Hüttlingerin hilft, Streunerkatzen aufzupäppeln

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Streuner Maxi wurde von Corinna Schwarz aufgepäppelt und an neue Besitzer vermittelt.
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Die Hüttlingerin Corinna Schwarzer setzt sich mit vielen anderen für den Schutz von Streunerkatzen ein. Nötig sei eine Kastrationspflicht, meint sie.

Hüttlingen

Bereits seit sechs Jahren engagiert sich Corinna Schwarzer für sogenannte „Streunerkatzen“, Katzen, die ohne festen Besitzer in der Region unterwegs sind. Und in jeder Phase des Gesprächs spürt man, wie sehr sie das Schicksal der Tiere berührt.

Denn immer mehr Katzen sind frei unterwegs, und das oft krank. „Viele Katzen verenden elend, wenn sie nicht zufällig gefunden und versorgt und aufgepäppelt werden“, ergänzt Corinna Schwarzer. Und fügt an: „Es gibt eine Reihe Pflegestellen, aber im abgelaufenen Jahr waren es so viele Katzen, dass die Stellen an ihre Grenzen stoßen und keine Katzen mehr aufnehmen konnten.“ So seien es fast doppelt so viele Kitten, also frisch geworfene Jungtiere, gewesen wie 2019.

Corinna Schwarzer selbst unterstützt Pflegestellen der Organisationen „Samtpfoten e.V.“ und „Katze und Mensch e.V.“ in der Region, indem sie Spenden von Menschen auf deren Meldung hin abholt und dorthin transportiert, und hilft, aufgepäppelte und sozialisierte Tiere an neue Besitzer zu vermitteln.

„Die Pflegestellen und Organisationen, ebenso Tierheime, brauchen Spenden wie Handtücher, Einmalunterlagen oder Futter, Katzenstreu und Medikamente für die Katzen, aber auch Geld für Behandlungen beim Tierarzt, denn vieles bezahlen die Helfer aus eigener Tasche“, ergänzt Schwarzer. In ihrer Familie sind übrigens in Ares und Diego zwei einst aufgefundene Kater bestens integriert.

Zu dem Engagement gekommen ist die frühere Jugend-Fußballtrainerin über ihre Freundin Kathrin Ulbricht, die vor einigen Jahren eine Wohnung im gleichen Haus bezogen hat. „Sie kam eines Tages mit einem Wurf Kitten nach Hause, da hab ich sie beim Pflegen unterstützt“, erzählt sie.

Ulbricht ist Gruppenleiterin für den Raum Aalen/Ellwangen beim „Freundeskreis Katze und Mensch“. Dieser organisierte ursprünglich unter seinen Mitgliedern die Versorgung von Katzen, wenn die Besitzer beispielsweise in Urlaub wollten, später kamen „der Schutz und die Versorgung von Fundkatzen“ dazu. Auch Corinna Schwarzers Mann, die Söhne und deren Freundinnen kümmern sich in ihrer Freizeit um Katzen in Ulbrichts Wohnung, wenn sie tagsüber arbeitet.

Viele der aufgefundenen Kitten und auch größeren Tiere seien krank, seien beispielsweise geplagt von Würmern, den Darmparasiten Giardien, Durchfall oder Katzenschnupfen. Letzterer befällt auch die Augen, weshalb die Tiere letztlich teilweise blind seien. Zudem sind sie vielfältig unterernährt. Die Pfleger versuchen die Tiere vor allem wieder zu sozialisieren, das heißt an Menschen und eine häusliche Umgebung zu gewöhnen, was oft nicht funktioniere, und die Tiere gesund zu bekommen.

„Dann braucht es Futterstellen bei Privatleuten. Denn die Streuner sind auf Menschen angewiesen, stammen sie doch alle von Hauskatzen ab“, betont Corinna Schwarzer. Aber manche Gemeinden würden diese Stellen verbieten, was „kontraproduktiv ist, kann man doch hier kranke Tiere und ,neue' Katzen finden und kastrieren“.

Das Versorgen der kleinen Kitten sei aber auch eine immense psychische Belastung für die in den Pflegestellen Tätigen. Die Kleinen brauchten viel Zuwendung, müssten vor allem anfangs in kurzen Abständen gefüttert werden – und doch würden eben auch einige nicht überleben. „Das ergibt beiderseits intensive Beziehungen“, ergänzt Schwarzer. Auch eine Vermittlung sei einerseits ein freudiges Ereignis, andererseits aber auch durch die Trennung belastend.

Für dringend notwendig hält Corinna Schwarzer die Umsetzung der Kastrations- und Registrierungspflicht, die im 2019 erlassenen Tierschutzgesetz ausdrücklich besteht, um „Leib und Gesundheit der Tiere zu schützen“, wie es darin heißt. Bisher hätten 13 Landesregierungen eine solche Pflicht erlassen und die Umsetzung den Kommunen auferlegt. „Aber diese setzen sie, bis auf wenige Ausnahmen, nicht konsequent durch“, sagt die 44-Jährige. Die Verwaltungen müssten Katzenbesitzer, sowohl Landwirte als auch Privatpersonen, dazu verpflichten, eine Kastration, Kennzeichnung und eine Registrierung vornehmen zu lassen. Jede Katze könne zwei- bis dreimal im Jahr werfen, jeweils drei bis sechs Jungtiere. „Statt diese dann zu töten oder auszusetzen und streunen zu lassen, kann man so Tierschutz leben und trotzdem Nutzen haben“, ergänzt sie. „Denn auch kastrierte Katzen fangen – entgegen einer weit verbreiteten Meinung - beispielsweise Mäuse“, erklärt Corinna Schwarzer.

Wichtig ist der Hüttlingerin, dass mehr Menschen sich dieser Probleme bewusst werden, dass mehr gespendet wird und mehr Pflegestellen und auch Futterstellen entstehen.

Ansprechpartner Folgende Organisationen sind in der Region mit Pflegestellen vertreten und im Internet zu finden: „Samtpfoten Ries“ (Nördlingen), „Freundeskreis Katze und Mensch“, „Hände helfen Pfoten“.

Viele Katzen verenden elend, wenn sie nicht zufällig gefunden und versorgt und aufgepäppelt werden.“

Corinna Schwarzer, Tierschützerin

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