Nur Sechs- statt Neunfamilienhaus

  • Weitere
    schließen
+
Anwohnerinnen und Anwohner der Kreuzhalde, die mit ihrem Protest gegen den Bau eines Neunfamilienhauses auf dem brachliegenden Gelände am Ende ihrer Sackgasse im Abtsgmünder Wohngebiet „Weiheräcker“ einen Teilerfolg errungen haben.

In den Abtsgmünder „Weiheräckern“ soll auf einem brachliegenden Grundstück ein Mehrfamilienhaus entstehen. Anwohner erringen durch ihren Protest einen Teilerfolg.

Abtsgmünd

Das etwa 1700 Quadratmeter große Grundstück in der Kreuzhalde in Abtsgmünd hat 35 Jahre lang brach gelegen. Nun soll die Südhanglage am Rande des Wohngebiets „Weiheräcker“ bebaut werden. Das macht den Anwohnern der Kreuzhalde Sorgen. Denn durch ihre Sackgasse wird das Baugelände erschlossen. Sie befürchten, die kleine Anwohnerstraße werde künftig total zugeparkt sein. Und die Probleme, die jetzt schon mit der Abholung von Müll und Gelben Säcken bestehen, werden sich verschärfen, sagen sie. Sie wenden sich gegen das Bauvorhaben.

Von einer Bürgerinitiative zu sprechen, wäre zu hoch gegriffen. Aber sie haben doch Briefe gesandt an den Bürgermeister und an das Landratsamt, die Genehmigungsbehörde. „Alle haben unterschrieben“, sagt Jürgen Schmid, gewissermaßen der Sprecher der Gruppe. Darin protestieren sie gegen ein 9-Familienhaus, für das nur elf Pkw-Stellplätze vorgesehen seien. Weiterhin argumentieren sie, der Bebauungsplan aus dem Jahr 1985 weise für ihr Wohngebiet Ein- und Zweifamilienhäuser aus. Es sei völlig unverständlich, dass jetzt dort ein Wohnblock gebaut werden solle. „Wir wehren uns nicht gegen ein Bauprojekt als solches“, betonen sie indes. Nur die Dimensionen seien zu massiv.

Bauherr ist übrigens die GMG GmbH, eine Unterfirmierung von Kessler + Co, des ortsansässigen Achsen- und Getriebeherstellers. Sie hat das Gelände vor Jahrzehnten gekauft.

Was die Anwohner misstrauisch gemacht hat, und sie argwöhnen lässt, hier werde „gemauschelt“, ist zweierlei. Zum einen sind, bis auf eine Ausnahme, die Nachbarn nicht verständigt worden. Zum anderen wurde Mitte Mai die Bauvoranfrage in einer Sitzung des Technischen Ausschusses beraten, in Pommertsweiler. Als einige von ihnen dort ankamen, war jedoch der Tagesordnungspunkt schon durch und abgehakt.

Diese Befürchtungen sind jedoch offenbar gegenstandslos. Durch den langen Fußweg, der das Wohngebiet unmittelbar über dem fraglichen Grundstück durchzieht, sind die meisten Nachbarn keine direkten Anlieger. Ihre Grundstücke grenzen an den Fußweg oder andere öffentliche Flächen. So musste die Gemeinde nur einen direkten Anlieger verständigen. Die anderen haben keinen Anspruch darauf, im Rahmen des Verfahrens angehört zu werden. So steht es im Gesetz, hier die Landesbauordnung (LBO). Und die Sitzung des Ausschusses in Pommertsweiler ging flott vonstatten, ein vorgelagerter Spatenstich war schnell erledigt.

Außerdem seien die Anlieger einem Missverständnis aufgesessen, sagt auf SchwäPo-Anfrage Annegret Glombik, die Bauamtsleiterin der Gemeinde. Im Bebauungsplan von 1985 sei nicht von „Einfamilienhäusern“ die Rede, sondern von „Einzelhäusern“. Einzelhäuser dürfen laut Baugesetzbuch bis zu 50 Meter lang sein, erklärt sie. In dem Wohngebiet seien „Einzel- und Doppelhäuser“ genehmigungsfähig. Sie könne die Sorgen der Anlieger nachvollziehen, die seither ins Grüne geblickt haben. Die Gemeinde bemühe sich um einen Kompromiss.

Gemeinsame Lösung

Was meint eigentlich der Bauherr zu dieser ganzen Sache? Ist ein Kompromiss denkbar? GMG-Geschäftsführer Manfred Grimminger beantwortet diese Frage uneingeschränkt mit „Ja“. Der Technische Ausschuss habe der Bauvoranfrage zwar zugestimmt, aber man wolle nicht für große Diskussionen sorgen. „Wir werden auf sechs Wohneinheiten zurückgehen“, sagt er. „Wir wollen möglichst in Frieden zu einer auskömmlichen Lösung mit den Nachbarn kommen.“ Aber auf diesem Grundstück nur ein Zwei- oder Vierfamilienhaus zu bauen sei nicht mehr zeitgemäß, betont Grimminger auch. Vom Heubacher Architekturbüro werde das Projekt derzeit umgeplant und komme danach erneut in den Technischen Ausschuss.

Manfred Grimminger meint aber auch, dass Interessenskonflikte dieser Art künftig häufiger werden. Denn Bauplätze mit 1000 Quadratmetern für Einfamilienhäuser gingen heute nicht mehr. „Viele drängen auf eine Nachverdichtung. Auch in Abtsgmünd gibt es eine massive Nachfrage nach Baugrundstücken.“

Wir wehren uns nicht gegen ein Bauprojekt als solches.“

Anwohner „Weiheräckern“

Zurück zur Übersicht: Abtsgmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL