist versäumt worden, die Weichen rechtzeitig richtig zu stellen. Die Alterspyramide der Hausärzte war allen Beteiligten bekannt. Der jetzige Versuch des Nachsteuerns der Politik kommt in meinen Augen viel zu spät. Bis ein Hausarzt ausgebildet ist, dauert es mindestens elf Jahre“, sagt Kiemel.

Dabei hätte alles so wunderbar laufen können in Abtsgmünd. Die Gemeinde hat im Gesundheitsbereich große Fortschritte erzielt. Allein mit dem neuen Rettungszentrum wurde eine gute Versorgung in puncto Sicherheit und Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger geschaffen.

Neue Angebote geschaffen

Im Gewerbegebiet „Osteren“ ist ein großes Gesundheitszentrum entstanden und der Bau eines Zahnärztehauses in der Kolpingstrasse soll bald beginnen, dazu wird am 1. März in den Räumlichkeiten der Sozialstation eine Hebammenpraxis eröffnet. „Diese Erfolge haben sich aber leider nicht auf die hausärztliche Versorgung ausgewirkt“, meint Kiemel.

Jahrzehntelang vorbildlich

Über viele Jahrzehnte hat die hausärztliche Versorgung mit den niedergelassenen Ärzten vorbildlich funktioniert. Das Umfeld hat sich in den letzten Jahren leider immer mehr gewandelt. „Nach vielen Jahren des vergeblichen Kämpfens an vielen Fronten sehe ich aktuell leider keine andere Möglichkeit mehr, als ein genossenschaftliches oder kommunales Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit Dritten zu errichten“, kündigt Bürgermeister Kiemel nun nächste Schritte an.

Dafür sei die Gemeinde in den vergangenen Monaten mit anderen Kommunen und Ärzten im Schwäbisch Wald und dem Landratsamt Ostalb in intensiven Austausch. Dabei sei die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung, genauso wie der Breitbandausbau, keine Pflichtaufgabe seiner Gemeinde.

„Wieder mal müssen wir in die Bresche springen und wir müssen handeln. Im März dieses Jahres wollen wir gemeinsam mit anderen Kommunen diese hausärztliche Genossenschaft beschließen und gründen und hoffen, dass wir so schnell einen oder mehrere Hausärzte für Abtsgmünd finden“, sagt Kiemel. Damit alles rechtlich hieb- und stichfest ist, hat die Gemeinde ein Fachbüro mit der Ausarbeitung des komplizierten Hausarztmodells beauftragt.

⋌Martin Bauch

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