Tierquälerei: Ermittlungen ziehen sich hin

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Ein Blick in den Stall, aufgenommen von den Tierschützern: Eng zusammengepfercht und auf Gitterböden müssen die Kaninchen im Stall leben.
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Warum sich der Fall so in die Länge zieht und warum die Behörden noch nicht sagen können, ob es überhaupt zu einer Anklage gegen den Kaninchenzuchtbetrieb aus dem Kochertal kommt.

Abtsgmünd. Die Ermittlungen im Fall möglicher Tierschutzverstöße in einer Zuchtanlage für Kaninchen in Abtsgmünd erweisen sich als komplexer als ursprünglich erwartet. Eigentlich hatte die  Staatsanwaltschaft Ellwangen schon Ende August mit einem Ergebnis gerechnet. „Wir müssen umfangreiches Videomaterial sichten“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sind und ob es überhaupt zu einer Anklage kommt, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Die Ermittler haben ob des umfangreichen Videomaterials die Tierschützer um Unterstützung gebeten. Diese sollen jetzt auf besondere Sequenzen hinweisen.

Sollte es zu einer Anklage kommen, könnte es durchaus sein, dass diese Anklage gegen eine Person oder mehrere Personen und nicht gegen den Zuchtbetrieb erhoben wird. "Das ist zum jetzigen Zeitpunkt aber reine Spekulation. Es gibt noch keinerlei Ergebnisse."

Aufnahmen sorgen bundesweit für Entsetzen

Im Juli dieses Jahres sorgten veröffentlichte Videoaufnahmen von gequälten und getöteten Kaninchen bundesweit für Aufsehen. Der Verein Deutsches Tierschutzbüro hatte die Videoaufnahmen veröffentlicht, die aus dem Betrieb im Kochertal stammen sollen. Darauf zu sehen: Zwei Mitarbeiter; die Kaninchen totschlagen. Zudem zeigen die Bilder verletzte und kranke Tiere, die nicht artgerecht in Käfigen gehalten werden. Polizei und Staatsanwaltschaft nahmen daraufhin die Ermittlungen auf. Zeitgleich meldete sich das betroffene Unternehmen zu Wort. Den Vorwurf der Tierquälerei weist das Unternehmen von sich. Gleichwohl ließ es durch einen Anwalt mitteilen: „Die erhobenen Vorwürfe gegen Arbeitnehmer nimmt unsere Mandantin sehr ernst.“ Einer der zwei Mitarbeiter, der die Tiere zu Tode gequält haben soll, sei zwar nicht mehr in dem Betrieb tätig, „sein Ausscheiden aus dem Betrieb stand in keinem Zusammenhang mit den erhobenen Vorwürfen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Das Veterinäramt des Ostalbkreises kontrolliere den Betrieb in Abtsgmünd regelmäßig, wie Sprecherin Susanne Dietterle im Sommer mitteilte. Kontrollen hätten im August 2021 sowie im April, Juni und Juli dieses Jahres stattgefunden. Eine Anzeige gegen den Betrieb von augenscheinlich privater Stelle sei im April erstattet worden. Auf die darin vorgeworfenen tierschutzwidrigen Tötungen hätte es bei einem Betriebsbesuch kurz zuvor keine Anzeichen gegeben, so Dietterle. Im Juni wurden die Vorwürfe bei einer unangekündigten Kontrolle erneut untersucht. Das Wort „unangekündigt“ ist wichtig, weil Kontrollen im Vorfeld meist vorher angemeldet werden. Bei der unangemeldeten Kontrolle habe das Veterinäramt Mängel festgestellt, etwa das Fehlen von Nachweisen für die Behandlung von Tieren oder die nicht sachgemäße Gestaltung des Ruhebereichs. Im Juli sei der Betrieb erneut kontrolliert worden, die Mängel wurden laut Landratsamt behoben.

Eine Konsequenz gab es bereits. Der Betrieb wurde bis zum Sommer noch auf der Internetseite „Lernort Bauernhof in Baden-Württemberg“ aufgeführt. Als Lernort für die Schulklassen 1 bis 4. Nach der Anschuldigung der Tierschützer wurde der Eintrag gelöscht.

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