Ältestes Gewässer im neuen Seenland

  • Weitere
    schließen
+
Auf dem Staudamm des Dennenloher Sees. Er ist der kleineste und älteste im "Neuen Fränkischen Seenland". Bildmitte hinten: Wohnmobile auf dem Campingplatz, wo es einen kleinen Sandstrand und ein Restaurant gibt.

Auf dem Weg nach Dennenlohe bei Wassertrüdingen, vorbei am Schloss zum kleinen Stausee. Und ein Abstecher zum Hesselberg.

Aalen

Es soll ins Fränkische Seenland gehen. Jedoch nicht zum Altmühl- und den beiden Brombachseen, die den Pegelstand des Main-Donau-Kanals absichern. Nein, der Dennenloher Stausee ist gewissermaßen der "alte" im sogenannten Neuen Fränkischen Seenland. Er liegt ziemlich genau zehn Kilometer südwestlich von Gunzenhausen bzw. des Altmühlsees. Weitere zehn Kilometer wären es Richtung Osten zu den Brombachseen.

Der Dennenloher See ist dabei nicht nur der älteste, sondern auch der kleinste. Mit seinen 20 Hektar Wasserfläche liegt er auf 444 Metern Meereshöhe, eingebettet in ein großes Waldgebiet der Heide. Nur ein paar hundert Meter entfernt vom Schloss Dennenlohe mit seinem Rhododendronpark – aber dazu später.

Die Tour startet in Aalen und zunächst nimmt der Reporter schnellen Asphalt unter die Räder. Er düst über die B 29 nach Lauchheim, zweigt dann ab nach Lippach und landet auf der frisch sanierten Kreisstraße 3203, die ihn zur Landesstraße 1060 bringt, um bis nach Zöbingen zu flitzen. Jetzt ist er in einer Gegend, die Politiker gern als das "flache Land" bezeichnen. Vor allem deshalb, weil dort die Verbindungen des öffentlichen Personennahverkehrs nicht so dolle sind. Aber zum Glück muss man das "flach" nicht wörtlich nehmen und so führt die Berg- und Talbahn der Straße unterhaltsam nach Unterschneidheim und von dort nach Nordhausen und Geislingen.

Umleitung über Schotterpiste

Jetzt sind wir gewissermaßen im Zonenrandgebiet des Ostalbkreises. Alles sieht hübsch ländlich und idyllisch aus. An der Kapelle lenkt der Motorradfahrer nach links und tuckert über ein schmales, auf sechs Tonnen lastbeschränktes Asphaltband in Richtung des Weilers Ellrichsbronn, kurz vor der Grenze zu Bayern.

Dort verkündet ein Schild, man solle nicht weiterfahren, denn die Ortsdurchfahrt von Raustetten sei wegen Bauarbeiten gesperrt. Der Reporter wagt es trotzdem, und findet dort, wie erhofft, eine örtliche Umleitung. Hm, die ist mittelgrob geschottert. Nicht jedermanns Sache zwar, aber für den erfahrenen Schotterpistenfahrer und die GS 850 mit ihren Twinduro-Reifen ist es ein Klacks.

Man trifft bald darauf im rechten Winkel auf die B 25, schlägt einen Rechts-Links-Haken und findet sich in Fremdingen, holpert über das Bahngleis der Strecke Nördlingen - Dinkelsbühl, lenkt scharf rechts und befährt die Staatsstraße 2214 bis nach Oettingen. Bemerkenswert: Sogar dem geringsten Dörflein haben die bayerischen Straßenbauer eine Ortsumfahrung spendiert.

Schlosspark größer als der See

Von Oettingen aus kurz auf die B 466, um gleich links einzubiegen und die Staatsstraße 2221 nach Wassertrüdingen zu nehmen. Dort fährt überraschend viel Schwerverkehr. Mautausweichler, denkt der Reporter. Zumal die Straße großzügig ausgebaut ist. In Wassertrüdingen folgt man der St. 2221 in Richtung Ansbach, vorbei an Unterschwaningen und biegt schließlich ab nach Dennenlohe.

Auf dem Weg zum Stausee passiert man das Schloss Dennenlohe. Für den Reporter ein Zufallsfund – wahrscheinlich deshalb, weil er es nicht so mit Blühpflanzen hat. Er gilt eher als Liebhaber von Trockengestecken. Doch Scherz beiseite. Der Park des zwischen 1734 und 1750 erbauten Schlosses, das in Privatbesitz ist, ist zu bestimmten Zeiten öffentlich zugänglich. Mit seinen 25 Hektar (größer als der benachbarte See!) stellt er den größten Rhododendronpark Süddeutschlands dar, in drei verschiedenen Parkteilen. Dort blühen auch über 15 000 Rosen, Lupinen, Seerosen und Stauden, verkündet die Internetseite des Schlosses (weitere Info im Internet).

