Tierquälerei: Zuchtbetrieb äußert sich

+
Blick in eine Stallanlage eines Kaninchenzuchbetriebs.
  • schließen

Wie sich das Unternehmen zu den Vorwürfen äußert. Veterinäramt habe regelmäßig kontrolliert.

Abtsgmünd. Nach einer Anzeige von Tierschützern und der Ermittlung der Staatsanwaltschaft Ellwangen wegen möglicher Tierschutzverstöße in einer Zuchtanlage für Kaninchen in Abtsgmünd meldet sich jetzt der betroffene Betrieb über seine Anwaltskanzlei zu Wort. Den Vorwurf der Tierquälerei weist das Unternehmen von sich. Gleichwohl: „Die erhobenen Vorwürfe gegen Arbeitnehmer nimmt unsere Mandantin sehr ernst.“ Einer der zwei Mitarbeiter, der die Tiere zu Tode gequält haben soll, sei zwar nicht mehr in dem Betrieb tätig, „sein Ausscheiden aus dem Betrieb stand in keinem Zusammenhang mit den erhobenen Vorwürfen“, heißt es in einer Stellungnahme.

 Auf die vom Verein Deutsches Tierschutzbüro erhobenen Vorwürfe, geht das Unternehmen nicht direkt ein. Erst einmal erklärt der Anwalt, „dass Mitglieder des Deutsches Tierschutzbüro e.V.  unter Verstoß gegen das Hausrecht in die Räume der Betriebsstätte unserer Mandantin eingedrungen sind und dort versteckte Kameras angebracht haben“. Damit sei der Straftatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllt und Persönlichkeitsrechte der gefilmte und fotografierten Arbeitnehmer verletzt worden.

Tiere mit Eisenstangen geschlagen

Auf Bildern war zu sehen, wie Kaninchen mit Eisenstangen und auf den Boden zu Tode geschlagen werden. Auch darauf geht das Unternehmen nicht direkt ein. Es erläutert indes, wann es zu so genannten Nottötungen in einem Betrieb kommt: „So genannte Nottötungen dürfen im Betrieb unserer Mandantin nur in Ausnahmefällen und gemäß den Weisungen des Arbeitgebers auch nur lege artis (nach „anerkannten Regeln“, Anm.d.Red) durchgeführt werden, wenn die Einleitung oder Fortsetzung einer tierärztlichen Behandlung offenkundig keinen Erfolg verspricht und das Leiden des erkrankten Tieres ohne ein solches sofortiges Handeln erheblich verlängert würde.“ Das Erschlagen von Tieren wie es indes auf den Bildern zu sehen ist, ist illegal. Dazu jedoch kein Wort in der Stellungnahme. In der Stellungnahme heißt es: „Kranke Tiere werden vom Bestand getrennt und tierärztlich versorgt.“

 Dafür erläutert das Anwaltssschreiben, dass der Betrieb regelmäßig durch das zuständige Veterinäramt eingehenden Kontrollen unterzogen werde, so auch in dem Zeitraum, in dem die vermeintlichen Verstöße festgestellt worden sein sollen. Das bestätigt auch das Landkreisamt. Meist meldet sich indes der Kontrolleur bei einem Betrieb im Vorfeld an. Im Abtsgmünder Fall sei der Betrieb aber auch schon einmal unangemeldet kontrolliert worden, heißt es aus der Kreisbehörde. Beanstandungen seitens des Veterinäramtes habe es nie gegeben. „Leider lässt sich in einem Betrieb dieser Größenordnung nicht gänzlich ausschließen, dass verletzte oder verendete Tiere gerade nachts und am Wochenende nicht so zeitnah wie es tagsüber und an den Wochentagen gewährleistet ist, aufgefunden werden. Unsere Mandantin ist ständig mit der Optimierung der Betriebsabläufe befasst, um selbst solche Ausreißer auszuschließen. Dazu gehört selbstverständlich auch die Instandhaltung der bestehenden Haltungsanlagen und die Errichtung neuer Stallanlagen, um noch vor Ablauf der vom Gesetzgeber bis zum 10. Februar 2024 gewährten Übergangsfrist auch den modernsten Anforderungen zu genügen.“ Eine neu errichtete Anlage entspreche schon jetzt diesen strengen Anforderungen und sei bereits in den nächsten Wochen bezugsfertig. Die Mindestgröße der Käfige in den Bestandsanlagen entspreche den bis heute gültigen gesetzlichen Vorgaben. Zuchtkaninchen müssen mindestens 0,6 Quadratmeter Platz in einem Stall haben, Mastkaninchen mindestens 0,15 Quadratmeter. Je mehr Mastkaninchen in einem Stall, desto kleiner wird der Platz. Bei elf bis 24 Tieren sieht der Gesetzgeber eine Fläche von mindestens 0,085 Quadratmetern pro Mastkaninchen vor.

Bei dem Betrieb in Abtsgmünd handelt sich um eine der größte Kaninchenzuchtanlagen in Deutschland. Die Tiere werden an Versuchslabore und Schlachtbetriebe verkauft. Dier Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern noch an. Mit Ergebnissen wird nicht vor Ende August gerechnet. 

Mehr zum Thema: Zuchtbetrieb war Lernort Bauernhof

Inhaltswarnung: Dieses Video zeigt Aufnahmen, auf denen zu sehen ist, wie Tiere gequält und getötet werden.

Zurück zur Übersicht: Abtsgmünd

Kommentare