Kleider, Nudeln und Klopapier

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Alexander Horlacher, Bürgermeister Günter Ensle und Rainer Horlacher (von rechts) durchschneiden symbolisch das Band aus Klopapier zur Eröffnung des Hüttlinger Super-Mode-Markts.
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Wie ein Hüttlinger Modegeschäft aus der Not eine Tugend macht und was dessen Inhaber Rainer Horlacher damit gleichzeitig anprangern möchte.

Hüttlingen

Surreal mutet die Szenerie an: Zwischen der Bekleidung finden sich, optisch einladend präsentiert, Klopapier, Nudeln und Hygieneartikel. Im Hüttlinger Modegeschäft HotJeans und den dazugehörigen Geschäften für Kinder- und Herrenmode kann ab sofort auch im Lockdown ganz regulär und ohne Termin eingekauft werden. Aber ganz normal ist das Einkaufserlebnis nicht.

"Wir sind garantiert keine Corona-Leugner oder Querdenker", stellt Rainer Horlacher eingangs klar. "Aber wir kämpfen ums Überleben. Und es ist geradezu schizophren, dass die großen Discounter und Einkaufszentren Bekleidung, Bücher oder Spielwaren verkaufen dürfen und wir kleinen Läden müssen schließen."

Dabei sei der Einzelhandel definitiv kein Pandemietreiber, hält Horlacher fest. "Und für unsere Leidensgenossen aus der Gastronomie gilt dasselbe."

Sein neues Verkaufskonzept sei hingegen mit der aktuellen Coronaverordnung vereinbar. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und auch alles von Anwälten prüfen lassen. Und frühzeitig die öffentliche Verwaltung mit ins Boot geholt."

Verwaltung gibt grünes Licht

Hüttlingens Bürgermeister Günter Ensle bestätigt dies: "Wir wurden als Ortspolizeibehörde schon vor Wochen kontaktiert. Auch mit dem Landratsamt ist alles abgestimmt." Er unterstützt Horlachers Ideen. "Der Igel ist das Wappentier der Hüttlinger. An sich friedlich, aber wenn es angegriffen wird, zeigt er die Stacheln."

Wir kämpfen ums Überleben.

Rainer Horlacher Geschäftsführer

Warum darf Horlacher nun öffnen? "Die Corona-Verordnung erlaubt den Verkauf von Aktionsware, wenn 60 Prozent der Verkaufsfläche mit systemrelevanter Ware bestückt ist." Dies hat Horlacher nun mit seiner Familie und den Mitarbeitern umgesetzt. "Wir haben die Geschäfte vermessen und bieten nun auf genau 60 Prozent der Fläche die Waren an, die in Deutschland im vergangenen Jahr am meisten gekauft wurden: Nudeln, Klopapier und Hygieneartikel."

Zudem habe Horlacher den Gesellschaftervertrag abgeändert und bei den Behörden die Sortimentsänderung angemeldet, damit auch rechtlich alles wasserdicht sei.

Geschäftszweck geändert

Aus dem Bekleidungsgeschäft ist nun ganz offiziell ein Drogerie- und Kolonialwarengeschäft geworden. Die Bekleidung bietet er entsprechend auf den verbleibenden 40 Prozent der Fläche an, als reduzierte Saison- und Aktionsware.

Für seine Ellwanger Filiale behält sich Horlacher ein ähnliches Vorgehen noch vor, wenn sein Konzept in Hüttlingen gut angenommen wird. Bei allem Galgenhumor hält Horlacher zudem fest: "Ständige Lockdowns sind nicht der richtige Weg. Wir fordern die Politik auf, uns Familienunternehmen eine Überlebenschance zu geben."

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