Angler mit kritischen Blicken

Noch ein paar hundert Meter weiter und man erreicht den See. 73 Kilometer stehen auf dem in Aalen auf null gesetzten Tageskilometerzähler. Der Reporter tuckert zunächst im zweiten Gang mit vielleicht 30 km/h am See entlang. Angler sitzen am Ufer und werfen ihm kritische Blicke zu. Sie haben die meisten der Zugänge zum Wasser besetzt, die durch den schmalen Schilfstreifen führen. Einen Badestrand gibt's beim Campingplatz. Den steuert der Tuckertourist jetzt an, nachdem er kurz vor dem Dorf Lellenfeld kehrt gemacht hat. Dazu muss er erneut die Angler passieren.

Der öffentlich zugängliche Badestrand ist mit Sand aufgeschüttet und sogar für kleine Kinder geeignet. Der eher bescheiden dimensionierte Campingplatz hat einige Wohnmobilstellplätze, Zeltplätze auch für Gruppen und ein kleines Restaurant, "Lillis bunte Küche". Im Angebot Pizza, Pasta, aber auch Schnitzel und Co. Die Speisekarte und weitere Informationen zum Campingplatz sowie zum See stehen im Internet.

Aufbruch zum etwa 17 Kilometer entfernten Hesselberg. Der Reporter wählt von Unterschwaningen aus den Schlenker über Lentersheim und Röckingen. Das macht mehr Spaß, als auf den Staatsstraßen mit Lkws zu konkurrieren. Dann doch

auf der St 2218 nach Gerolfingen und die drei Kilometer lange Stichstraße hoch zum Hesselberg. Der höchste Berg Mittelfrankens, ein 689 Meter hoher Brocken Juragesteins, trägt einen markant weiß-roten Sendemasten auf dem Scheitel. In seine Flanke gebaut ist das evangelische Bildungszentrum, das von der Stichstraße tangiert wird. Im Landschaftsschutzgebiet gedeihen seltene Pflanzenarten, in ihrem Bestand gefährdete Tierarten leben dort. Von oben aus hat man bei geeignetem Wetter einen herrlichen Blick in die Landschaft, zumal der Gipfel 245 Meter höher liegt als der Wasserspiegel des Dennenloher Sees. Wanderwege ziehen sich durch die Landschaft. Viele Paraglider starten von oben, wenn die Thermik es zulässt. Einen Kiosk hat es auch, der jedoch nur Samstag (13 bis 18 Uhr) und Sonntag (12.30 bis 18 Uhr) geöffnet hat.

Wenn der Radfahrer überholt

Kommentar eines Besuchers im Internet: "Unter der Woche, wenn wenig Leute und Amok-Radler unterwegs sind, ein schönes Ausflugsziel." Die Stichstraße ist breit und glatt, aber man darf nur 50 km/h fahren. Dürfte. Denn den Rennradler, der den Reporter auf dem Weg abwärts überholt, kümmert das nicht. Der Motorradfahrer hängt sich hinter ihn. 80 km/h stehen auf dem Tacho, als der Kamikaze-Radler vor ihm durch die Kurven fegt.

Dann steht der Nachhauseweg an. Von Gerolfingen aus knattert der Reporter über Wittelshofen und Weiltingen nach Wilburgstetten und von dort nach Mönchsroth. Jetzt muss es wieder mal die Strecke nach Tannhausen sein, denn die Passage nach dem Weiler Eck am Berg, wenn die Kreisstraße 3211 in Kurven den Hang erklimmt, ist einfach zu spannend, um sie links liegen zu lassen. Dann geht es auf wieder flottem Asphalt über Riepach, Pfahlheim und Röhlingen zurück. Der Tageskilometerzähler zeigt die Zahl 151.

Weitere Informationen im Internet: See: www.dennenlohersee.de Schloss: www.dennenlohe.de Hesselberg: www.hesselberg.de

Auf dem Staudamm des Dennenloher Sees. Er ist der kleineste und älteste im "Neuen Fränkischen Seenland". Bildmitte hinten: Wohnmobile auf dem Campingplatz, wo es einen kleinen Sandstrand und ein Restaurant gibt.
Ein Paraglider wartet auf dem Hesselberg auf Thermik. Eine tolle Aussicht hat er erst mal schon.
Ehemaliges Pförtnerhaus des Schlosses Dennenlohe mit seinem Rhododendronpark.
Der Reporter vor seiner BMW R 850 GS.

Zurück zur Übersicht: Kochertal

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL