Karpfen lieben Hundefutter

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Gemeinsam auf der Jagd nach dem Wels: Mitglieder des Sportfischereivereins Abtsgmünd. Gewässerwart Josef Funk (re.) und Jugendwart Daniel Wendland (li.) leiten an.

Warum die jugendlichen Angler des Sportfischereivereins Abtsgmünd nachts mit Angel, Ködern und viel Geduld auf der Lauer liegen.

Abtsgmünd-Reichertshofen

Gleich hab‘ ich es. So. Und jetzt kommt das als Köder an die Angel", erzählt der 14-jährige Dennis Bleicher. "Hier fängt man viel", weiß er und deutet auf den Kocher. Trotz seines jungen Alters ist er seit fünf Jahren beim Sportfischereiverein Abtsgmünd. Der Siebtklässler grinst, während er sich seinen Köder betrachtet. Nein, am Haken hängt kein Wurm und auch kein Minifisch. Wer näher hinguckt, erkennt, dass es Hundefutter ist. Zwei kleine Rollen, am Faden miteinander verbunden. "Da stehen Karpfen drauf", versichert Dennis Bleicher. Und wirft die Angel aus.

Nebenan bauen Benedikt Gall und sein Großonkel, Jürgen Rüdiger, gerade das Zelt auf. Sie haben in dieser Nacht allerdings ebenso wie die übrigen Angler nicht vor, lange zu schlafen. Denn alle Angler rund um Gewässerwart Josef Funk haben eine besondere Mission: Welse angeln. Und die schnappen am besten nachts nach den Ködern.

"Es gibt hier viel zu viele Welse, die müssen raus. Sonst fressen sie alle anderen Fische auf", ärgert sich Funk. Denn gegen den Raubfisch, der sehr groß werden kann, haben Forellen, Aale oder auch Döbel und Zander im Kocher keine Chance. "Da muss man regulieren", beschreibt der Gewässerwart. Dieses Hegefischen sei wichtig für den Kreislauf in der Natur, besser gesagt im Gewässer.

"Wir kriegen dieses Jahr nichts hin", zeigt sich Josef Funk enttäuscht über die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auflagen. Es wird keine Hauptversammlung geben. Und auch das beliebte Fischerfest ist abgesagt. Zum Glück musste das Hegefischen nicht abgesagt werden. Denn hier werden ohnehin die Vorgaben eingehalten, die Corona bedingt zu erfüllen sind. Die Angler sitzen stets einzeln, mit großer Entfernung zum Nächsten, am Gewässer. Jeder hat seinen Bereich am Kocher. So stehen auch die Zelte weit auseinander. Trotzdem muss sich jeder in die Liste eintragen, darauf legt nicht nur Jugendwart Daniel Wendland großen Wert.

Er coacht den Nachwuchs im Verein, gibt wertvolle Tipps und Anleitungen. Bereits mit zehn Jahren kann man auf dem Abtsgmünder Rathaus einen Jugendfischereischein ausstellen lassen. Um dann später den Fischereischein mit Prüfung abzulegen. Aktuell werden sechs Jugendliche im Verein ausgebildet. Und sie sind eben auch bei der nächtlichen Jagd nach dem Wels mit von der Partie. Gespannt sitzen sie an ihrer Angelrute und hoffen, dass diese dann plötzlich mächtig das Zucken anfängt.

Die Anlieger haben extra für uns gemäht.

Josef Funk Fischereiverein

Etwa Dennis, der der lebende Beweis ist, dass man mit 14 Jahren auch mal 24 Stunden ohne Handy und Computer auskommen kann. "Hier gibt‘s eh‘ keinen Empfang", lächelt der Gewässerwart und zwinkert. Wiederum bestens empfangen werden die Angler von den Anliegern. "Die haben für uns extra gemäht. Das ist wirklich klasse", ist Josef Funk sehr dankbar für die Unterstützung.

Es wäre also alles gut vorbereitet, die Köder locken an der Angel, die Angler selbst stehen oder sitzen wartend in der Stille. Allerdings wird diese immer wieder unterbrochen von vorüberfahrenden Radlergruppen, die sich lautstark unterhalten. Und ob der Distanz zwischen dem ersten und dem letzten Fahrer auch schon mal fast anbrüllen. "Die machen ja die Fische scheu", schimpft da ein Angler. Nur gut, dass diese Radlergruppen nachts nicht unterwegs sein werden. Dann wären die Welse ja gewarnt. So aber hatten die 27 Aktiven die notwendige Ruhe – und angebissen haben immerhin drei Welse. Die waren allerdings so riesig, dass sie mehr Kraft hatten als die jugendlichen Angler und erkämpften sich ihre Freiheit zurück. Weshalb der Verein die Aktion im Herbst wahrscheinlich wiederholt.

Info: Wer mehr über den Sportfischereiverein wissen will, wird fündig unter: www. Sfv-abtsgmuend.de tun.

Benedikt Gall (links) und Jürgen Rüdiger beim Zeltaufbau auf der Wiese am Kocherufer.
Dennis Bleicher nutzt Hundefutter als Köder für Karpfen.

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