Schneckenhäuser und Löwenzahn

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Alfred Bast beim Austausch mit Studierenden der Hochschule Aalen in seinem Atelier in Abtsgmünd-Hohenstadt.

Anschauungsunterricht in Hohenstadt: Studierende der Hochschule Aalen auf Atelierbesuch beim Künstler Alfred Bast.

Abtsgmünd

Auf der Fensterbank liegen Tannenzapfen, Schneckenhäuser, getrocknete Blüten und Weiteres aus Wald und Flur. Ein Spielzeugelefant aus Kunststoff gesellt sich zu dem bunten Sammelsurium. An der Wand hängen Bilder, die mit feinen Pinselstrichen präzise gezeichnete Blätter, Pilze oder eine aufgesprungene Esskastanie zeigen. So plastisch, dass man mit den Händen danach greifen möchte.

Das Atelier des freischaffenden Künstlers Alfred Bast in Abtsgmünd-Hohenstadt ist ein ganz besonderer Ort – eine Welt voller Poesie und ein kommunikatives Resonanz- und Begegnungsfeld, in das kürzlich auch Studierende der Hochschule Aalen eintauchen durften. Im Rahmen einer Foto-Exkursion konnten die Studentinnen und Studenten der beiden Studienangebote User Experience und Technical Content Creation mit ihren Kameras „Bilder pflücken“.

Schon seit vielen Jahren arbeitet Alfred Bast immer wieder mit der Hochschule Aalen in verschiedenen Projekten zusammen. „Ich spüre dort offene Geister, es ist jedes Mal ein inspirierender Austausch“, sagt Bast, für den sich Kunst und Technik nicht ausschließen. Ganz im Gegenteil. „Auch Ingenieure müssen kreativ sein. Egal in welchem Beruf, man muss immer Ideen haben. Kreativität hat viel mit Wahrnehmung zu tun. Das muss man aber entwickeln und ausbilden“, erläutert Bast und fügt hinzu: „Es macht mir Freude, die Studierenden zu motivieren, auf ihre Entdeckungsreise von der Außenwelt zur Innenwirklichkeit zu gehen und ihre Wahrnehmung zu schärfen“. Jede Wahrnehmung sei ein schöpferischer Akt. Auch die Fotografie sei Wahrnehmung, „man schaut nicht nur nach außen, sondern auch nach innen“.

Räume und Fotomotive

Nicht nur Basts Atelier in Hohenstadt besuchten die Studierenden, sondern auch das Kunst Kloster art research, das der Künstler 1995 in einer umgebauten Scheune im Grünen gegründet hat. Hier hatten sie die Möglichkeit, dem 74-Jährigen, dessen Werke ein ganz besonderes Gespür für die Schönheit der Natur zum Ausdruck bringen, durchs Haus zu folgen und auf eigene Faust Räume und Fotomotive zu entdecken. Geleitet wurde die Exkursion vom Aalener Fotografen und Lehrbeauftragten für Digitalfotografie Michael Ankenbrand und von Bernd Reznicek, der im 3. Semester von User Experience und Technical Content Creation an der Hochschule Aalen digitale Bildbearbeitung lehrt.

„Das ist einfach toll hier“, schwärmt Amrana Sandhu, die User Experience studiert und zum ersten Mal in einem „richtigen“ Atelier steht. Die 24-Jährige ist selber gerne kreativ und liebt den Umgang mit Formen und Farben. „Hier ist viel Ruhe, aber auch so viel Energie und Dynamik zu spüren“, sagt sie begeistert, während sie die Skizze eines Löwenzahnblatts näher betrachtet. „Das motiviert mich sehr, jetzt anders zu malen und andere Motive aufzugreifen.“

Auch Selim Özer ist beim Rundgang durch die Räumlichkeiten des Kunst Klosters beeindruckt. „Das ist hier eine schöne Energiequelle. Vor allem in ganz alltäglichen Gegenständen das Künstlerische zu suchen. Das hat auch mit meiner alltäglichen Arbeit zu tun“, sagt der User-Experience-Student. Schließlich gehe es in seinem Studiengang auch darum, Produkte und Anwendungen für den Alltag zu entwickeln, die sich leicht bedienen lassen, Spaß machen und ästhetisch sind. Während er die verschiedenen Grüntöne eines Malprojekts von Alfred Bast näher studiert, meint Özer: „Dass wir jetzt noch mit dieser Exkursion künstlerische Prozesse aus nächster Nähe miterleben dürfen, ist einfach klasse!“

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