Jetzt ist „der Gubi“ leider Geschichte

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Monika und Roland Diepelt mit einem kleinen Teil der Alben, Briefe, Karten und Geschenke, die sie in den letzten Tagen von langjährigen Kunden bekommen haben. Foto: aks
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Nach 60 Jahren endet die Tradition der Einzelhändlerfamilie Diepelt in der Abtsgmünder Ortsmitte. Warum so viele Kunden das bedauern und die Betreiber ins Herz geschlossen haben.

Abtsgmünd

Das hätte ich nie gedacht“, sagt Roland Diepelt immer wieder und betrachtet dabei kopfschüttelnd und freudestrahlend zugleich die Abschiedsgeschenke und Erinnerungen, die die Kunden in den letzten Tagen vorbeigebracht haben. Viele bedauern es sehr, dass es „den Gubi“ im Ortskern nun nicht mehr gibt. Sie alle haben hier eingekauft - als Kinder, als Mütter und Väter, als Tanten und Onkel, als Omas und Opas. Sie haben mit „der Moni“ Diepelt ihre Freuden und Sorgen geteilt, haben Wichtiges besprochen, über Unwichtiges geplaudert und immer Hilfe gefunden. Ganz gleich, ob die Alteingesessenen oder die Neubürger oder auch die nur Durchreisenden auf dem Kocher-Jagst-Radweg - die Diepelts haben niemanden hängen lassen. Sie haben beim Hotel suchen geholfen, sogar das eine oder andere Haus vermittelt oder, solang noch Licht im Laden war, auch für Zuspätkommer aufgeschlossen.

Der Standort in der Ortsmitte hat eine mehrhundertjährige Geschichte. Um das Jahr 1800 sei hier die Postkutschenstation des Orts gewesen, erzählt Roland Diepelt. Unter den handgehauenen Dachbalken in der doppelstockigen Bühne, die es heute noch gibt, wurde das Heu für die Kutschpferde gelagert, die hier umgespannt wurden. Auch die gegenüberliegende Gaststätte Adler habe damals demselben Besitzer gehört.

Im September 1962, vor fast genau 60 Jahren, erwirbt die Familie Diepelt das Post-Gebäude. Mutter Margarete richtet dort einen Laden ein. Sie hat den Verkauf von der Pike auf gelernt und hatte im damaligen Geschäftsführer der Handelskette „Gubi“ in Aalen einen strengen, aber guten Lehrmeister. „Gubi“ belieferte prompt auch die neue Abtsgmünder Niederlassung - höchstens ein Viertel der heutigen Fläche sei der Laden damals groß gewesen, erzählt Roland Diepelt.

Schon als Kind hat er im Laden mitgearbeitet - hatte nach der Schule und vor den Hausaufgaben quasi täglich Kassendienst und in Sachen Beruf eigentlich keine Wahl. Drei Jahre, von 1973 bis 1976, hat er eine gründliche Ausbildung genossen - alle Stationen absolviert, vom Einkauf über das Büro bis hin zu Metzgerei, Frischfischtheke, Arzneimittelkunde und Milchsachkundelehrgang. Einige Wochen in der „Gubi“-Zentrale in Donauwörth komplettierten dieses fundierte Grundlagenwissen.

Wahrscheinlich, vermutet Roland Diepelt augenzwinkernd, „haben wir deshalb so lange durchgehalten“. Den Wechsel der Großhändler - von Gubi zu Kriegbaum und von diesem zu Spar und zuletzt zu Edeka. Mit etlichen Umbauten und dank großer Flexibilität haben Roland und Monika Diepelt nie den Anschluss verloren - sind aber bewusst der „Gubi“ in der Ortsmitte geblieben. Zeitweise mit Postfiliale, lange Jahre mit Spielwaren, dauerhaft mit GOA-Agentur, Paketannahme und Reinigungsdienst - beim „Gubi“, wie der Laden bis heute heißt, konnten die Abtsgmünder ziemlich viel erledigen.

Und sie werden ihn - wie die vielen Blumen, Geschenke, Briefe, Alben, Gedichte, Erinnerungsfotos zeigen - sicher sehr vermissen. Wobei alle den Diepelts ihren Ruhestand von Herzen gönnen. Denn jahrzehntelang waren die beiden von 6.30 bis abends nach 20 Uhr im und für den Laden im Dienst, haben 35 Jahre lang nie Urlaub gemacht, waren fast nie zusammen unterwegs, denn „einer musste sich immer um den Gubi kümmern und sonntags war Bürotag“. Deshalb hat sich „privat“ viel Arbeit angesammelt und so viele Pläne wollen umgesetzt werden, dass die beiden an das Danach noch keine Gedanken verschwenden. Sie freuen sich auf mehr Zeit für Familie und Enkelkinder. Und erzählen lachend: Einen Grundkurs „Einkaufen für Anfänger“ und eine handgenähte Tasche dafür haben die Kunden uns geschenkt. Und die Nachnutzung des Gebäudes ist auch geklärt: Achims Heimtierbedarf wird hier einziehen.

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