Wie Festivals in der Pandemie stattfinden könnten

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Unbeschwert und ausgelassen war die Stimmung beim vorerst letzten Summer-Breeze vor Corona, im August 2019. Im vergangenen Jahr musste das weltweit bekannte Metal-Festival coronabedingt erstmals abgesagt werden. Archivfoto: BW
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Die Summer-Breeze-Veranstalter haben mit wissenschaftlicher Begleitung ein Konzept erarbeitet. Seit Dienstag liegt es der Politik vor.

Abtsgmünd

Es könnte der Durchbruch sein für die Veranstaltungsbranche, die aktuell zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie zählt: Seit Dienstag liegt der Bundespolitik ein Konzept vor, eine Strategie, die selbst große Festivals unter Pandemiebedingungen ermöglichen könnte.

Wer das Konzept erarbeitet hat: Maßgeblich hinter diesem Konzept steht der Abtsgmünder Summer-Breeze-Veranstalter Achim Ostertag. Dessen Firma Silverdust hat einen über 100-seitigen Entwurf in enger wissenschaftlicher Begleitung mit der Hochschule Aalen, der Universität Trier, der Universität der Bundeswehr und dem Bayerischen Roten Kreuz erarbeitet. Mit im Boot waren laut Ostertag zudem Juristen und Fachleute aus der Veranstaltungsbranche.

Die Entscheider: „Wir haben das Konzept bereits nach Berlin gesendet, zudem an 50 Landes- und Bundespolitiker, auch an kommunale Behörden und Ämter.“ Auch Ostalb-Landrat Dr. Joachim Bläse habe ein Exemplar auf dem Tisch, berichtet der Veranstalter des weltweit bekannten Metal-Festivals bei Dinkelsbühl. Das Konzept habe den Anspruch, der gesamten Veranstaltungsbranche als Orientierungshilfe zu dienen, „für eine kontrollierbare und sichere Durchführungen großer Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen“.

Inhalt des Konzepts: Kern des Konzepts ist eine Strategie aus Hygienemaßnahmen und engmaschigen Tests bei der Anreise der Besucher, während des Festivals und bei der Abreise. Eine „hohe Zuverlässigkeit“ der Testungen soll durch geschultes Fachpersonal garantiert sein. Zudem werden die Tickets der Festivalbesucher personalisiert. Wichtige Informationen, wie zum Beispiel Testergebnisse, sollen durch einen Chip, der am Armbändchen getragen wird, dem jeweiligen Besucher zugeordnet werden.

Die Rahmenbedingungen: Sinkende Infektionszahlen seien freilich die allererste Voraussetzung, um über die Veranstaltung eines Festivals nachdenken zu können, betont Ostertag. Die Organisatoren von Summer-Breeze gehen davon aus, dass die Inzidenz bis August deutlich sinken wird. Und dass bis dahin die große Mehrheit der Bevölkerung geimpft sein wird. „Das Konzept ist dynamisch ausgelegt, so dass man rasch auf die entsprechende Pandemielage und neue wissenschaftliche Erkenntnisse reagieren kann“, meint Ostertag.

Den Festivaltermin vor Augen: Noch 116 Tage bis zu Summer Breeze 2021. Auf der Homepage der Veranstalter läuft der Countdown bereits. Vom 18. bis 21. August soll das Festival traditionell auf dem Flugplatz des Aeroclubs in Dinkelsbühl stattfinden. Und das mit rund 40 000 Besucherinnen und Besuchern täglich, so wie beim letzten Festival vor Corona, im Jahr 2019. „Unser Konzept ist auf Volllast ausgelegt“, bestätigt Ostertag. Das Veranstaltungsgelände habe man etwas weitläufiger geplant, um Engstellen zu vermeiden.

Was Hoffnung macht: Die Summer-Breeze-Veranstalter hatten sich auf ihrer Website in einer Umfrage danach erkundigt, ob die Festivalbesucher generell bereit wären, die Maßnahmen des Konzepts mitzutragen. Ostertag: „Rund 90 Prozent der 17 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wären mit der Strategie einverstanden, um wieder ein Festival besuchen zu können.“ Und: Über 80 Prozent der Umfrage-Teilnehmer im Alter unter 40 Jahren wären zudem bereit, sich rechtzeitig vor dem Festival impfen zu lassen, sofern die Summer-Breeze-Veranstalter für sie bei der Politik Impftermine organisieren können. Ostertag: „Das zeigt, dass die Aussicht auf einen Festival-Besuch zugleich die Impfbereitschaft ankurbeln kann.“

Wie es jetzt weitergeht: „Jetzt sind wir gespannt, wie unser Konzept auf politischer Ebene diskutiert wird“, sagt Ostertag. „Und zu welchem Ergebnis die Politik dann kommt.“

Konzept wurde mitfinanziert von der Bundesregierung

Unterstützung der Bundesregierung: Im Rahmen des Konjunkturprogramms „Neustart Kultur“ der Bundesregierung profitiert Achim Ostertags Firma „Silverdust“ von einer finanziellen Förderung des Bundes. Die Firma hatte sich im vergangenen Jahr erfolgreich mit ihrem Projekt beworben, ein Konzept für Großveranstaltungen unter Pandemiebedingungen zu erarbeiten.

Umsatzeinbruch: Die coronabedingte Absage des dreieinhalbtägigen Summer-Breeze-Festivals 2020 bedeutete laut Veranstalter Achim Ostertag für seine Silverdust GmbH einen Umsatzeinbruch von über 95 Prozent.

Das Konzept zum Nachlesen gibt es im Internet unter dem Link: https://www.summer-breeze.de/wp-content/uploads/2021/04/19/Infektionsschutzkonzept_SUMMER-BREEZE-OPEN-AIR.pdf

Unser

Achim Ostertag,, Festivalveranstalter
Achim Ostertag Archivfoto: hag

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