Rose Binder unterstützt Proteste in Jamaika

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Rose Binder setzt sich dafür ein, dass sich das britische Königshaus bei den Jamaikanerinnen und Jamaikanern entschuldigt.
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Abtsgmünderin setzt sich mit dem „Advocates Network“ dafür ein, dass sich das britische Königshaus entschuldigt.

Abtsgmünd. Prinz William persönlich habe keine Schuld. Ebenso wenig seine Großmutter, Königin Elisabeth II. „Aber sie haben profitiert“, sagt Rose Binder über das britische Königshaus und die Sklaverei in der Kolonialzeit. Die Abtsgmünderin stammt aus Jamaika. Gemeinsam mit der Gruppe „Advocates Network“ unterstützt sie die Proteste dort. Hintergrund: Prinz William und Herzogin Kate sind auf Karibikreise und verbringen auch drei Tage in Jamaika. Viele Jamaikanerinnen und Jamaikaner finden, dass sich das Königshaus für die Sklaverei und weitere Taten während der Kolonialzeit entschuldigen und Großbritannien Reparationen bezahlen sollte.

Das findet auch Rose Binder. Der frühere britische Premiermister hat ihr zufolge einmal sinngemäß gesagt, dass die Sklaverei vorbei sei, man das Thema hinter sich lassen und weitermachen sollte. „Man kann das nicht einfach vergessen“, sagt dagegen die Abtsgmünderin. Die Sklaverei sei Völkermord gewesen. Sklavenhändler und -besitzer hätten gemordet, gefoltert, Familien zerrissen, Frauen sexuell missbraucht und mehr.

Das hätte Auswirkungen bis heute. Rose Binder zählt viele davon auf. Dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe als weniger wert gelten, diskriminiert werden oder dazu gebracht werden, ihr lockiges Haar zu hassen. Oder dass Schwarze anfälliger seien für Bluthochdruck oder Diabetes, weil Generationen ihrer Vorfahren sich nicht gesund ernähren konnten.

„Eine Entschuldigung und Reparationen zu fordern, ist nicht neu“, sagt Rose Binder. Wegen der Reise der Royals bekomme das Thema aber nun hohe Aufmerksamkeit. Darüber freut sie sich. Das sei eines der Ziele des „Advocates Network“.

Die Gruppe besteht aus rund 100 Jamaikanerinnen und Jamaikanern, die auf der ganzen Welt leben. „In der Diaspora“, sagt Rose Binder. Das Netzwerk setzt sich für verschiedene gesellschaftliche Themen in Jamaika ein. Die Gruppe engagiert sich zum Beispiel gegen Femizide und Gewalt gegen Frauen und für Menschenrechte im Allgemeinen.

Zum Thema Entschuldigung und Reparationszahlungen hat das Netzwerk einen offenen Brief an Prinz William geschrieben und ihn der britischen Botschaft übermittelt. Außerdem hat die Gruppe zu einer friedlichen Demonstration aufgerufen und ein 60-Punkte-Papier geschrieben. In der deutschen Übersetzung von Rose Binder trägt es den Titel „60 Gründe für Entschuldigungen und Wiedergutmachungen.“ Die Zahl 60 ist dabei nicht ganz zufällig. Dieses Jahr feiert Jamaika 60 Jahre Unabhängigkeit. Teil des Commonwealth ist das Land aber bis heute und noch immer ist Königin Elisabeth II. die Staatschefin.

Die Forderung, sich ganz von Großbritannien und der Monarchie loszusagen, wird dieser Tage auf der Karibikinsel mancherorts laut. Doch eine Forderung des „Advocates Network" sei das nicht. „Das Volk muss darüber abstimmen“, sagt Rose Binder. „Jamaika ist schließlich eine Demokratie.“

Hier gibt es weitere Informationen zum "Advocates Network"

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