Tödlicher Unfall: Verfahren eingestellt

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Nach dem tödlichen Unfall im März 2019 war die Anteilnahme groß. Niederalfinger legten am Unglücksort bei der Bushaltestelle Kerzen und Blumen nieder. Archivfoto: mam
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Der Lastwagenfahrer, der im März 2019 eine Fußgängerin an der Bushaltestelle in Niederalfingen erfasste, muss eine Geldauflage in Höhe von 1000 Euro bezahlen.

Hüttlingen-Niederalfingen

Wegen fahrlässiger Tötung hat sich ein 27-jähriger Lastwagenfahrer vor dem Aalener Amtsgericht verantworten müssen. Im März vergangenen Jahres hatte er an der Bushaltestelle in Niederalfingen eine 47-jährige Fußgängerin erfasst, die bei dem Unfall starb. Sie war aus dem Sichtschatten eines haltenden Busses auf die B19 getreten. Der Lastwagenfahrer hatte sie erst spät gesehen und konnte trotz Bremsen und Ausweichmanöver den Zusammenprall nicht mehr verhindern.

"Die zentrale Frage war, ob der haltende Bus die Warnblinkanlage anhatte oder nicht", fasst Richter Martin Reuff die Verhandlung im Rückblick zusammen. Denn an einem haltenden Bus, der den Warnblinker anhat, dürfen Fahrer nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren, erläutert er. Die Staatsanwaltschaft war zunächst davon ausgegangen, dass der Bus den Warnblinker anhatte. Zeugen – darunter der Busfahrer selbst – hätten aber berichtet, dass der Bus nur den rechten Blinker gesetzte hatte.

Das bedeutet für Vorbeifahrende, dass sie vorsichtig fahren müssen, erläutert Martin Reuff. Was genau in diesem Fall "vorsichtig" bedeutet, sei aber nicht genauer definiert. Am Fahrtenschreiber im Lastwagen sei abzulesen gewesen, dass der Fahrer mit den dort erlaubten 60 Kilometern pro Stunde unterwegs war und vor der Bushaltestelle den Fuß vom Gas genommen hatte. "Er ist Berufskraftfahrer und war zuvor nicht aufgefallen", sagt der Richter. Die Verfassung des 27-Jährigen vor Gericht beschreibt Martin Reuff: "Man hat ihm angesehen, dass es ihm sehr nahegeht." Am Ende stellte das Gericht das Verfahren gegen eine Geldauflage von 1000 Euro vorläufig ein. "Wenn er bezahlt, ist die Sache erledigt", erläutert der Richter. Es gebe keinen Eintrag im Führungszeugnis. Der 27-jährige Berufskraftfahrer fährt auch weiterhin.

Die zentrale Frage war, ob der haltende Bus die Warnblinkanlage anhatte oder nicht.

Martin Reuff Amtsgerichtsdirektor Aalen

Dass die Stelle in Niederalfingen gefährlich ist, war schon früher bekannt. Bereits vor dem Unfall hatte der Gemeinderat Hüttlingen eine Baufirma beauftragt, die Bushaltestelle umzubauen, sodass Fußgänger die B19 nicht mehr überqueren müssen um vom Ort zur Haltestelle oder umgekehrt zu gelangen. Inzwischen sind die Arbeiten abgeschlossen.

Die 47-Jährige hatte Richter Martin Reuff zufolge an jenem Tag im März 2019 gerade ihren sechsjährigen Sohn zum Schulbus gebracht. "Er sollte zum ersten Mal mit dem Bus fahren." Die Kinder im Schulbus erlebten den Unfall mit und mussten anschließend – wie auch der Lastwagenfahrer – notfallseelsorgerisch betreut werden.

Im Ort war die die Anteilnahme nach dem Unfall groß. Viele Niederalfinger legten in der Nähe der Unfallstelle Blumen und Kerzen nieder. Für die Hinterbliebenen wurde Geld gesammelt. Auch den Fahrer sahen viele als Opfer.

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