Wieso es Kritik an „Fleischeslust“ gibt

  • Weitere
    schließen
+
Willi und Janis-Ann Heger hinter der Theke ihres „Fleischeslust Barbecue“ in Abtsgmünd. Der Grill hat eine große Fangemeinde, steht bei Anwohnern und Landratsamt allerdings derzeit in der Kritik.
  • schließen

Der Grill „Fleischeslust Barbecue“ in Abtsgmünd zieht viele Gäste aus nah und fern an. Zum Erfolg kommt jetzt aber Kritik von Nachbarn und von der Genehmigungsbehörde.

Abtsgmünd

Seit Oktober 2016 existiert der „Fleischeslust Barbecue“ in Abtsgmünd, nahe des Kreisverkehrs zwischen der Gemeinde und dem Gewerbegebiet „Osteren“. Der Grill hat eine große Fangemeinde. Gäste kommen auch von weit außerhalb des Ostalbkreises nach Abtsgmünd, um dort der Fleischeslust zu frönen, sofern Liebe durch den Magen geht.

Im Laufe der Jahre hat sich’s herumgesprochen und es kamen mehr und mehr Gäste. Die Betreiber bauten das Provisorium aus, so dass ihre Kundschaft nicht ausschließlich unter freiem Himmel essen muss.

Die Inhaber der „Fleischeslust“ sind Willi Heger und seine Frau Janis-Ann aus Abtsgmünd. Ein Familienbetrieb also, wenn auch der Nachwuchs noch zu klein ist, um mitzuhelfen. Das tun andere.

Doch der Aufschwung ist auf der anderen Kocherseite kritisch beäugt worden. Jenseits des Gewässers haben sich Anwohner der Kocherstraße an den Bürgermeister gewandt und sich beschwert: über Gestank, vor allem nach Frittierfett, und über Lärm. Einerseits Baulärm, weil sich der Imbiss vergrößerte. Andererseits Lärm vonseiten der Gäste, sowie „ohrenbetäubende Musik“. Das war im September vergangenen Jahres.

Immerhin: „Wir glauben, mit gewissem Respekt können der Imbiss und wir gemeinsam rund um die Kocherstraße leben . . .“ beginnt der letzte Satz des Anwohnerbriefes an Armin Kiemel, den Schultes. Doch jetzt, wenn's wieder wärmer wird, kommen die Befürchtungen der Nachbarn wieder hoch.

Dass der Grill und die Nachbarn miteinander auskommen mögen, das sei indessen auch der Wunsch der Betreiber, sagt Janis-Ann Heger. Schließlich lebten sie in derselben Gemeinde. Ein Gespräch im Rathaus hat bereits stattgefunden.

An „ohrenbetäubende Musik“ kann sie sich nicht erinnern. Was sie ein bisschen stört: dass von den Nachbarn niemand direkt auf sie zugekommen sei wegen der Kritik. „Wir haben gedacht, es sei alles in Ordnung, wenn sich niemand beschwert. Sie hofft, Vertreter der Gemeinde, der Nachbarschaft und der Grillbetreiber könnten sich gemeinsam an einen Tisch setzen, um die Sache zu klären.

Wenn es doch nur so einfach wäre. Denn es hat den Anschein, als habe der damalige Architekt der Familie Heger ziemlich blauäugig zum Ausbau der „Fleischeslust“ geraten. Denn inzwischen ist das Landratsamt bei ihnen vorstellig geworden, mit deutlichen Forderungen.

„Der Betreiber hat ohne baurechtliche Genehmigung Anlagen erstellt, die teilweise nicht nachträglich genehmigt werden können und deshalb rückgebaut werden müssen“, erklärt Susanne Dietterle, Sprecherin der Behörde. Näher will sie nicht darauf eingehen, mit Hinweis auf das laufende Verfahren.

Inzwischen wurde nachgebessert

Die selbstgezimmerte Terrasse war auf sogenannter „nicht bebaubarer Fläche“ im Gewässerrandstreifen erstellt worden. Und das Besucherzelt versperrte offenbar dem vom Regierungspräsidium beauftragten Mähtraktor den Zugang zum Ufer.

Beide Einrichtungen seien inzwischen weggerückt worden, sagt Janis-Ann Heger. Die Terrasse solle eine flexible Schallschutzwand erhalten. Der Abluft wegen ist schon vergangenes Jahr ein Kamin gebaut worden, dessen Wirksamkeit die Anlieger in der Kocherstraße jedoch anzweifeln.

Wie geht es jetzt weiter? Familie Heger hat einen neuen Architekten, der neue Pläne fertigt. „Die sollten dann bei der Gemeinde Abtsgmünd eingereicht werden, damit sich der Technische Ausschuss des Gemeinderates damit befassen kann“, sagt Annegret Glombik, die Leiterin des Baurechtsamtes der Gemeinde. Genehmigungsbehörde sei allerdings das Landratsamt, fügt sie hinzu.

„Es ist uns sehr wichtig, dass die Gemeinde mitspricht“, betont Janis-Ann Heger. Und auch mit den Nachbarn strebe man ein gutes Verhältnis an. Schließlich bedeute die „Fleischeslust“ die wirtschaftliche Existenz ihrer Familie. Und die soll nachhaltig sein.

Mit gewissem Respekt könnten wir gemeinsam leben.“

Anwohner der Kocherstraße

Gewässerrandstreifen

Abtsgmünd.Gewässerrandstreifen sind dazu da, ökologische Funktionen oberirdischer Gewässer zu verbessern. Sie helfen dabei, Wasser zu speichern, den Wasserabfluss zu sichern oder Giftstoffe aus Äckern, Weinbergen und Obstanlagen zu verringern (Paragraf 38 Wasserhaushaltsgesetz), erklärt der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) auf seiner Internetseite. Die geschützten Randstreifen sind in Baden-Württemberg außerhalb von Dörfern und Städten zehn Meter und innerorts fünf Meter breit. Neu ist: Das Wassergesetz regelt auch die innerörtlichen Randstreifen; diese sind nicht mehr dem guten Willen der Gemeinden überlassen. mam

Zurück zur Übersicht: Abtsgmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL