Medwald soll mehr Hausärzte locken

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Die Teilnehmer der Gründungsversammlung der Hausärztlichen Genossenschaft Medwald.
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Ostalbkreis beschreitet Neuland mit der Gründungsversammlung einer Hausärztlichen Genossenschaft. Gemeinwohlorientiertes Konzept soll Schule machen.

Abtsgmünd

Das hat hoffentlich Signalwirkung und ist ein Impuls für weitere, maßgeschneiderte Lösungen“, wünscht sich Landrat Dr. Joachim Bläse. Kopfnicken am runden Tisch in der Zehntscheuer. Vertreter von zwölf Kommunen, von den Kreisärzteschaften Aalen und Schwäbisch Gmünd, Hausärzte, Krankenkassen und das Organisationsteam aus dem Landratsamt haben sich hier versammelt. Gegründet wird die Hausärztliche Genossenschaft Schwäbischer Wald, die künftig den Firmennamen „Medwald“ tragen wird. Und, was noch viel wichtiger ist, dafür sorgen soll, dass der Schwäbische Wald nicht länger der am schlechtesten mit Hausärzten versorgte Bereich im ganzen Land ist.

20 Mitglieder - das sind die zwölf Kommunen Abtsgmünd, Heuchlingen, Gschwend, Spraitbach, Eschach, Obergröningen, Schechingen, Ruppertshofen, Durlangen, Täferrot, Leinzell und Göggingen - sowie acht Ärzte bilden die Genossenschaft. Womit, wie Versammlungsleiter Dr. Martin Felger erklärt, alle „Plätze“ vergeben sind. Denn ab 21 Mitgliedern bräuchte die Genossenschaft einen Aufsichtsrat und die Strukturen wären weit weniger schlank.

Was die Genossenschaft leistet? Nach einem, gemeinsam mit der Beratungsfirma Diomedes entwickelten Konzept, wird sie Medizinische Dienstleistungszentren gründen und betreiben. Und sie wird sich um das Management der Praxen kümmern, die von Ärzten in die Genossenschaft eingebracht werden. Der Vorteil sei, dass jungen Ärztinnen und Ärzten ebenso wie medizinischen Fachangestellten flexible Arbeitsmöglichkeiten geboten werden können, dass sie von Bürokratie entlastet und in ein Organisationsteam eingebettet werden können. Auch für ältere Mediziner, die bald in den Ruhestand gehen möchten, biete Medwald die Möglichkeit, ohne die Last der Verwaltungstätigkeiten in Teilzeit medizinisch tätig zu sein, sagt Dr. Martin Felger, verbunden mit dem wichtigen Hinweis, dass die Genossenschaft gemeinwohlorientiert arbeite und anders als ausländische Finanzinvestoren die Praxen nicht als Renditeobjekte betrachtet.

Gemeinsam ging die Versammlung in der Abtsgmünder Zehntscheuer die Satzung durch, in der auch festgehalten ist, dass ein Teil der Erträge in eine Investitionsrücklage fließt - „für Schulungen, Praxisausstattung oder Personalentwicklung“, erklärt Dr. Martin Felger. Der als weiteren Vorteil des Modells auf Rückfrage beschreibt, dass die Genossenschaft durch die Zusammenarbeit mit den Kommunen auch in den Genuss von Fördermitteln kommen könne.

„Wir haben kein Konzept von der Stange gekauft, sondern selbst eines erarbeitet und werden daran weiterarbeiten, um wieder mehr Ärzte in den Schwäbischen Wald zu bringen, ermutigt der Landrat. Und macht deutlich, dass ähnliches in anderen Teilräumen des Kreises ansteht.

Einige Fakten zur Genossenschaft

Als Vorstandsvorsitzender wird Abtsgmünds Bürgermeister Armin Kiemel gewählt, zweiter Vorstand ist der Durlanger Hausarzt Dr. Heiner Steinat. Zum Bevollmächtigten wird Heuchlingens Bürgermeister Peter Lang bestimmt. Als Geschäftsführer fungiert Dr. Martin Felger von Diomedes. Sitz der Genossenschaft ist Abtsgmünd.

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