Tierquälerei: Tierschutzverbände fordern bessere Kontrollen

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Blick in einen Kaninchenstall. Die Tiere leben dort in so genannten Gitterboxen..
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Mehrere Organisationen fordern unangekündigte Kontrollen und flächendeckende Kameraüberwachung in Ställen.

Abtsgmünd. Die vom Deutschen Tierschutzbüro angeprangerten Missstände in einer Zuchtanlage für Kaninchen in Abtsgmünd drehen weitere Kreise. Jetzt nimmt das „Gemeinsame Büro der anerkannten Tierschutzverbände Baden Württemberg“ den aktuellen Fall zum Anlass, um unter anderem die Kontrollmechanismen zu kritisieren.

Der Fall in der Zuchtanlage in Abtsgmünd sei „ein erneuter Beleg, dass die derzeitigen Kontrollmechanismen versagen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Videoaufnahmen, die in der Anlage gemacht wurden, zeigen wie Kaninchen brutal getötet werden. Die Staatsanwaltschaft Ellwangen ermittelt wegen möglicher Tierschutzverstöße in der Zuchtanlage.

Die „vorwiegend anlassbezogenen behördlichen Tierschutzkontrollen der Tierhaltungsbetriebe“, seien nicht ausreichend. Das Veterinäramt meldet seinen Besuch in Ställen normalerweise an. In Verdachtsfällen werden auch unangekündigte Kontrollen durchgeführt. So sei es auch in Abtsgmünd gewesen, teilten das Landratsamt und die betroffene Zuchtanlage mit. Dabei habe es keine Beanstandungen geben. Dennoch fordern die Verbände: „Zielführender wären deutlich häufigere unangekündigte Kontrollen des zuständigen Veterinäramtes, unterstützt durch eine verpflichtende flächendeckende Kameraüberwachung in derartigen Betrieben sowie scharfe Sanktionen bei tierschutzrechtlichen Verstößen, die auch eine Betriebsschließung nicht ausschließen.“ Das Überwachungspersonal müsste sowohl unabhängig sein als auch weisungsbefugt. Dazu könnte etwa eine überregionale Kontrollbehörde für Schlachthöfe und tierhaltende Betriebe etabliert und Veterinärämter speziell im Bereich Tierschutz personell verstärkt werden.

Tierschutzgesetz verbessern

Auch die Anforderungen der Tierhaltung in Kaninchenställen wollen die Tierschutzverbände neu überdacht wissen. Zuchtkaninchen müssen mindestens 0,6 Quadratmeter Platz in einem Stall haben, Mastkaninchen mindestens 0,15 Quadratmeter. Je mehr Mastkaninchen in einem Stall, desto kleiner wird der Platz. Bei elf bis 24 Tieren sieht der Gesetzgeber eine Fläche von mindestens 0,085 Quadratmetern pro Mastkaninchen vor. Die anerkannten Verbände seien der Ansicht, „dass die rechtlichen Vorschriften der kommerziellen Kaninchenhaltung in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung nicht in Einklang zu bringen sind mit den grundlegenden Anforderungen des Tierschutzgesetzes und dem Staatsziel Tierschutz. Die Haltung von Kaninchen in kleinen Gitterkäfigen mit Gitter- oder Lochböden, die ihnen noch nicht einmal ein Aufrichten und Hoppeln ermöglicht, ist mit erheblichem Tierleid verbunden.“ Die anerkannten Verbände (Bund gegen Missbrauch der Tiere, Landestierschutzverband Baden-Württemberg und Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg) plädieren für eine Normenkontrollklage dieser Vorschriften vor dem Bundesverfassungsgericht. Allerdings können nur die Bundesländer von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Bei dem Betrieb in Abtsgmünd handelt sich um eine der größte Kaninchenzuchtanlagen in Deutschland. Die Tiere werden an Versuchslabore und Schlachtbetriebe verkauft. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern noch an. Mit Ergebnissen wird nicht vor Ende August gerechnet. 

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