Mauer stößt auf wenig Zustimmung

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Fast vier Jahre nach dem verheerenden Hochwasser in Niederalfingen stocken die Gespräche. Warum die Einwohner des Dorfes sich nicht einig sind.

Hüttlingen-Niederalfingen

Auch nach den Gesprächen von Bürgermeister Günter Ensle und seiner Verwaltung mit vom Hochwasser betroffenen Bürgern, die vor allem entlang der Schlierbachstraße leben, wird dort weiter heftig über mögliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz diskutiert.

Unter anderem hatte ein von der Verwaltung in Auftrag gegebenes Gutachten den Bau einer Mauer entlang der Parkplätze auf der Westseite des Bachs beim Freibad als eine Möglichkeit vorgeschlagen.

Damit könnten Freibad, Sportplatz und die auf der Westseite des Bachs liegenden Ortsteile weitestgehend geschützt werden, auch vor einem sogenannten 100-jährigen Hochwasser. Ein solches hatte zuletzt vor fast vier Jahren, Ende Mai 2016, verheerende Schäden angerichtet.

Nachteil der Lösung: Die direkten Anwohner entlang der Westseite des Bachs im oberen Teil der Schlierbachstraße und die Anwohner auf seiner Ostseite, nach seinem Wechsel durch die Verdolung an der Kreuzung mit der Hürnheimer Straße auf die Westseite, hätten dann bei einem solchen Extremhochwasser mit einem laut Gutachten um sechs bis sieben Zentimeter, teilweise auch mehr, höheren Hochwasser zu rechnen. Also müssten sie entsprechend noch mehr eigene Schutzmaßnahmen - auf eigene Kosten - ergreifen.

Damit zeigt sich eine ganze Reihe von Anwohnern nicht einverstanden. Die Gemeinde selbst zieht verschiedene Schutzmaßnahmen in Erwägung, wie Bürgermeister Ensle betont. "Wir sehen bessere Möglichkeiten, um alle Anwohner zu schützen", sagt Klaus Auchter, Anwohner und Gemeinderat. So könne man bereits im oberen Bereich des Schlierbachs mehrere kleinere Maßnahmen ergreifen, um dort Teile des Wassers eines eventuellen Hochwassers kurzzeitig aufzuhalten und den Durchfluss im Ort geringer zu halten.

Durch die Mauer an den Parkplätzen würde deutlich mehr Wasser Richtung Verdolung fließen, das diese womöglich nicht aufnehmen könne, und es würde sich einen anderen Weg Richtung Rückseite der Grundstücke am unteren Teil der Schlierbachstraße suchen. "Wir wollen kein Sankt-Florians-Prinzip", ergänzt er.

Ins gleiche Horn stößt seine Nachbarin Anneliese Macho. "Wir wollen alle, dass endlich etwas passiert, nur halten wir diese Mauer nicht für geeignet, weil sie die direkten Anwohner eben mehr belastet", sagt sie. Sie verweist auf die Vorschläge einer Gruppe um die Gemeinderatsmitglieder Josef Kowatsch und Arthur Grimm, die eben mehrere solcher Maßnahmen vorgeschlagen hatte. So könnte bereits auf Neulermer Gebiet und dann im weiteren Verlauf mit der Schaffung von mehreren kleineren Stauflächen die Wassermenge des Bachs im Hochwasserfall verringert werden.

Wir sehen bessere Möglichkeiten.

Klaus Auchter Anwohner und Gemeinderat

"Andere haben den Schaden"

Winfried Vogel hatte im unteren Teil der Schlierbachstraße 2016 den Hauptteil des Wassers von der Straße her, nur wenig floss von der Rückseite auf sein Grundstück. "Mein Schaden lag bei rund 80 000 Euro", sagt er. "Wenn das Hochwasser durch die Mauer auch hinter dem Haus verstärkt fließt, kommt es auch von dort ins Gebäude."

Im Gespräch mit der Verwaltung wurde ihm vorgeschlagen, seine im Hauseingang integrierten Garagen zu zumauern und neu höher vors Haus zu bauen. "Das ist absolut nicht praktikabel", sagt er. Er sei bereit, eigene Maßnahmen zu ergreifen, die für ihn finanzierbar seien. Zudem schlägt er vor, dass auch die Gemeinde Neuler am Schlierbach Staumöglichkeiten schaffen müsse. "Denn durch die fortschreitende Versiegelung von Flächen mit den Neubaugebieten dort führt er bei uns zwangsläufig mehr Wasser, das dort nicht mehr versickern kann", ergänzt er.

Eine Mauer an der Rückseite der Grundstücke, wie sie die Gemeinde ins Gespräch gebracht hatte, hält er für schwierig zu verwirklichen, da dort am Beginn und bei Grundstückseinfahrten das Wasser trotzdem auf die Grundstücke fließen könne. "Auch damit werden mehrere Anwohner geschützt, und andere haben den Schaden", sagt er.

Ähnlich äußert sich Thomas Funk, der eben im Greutweg eine Einfahrt zum Grundstück hat. Zusätzlich zu den oben geschilderten Maßnahmen könne man das Bachbett am Freibad verbreitern und dann entlang der Straße ausbaggern, damit es mehr Wasser fasse und die Fließgeschwindigkeit eines Hochwassers verringert werde.

Auch Anwohner Reinhold Hügler spricht sich gegen die Mauer aus, "weil dann einige Anwohner bis ins Neubaugebiet hinein vom Hochwasser mehr betroffen wären". Fazit: Auf die Gemeinde kommen wohl noch einige Diskussionen zu.

Jürgen Eschenhorn

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