Summer Breeze kann auch Tagesessen

  • Weitere
    schließen
+
Neben neuen pandemiegerechten Festivalkonzepten arbeitet Summer-Breeze-Veranstalter Achim Ostertag aktuell auch an einer deutschlandweiten Bestellplattform für Tagesessen.
  • schließen

Wofür Achim Ostertag, Gründer und Veranstalter eines der größten Metal-Open-Air-Festivals in Deutschland, den Lockdown nutzt.

Abtsgmünd

Die Sonne strahlt ihm aus dem Genick. Und das mitten im zweiten Lockdown, in einer Zeit, in der Festivals mit Zehntausenden Feiernden gerade eher eine absurde Vorstellung sind. Achim Ostertag, Gründer und Veranstalter des weltweit bekannten Metal-Festivals "Summer Breeze", trägt die flammende Sonne, das Emblem seines – eines der größten Metal-Open-Airs in Deutschland – als Tattoo in den Nacken eingebrannt. Als wäre es seine ganz persönliche Kraftquelle in der aktuellen Krise, die er unter seiner langen Mähne vor fremden Blicken schützen müsste.

Eine Studie von Psychologen an der Universität Queensland verblüffte vor einigen Jahren mit der Aussage: Wer Heavy Metal hört, ist netter, ruhiger und friedlicher. Achim Ostertag mag ein Paradebeispiel dafür sein. Er ist ein ruhiger Typ, kein Freund überflüssiger Worte. Sachlich-nüchtern spricht der 43-jährige Familienvater über den Lockdown, der seine Branche seit einem Jahr komplett ausbremst. Und auch über kreative Alternativkonzepte, an die er hohe Erwartungen knüpft.

Denn die coronabedingte Absage des dreieinhalbtägigen Summer-Breeze-Festivals 2020 in Dinkelsbühl mit gewöhnlich bis zu 40 000 Besuchern an einem Tag, bedeutete für die GmbH einen Umsatzeinbruch von über 95 Prozent. Ein alternatives Konzert unter Einhaltung aller Corona-Regeln für die damals eigentlich erlaubten 500 Besucher in Abtsgmünd wurde vom Gemeinderat nicht genehmigt. Also musste Ostertag seit August/September vergangenen Jahres für die 16 Mitarbeiter seiner Firma "Silverdust" teilweise Kurzarbeit anmelden.

Dabei geht es momentan im Abtsgmünder "Summer-Breeze-Headquater", der vor vier Jahren von Achim Ostertag in den "Hirtenäckern" gebauten dreigeschossigen Firmenzentrale wieder so fleißig zu, wie in einem Bienenstock. "Die Hälfte unserer Mitarbeiter beschäftigt sich derzeit mit einer Internetplattform für Tagesessen", erzählt Ostertag, ursprünglich ausgebildeter Feinoptiker. Eine Idee, die ihn seit der Bauzeit seines Firmengebäudes verfolgt. "Die Handwerker haben uns damals immer gefragt, wo es hier mittags was Warmes gibt." Daraus ist Ostertags Konzept einer deutschlandweit funktionierenden Internetplattform entstanden. "Die vor allem auch auf dem Land funktionieren soll. Damit alle, die beruflich unterwegs sind, einsehen können, was es wo am jeweiligen Tag zu essen gibt."

Ein Langzeitprojekt

Mit derzeit 70 Anmeldungen aus ganz Deutschland auf der Internetadresse "tagesessen.com" handele es sich aktuell noch um eine reine Präsenzplattform. Einzusehen seien Kontakte, Öffnungszeiten und die Art des Tagesessens. Im Laufe des Jahres aber, so Ostertag, wolle man das Angebot auf die Bestellfunktion erweitern. "Die Plattform ist komplett kostenlos für die Gastronomen und die Endkunden", betont er. Und träumt davon, dass sich dieses Angebot irgendwann über Werbung finanzieren wird. "Das Essen ist schließlich unser Zweitliebstes", stellt er fest. Aber er weiß auch: Es ist ein Langzeitprojekt. Also nichts, womit man den Lockdown finanziell überbrücken könnte.

Coronakonforme Events

Das Essen ist nach der Musik unser Zweitliebstes.

Achim Ostertag Summer-Breeze-Veranstalter

Also beschäftigt sich die andere Hälfte seiner Mitarbeiter parallel weiter mit der Eventbranche, arbeitet an Konzepten, wie ein Festival in Pandemie-Zeiten stattfinden könnte. Ostertag: "Gedacht wird in alle Richtungen; von Konzerten mit Schnelltests bis hin zu komplett neuen Alternativkonzepten.

Motivation und finanzielle Unterstützung für diesen Denkprozess erhält Ostertags Firma "Silverdust" von der Bundesregierung: Die Bewerbung für das Konjunkturprogramm "Neustart Kultur" wurde positiv beschieden. Heißt: Ostertags Team hat eine finanzielle Förderung erhalten, um ein Konzept für Großveranstaltungen unter Pandemiebedingungen zu erarbeiten. Das Konzept sei so gut wie fertig. Das Endprodukt, so Achim Ostertag, soll künftig allen Veranstaltern gewissermaßen als Blaupause dienen, um coronakonforme Events auf die Beine stellen zu können.

Allmählich schöpft der Eventmacher wieder Hoffnung. "Wir merken, dass die Politik allmählich auf die Kulturschaffenden zugeht." Im vergangenen Jahr hatte Ostertag einen Austausch mit Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. "Und in den nächsten Wochen stehen weitere Gespräche mit der bayerischen Regierungsspitze an."

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Fakt ist: Das jährliche Metal-Festival auf dem Flugplatz des Aeroclubs in Dinkelsbühl ist ein großer Wirtschaftsfaktor für die Region. Denn obwohl das Festival nur dreieinhalb Tage läuft, steige laut Ostertag dadurch jährlich im August die Zahl der Übernachtungen in Dinkelsbühl um das Vierfache."Unter all diesen Erkenntnissen sind wir für diesen Sommer positiv gestimmt. Dass wir was hinbekommen, wenn wir dürfen."

Achim Ostertag hat das Metal-Festival Summer Breeze 1997 ins Leben gerufen. Das Konzert mit zehn Bands fand in den ersten Jahren als Zeltfestival auf dem Festplatz in Abtsgmünd statt. Ab dem Jahr 2000 wurde es zum Open-Air-Festival und seit 2006 findet es mit zuletzt 40 000 Besuchern pro Tag in Dinkelsbühl statt.

Zurück zur Übersicht: Abtsgmünd

WEITERE ARTIKEL