Lebensretter für den „Lurchi“

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Die beiden „Findlinge“: Zwei ausgewachsene Feuersalamander mit ihrer auffällig schwarz-gelben Zeichnung.

In der Hüttlinger Limesstraße sind seltene, streng geschützte Feuersalamander gefunden worden. Wie sie erfolgreich überwintert wurden und sich vermehren.

Hüttlingen

Es ist eine kleine Sensation: Mitten in einem Hüttlinger Wohngebiet in der Limesstraße leben seltene, streng geschützte Feuersalamander. Die auffällig gelb gefleckten Amphibien ein sind gewissermaßen natürliche Vertreter der „Lurchi“-Figur, mit der die Firma „Salamander“ früher für ihre Kinderschuhe warb.

Aber wie kam das seltene Tier dorthin? Die Antwort ist: Es war schon da, bevor seine Heimat zum Baugebiet geworden ist. Häuser in der Limesstraße im Westen Hüttlingens sind etwa ab 1970 gebaut worden, die letzten vor etwa 15 Jahren.

Naturschützer Thomas Mönnig erzählt, Mitte November 2020 habe ihm die Familie Wiedemann berichtet, im Lichtschacht eines Kellerraums sei ein Feuersalamander. Zuerst habe er das nicht glauben wollen. Zunächst habe er an einen Bergmolch gedacht, der allgemein noch recht häufig ist. Bei der Ortsbesichtigung dann aber gab es keine Zweifel mehr: Es war ein Feuersalamander.

In den Schacht gefallen

Die Nachricht sei gerade noch rechtzeitig gekommen, denn das Tier drohte auszutrocknen. Bei genauer Untersuchung kam noch ein zweiter, etwas kleinerer Salamander zum Vorschein. Die beiden Salamander waren wohl auf der Suche nach einer Überwinterungsstelle in den Schacht gefallen, vermutet Mönnig.

Mit Einverständnis der Finderin, Sabine Wiedemann, wurde dann der fragliche Lichtschacht zu einem Überwinterungs-Terrarium umgestaltet. Mit einer Wasserschale, Steinplatten mit Zwischenräumen, dazu feuchtes Moos und Wurzelstücke. Bis im Dezember seien die Feuersalamander in der naturnahen Einrichtung immer wieder mal gesehen worden.

Nachwuchs im Anmarsch

„Ende März erhielt ich dann einen Anruf, dass Baby-Salamander in der Wasserschale seien“, erinnert sich Thomas Mönnig. Einen Tag später waren es bereits über 28 Salamander-Larven. Sabine Wiedemann konnte selbst den Laichvorgang abends im Schein der Taschenlampe verfolgen. Ein paar Tage danach kam der Hinweis, dass sich an einer der beiden Wasserstelle im Garten, die von einem Rinnsal gespeist werden, ein weiterer erwachsener Salamander aufhalte. Am Grund der runden, in den Boden eingelassenen Betonringe, sah man diverse Feuersalamander-Larven.

Zurück in die Natur

Hier befindet sich nun die Kinderstube der Salamander von der Limesstraße in Hüttlingen. Und das fernab von jeglichem natürlichen Umfeld.

Nun war auch die Zeit gekommen, die beiden überwinterten Findlinge in die Natur zurückzusetzen. Doch die Tiere so einfach auf der Wiese auszusetzen, sei nicht in Frage gekommen. Deshalb wurde nahe der Wasserstelle ein kleiner Lebensraum und Rückzugsort für die Salamander angelegt.

Eine Erdvertiefung wurde mit Steinplatten aufgeschichtet, darauf mit Wurzelholz und Moos versehen. Mit dem Erdaushub hat Thomas Mönnig die vom Wasser abgewandte Seite angefüllt. In den Abendstunden wurden die Gast-Salamander an dieser Stelle freigelassen, die Salamander sind dämmerungsaktiv.

Auch die Nachzucht vom Kellerschacht wurden in die beiden Schachtringe umgesetzt. Der Mini-Bach, an der Grundstücksgrenze verlaufend, hat eine gute Wasserqualität, wie man an den Bachflohkrebsen erkennen kann.

Bis Mitte Mai müssen noch weitere laichreife Salamanderweibchen die im Boden versenkten Schachtringe aufgesucht haben. Zu erkennen an der großen Anzahl von etwa 90 abgesetzter Larven, berichtet der Naturschützer.

Rettungsaktion

Die kleinen „Lurchis“ waren Gegenstand einer ausgeklügelten Rettungsaktion. Denn nach längerem Regen wurden immer wieder ein Teil der etwa drei Zentimeter langen graubraunen Larven über den Rand geschwemmt. Am weiteren Bachlauf wurden kleine Dämme errichtet. Dort konnten die abtrünnigen Larven wieder eingefangen und zurückgesetzt werden. Ohne dieser Hilfsdämme wären sie in der Kanalisation auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Im März waren dann Baby-Salamander in der Wasserschale.“

Thomas Mönnig, Tierschützer

Wie kommt der Feuersalamander in das Gebiet der Limesstraße?

An der Hochfläche, obere Sulzdorfer Straße, Neubaugebiet Hochfeld, zieht sich eine lange Abbruchkante bis nach Niederalfingen und weiter ins Kochertal. Diese geologische Bruchkante weist einige kleine Quellbäche auf, die zum Teil nur als nasse Bodenflächen erkennbar sind. Das steil abfallende Gelände ist durch seine Vegetation mit den hohen Baumbewuchs und seinen Aronstabgewächsen gekennzeichnet. Hier schließen sich von oben gesehen, Kleingartenanlagen und dann die Grundstücke der Anlieger von der Limesstraße und dem Keltenweg an. Durch die baulichen Veränderungen und wegen der veränderten Flächennutzung wurde der seltene Feuersalamander zurückgedrängt. Dass der Feuersalamander überhaupt noch hier in diesem Bereich existiert, liegt an der Langlebigkeit der Lurche und dem künstlich gestauten Quellwasser im Grundstück. mam

Das ist der Feuersalamander

Feuersalamander sind sehr selten geworden, stehen unter Naturschutz. Sie werden etwa 20 Zentimeter lang, haben schwarz-gelbe Zeichnung. Diese Warnfarbe dient zur Abschreckung vor Fressfeinden. Die Schwanzlurche können Gift absondern. Sie erreichen ein Lebensalter von weit über 20 Jahre. Sie leben in feuchten Laubwäldern mit Quellbächen und sind dämmerungs- und nachtaktiv.

Aussterben. Sie kommen nur einmal im Jahr an kleine Quelltümpel zur Absetzung der Larven. Es werden ca. 15 bis 30 Larven geboren. Der Feuersalamander ist recht langsam in seinen Bewegungen. Das bevorzugte Futter sind Schnecken, Würmer, Asseln, Spinnen und Käfer. Nasskaltes Wetter ist dem Feuersalamander lieber als warme und trockene Tage. Die Salamander waren vor vielen Jahrzehnten in den entsprechenden Lebensräumen häufig zu finden. Durch Straßenverkehr, Biotopvernichtung und Vergiftung der Quellbäche,steht diese Salamanderart kurz vor dem Aussterben. mam

Nachwuchs bei „Lurchis“: Feuersalamander-Larven, die Familie Wiedemann gerettet hat.
In diesem Lichtschacht eins Kellerraums ist das Winterquartier.

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