Gehen beim Hochwasserschutz plötzlich Türen auf?

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Gewässerschau im Schlierbachtal: Beim Thema Hochwasserschutz gerät Günter Ensle (Mitte mit Schirm) mit Elvira Kosak vom Landratsamt (ganz links) aneinander.
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Am Schlierbach in Niederalfingen sucht die Gemeinde händeringend nach Lösungen.

Hüttlingen-Niederalfingen. Eine ganz gewöhnliche Gewässerschau am Schlierbach war angekündigt, wie sie eigentlich alle fünf Jahre stattfinden soll. "Von einer Diskussionsrunde zum Hochwasserschutz war nicht die Rede", stellt Bürgermeister Günter Ensle fest. Doch um ihn herum haben sich oben am Schlierbach schon 20 bis 30 Bürgerinnen und Bürger versammelt, denen es ausschließlich um den Hochwasserschutz geht.

Knapp fünf Jahre ist es her, seitdem ein Starkregen über der Ostalb die Flüsse plötzlich und gewaltig anschwellen ließ. Der Schlierbach war damals zum reißenden Fluss geworden, reihenweise liefen Keller voll und etliche Bürger blieben auf ihren Schäden sitzen.

Der Bürgermeister muss sich jetzt vorwerfen lassen, er habe nach der Flutkatastrophe nichts unternommen. Jedenfalls sind die einzigen Investitionen in den Hochwasserschutz seitdem von Privatpersonen getätigt worden, die ihre Grundstücke auf eigene Faust absicherten.

Günter Ensle erklärt den Sachstand: Für die geplante 80 Zentimeter hohe Schutzmauer oberhalb des Freibads sei der Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung gestellt. Das Landratsamt, das darüber entscheidet, habe mitgeteilt dass die Unterlagen jetzt öffentlich ausliegen, im Rathaus Hüttlingen und beim Amt für Wasserwirtschaft in Ellwangen.

"Jeder kann und jeder soll seine Einwände vorbringen", fordert Ensle auf. Es wird deutlich: auch er ist mit dieser "Minimallösung" unzufrieden.

Die größere Rückhaltung war bereits in mehreren Varianten geplant. Eine richtige Staumauer am Freibad, die ein 100-jähriges Hochwasser (HQ100) hätte aufnehmen können, scheiterte, weil das Land die Förderung verweigerte. Die Kosten, rund drei Millionen Euro wären höher gewesen als der Schaden, den ein HQ100 anrichtet.

Für die anderen Varianten, eine Hochwasserrückhaltung durch Staubauten im rückwärtigen Bereich des Schlierbachtals, sei von der unteren Naturschutzbehöre eine Genehmigung als unmöglich beschieden worden. "Wegen Biotop, FFH-Gebiet, Artenschutz, sagen sie es selber Frau Kosak", übergibt der Bürgermeister der Expertin vom Landratsamt das Wort.

"Wir waren mit der Untersuchung noch gar nicht fertig, man hätte das detaillierter betrachten müssen", sagt sie und plötzlich spitzen alle Umstehenden die Ohren. "Freilich ist das ein hochsensibles Gebiet. Deshalb muss jeder Eingriff gründlich geprüft werden. Die Gutachter hätten eben nachliefern müssen. Aber dann wurden die Planungen ja gestoppt", sagt Elvira Kosak.

Da wird der Bürgermeister plötzlich emotional: "Aber von ihnen kam doch die Aussage, dass sie von Eingriffen im rückwärtigen Bereich des Schlierbachtals dringend abraten. Sie können doch jetzt nicht auf einmal gegenteilige Aussagen treffen. Das Rathaus sucht seit fünf Jahren nach einer Lösung und sie sagen jetzt hier einfach so, man hätte das eben detaillierter betrachten müssen?"

Es wird deutlich, welcher Druck sich mittlerweile beim Thema Hochwasserschutz aufgebaut hat. Jetzt melden sich die Bürgerinnen und Bürger zu Wort. "Es kann doch nicht sein, dass da in der Gemeinde Neuler immer mehr Flächen versiegelt werden und bei uns in Niederalfingen laufen die Keller voll", sagt ein älterer Herr und will wissen, ob die Gemeinde Hüttlingen eigentlich kein Einspruchsrecht habe, wenn im Einzugsbereich des Schlierbachs ein Baugebiet nach dem anderen erschlossen wird.

"Wenn sich der Bebauungsplan an die rechtlichen Grundlagen hält, ist er genehmigungsfähig. Es werden ja auch Zisternen vorgeschrieben", sagt Ensle. "Aber die werden doch nicht kontrolliert. Da macht jeder im Sommer einen Stopfer rein und wenn Gewitter kommt, läuft alles durch", sagt der Mann.

So geht es weiter, während sich die Gesellschaft bachabwärts bewegt und Michael Deininger vom Geschäftsbereich Wasserwirtschaft am Landratsamt kritische Punkte notiert. Holzstapel am Bachufer etwa, die ein Hochwasser mitreißen könnte.

An der Mündung teilt Ensle mit: "Ich werde mit dem Landratsamt in Kontakt treten und eine klare Stellungnahme in dieser Sache einfordern."

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