Wie Sina Lippold Tabus brechen will

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Sina Lippold hat während ihrer Promotion ein Buch geschrieben – ganz nebenher. Zur Zeit arbeitet sie bei einer großen Firma für Medizin- und Pflegeprodukte.
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Die 27-Jährige hat bereits einiges in ihrem Leben erreicht. Zum Beispiel hat sie ein Buch geschrieben – über Herpes. Warum ausgerechnet dieses Thema die junge Frau so fasziniert.

Hüttlingen

Eine verschrobene Wissenschaftlerin ist sie auf keinen Fall. Dennoch hat Sina Lippold mit ihren 27 Jahren bereits mit der Note 1,0 promoviert und ein Buch geschrieben. Thema der Doktorarbeit und ihres Buchdebüts: Herpesviren. Und hört man ihr eine Weile zu, kann man die Begeisterung für dieses Thema, das bei den meisten Menschen Ekel hervorruft, nachvollziehen.

Sina Lippold wächst in Hüttlingen auf, am Kopernikus-Gymnasium Wasseralfingen macht sie 2012 ihr Abitur – mit 1,5. Dann studiert sie in Bayreuth Biochemie. "Naturwissenschaften und Technik waren auch schon in der Schule einfach mein Ding", sagt sie.

Nach ihrem Bachelor arbeitet sie drei Monate in München. "Das war ganz lustig, ich habe die Zeit über im Camper meiner Eltern gewohnt", erinnert sie sich. Nicht nur wegen der Wohnsituation, sondern auch, weil es sie wieder in die Heimat zieht, beginnt sie in Ulm ihr Masterstudium.

Dort kommt sie zufällig mit der Wissenschaft der Herpesviren in Berührung, als sie das Wahlfach Virologie belegt. Und dabei bleibt sie: "An diesem Institut habe ich auch später promoviert." Schnell findet die 27- Jährige Gefallen an dem Thema. Denn: Es gebe nicht nur "das eine" Herpesvirus, sondern insgesamt acht davon. Und: "Diese Viren können sehr gefährlich sein."

Die Begeisterung für das neue Forschungsthema teilt das Umfeld der 27-Jährigen zunächst nicht. "Daheim haben mich alle komisch angeschaut", erzählt sie und schmunzelt. "Die erste Reaktion war oft Ekel." Darauf folge jedoch meist Interesse: "Es kamen oft dieselben Fragen auf."

Also schreibt die junge Doktorandin das, was sie über Herpes weiß auf. Während ihrer Promotion fasst sie letztendlich den Entschluss, ihr Wissen in Form eines Buchs zu veröffentlichen. "Allerdings war das eher ein Hobby, ich habe das nebenher gemacht", erzählt sie. "Ich war ja ohnehin schon in dem Thema drin."

Es gibt Studien, die zeigen, dass allein das Wissen über das Virus präventiv ist.

Sina Lippold Autorin

Anfangs sei es nicht einfach gewesen, den Traum des eigenen Buches zu verwirklichen. Sie habe viele große Verlage angeschrieben – ohne Erfolg. "Die Verlage haben die Idee oftmals als Nischenthema abgetan", sagt Lippold. "Ich denke, sie haben das Konzept nicht verstanden." Denn darum gehe es schließlich: Jeder Einzelne ist mit Herpesviren infiziert. Diese Tatsache rufe am meisten Verwunderung hervor, wenn sie von dem Thema spricht – und wird namensgebend für das Buch. "Wir haben alle Herpes!" lautet der Titel. Das Buch verlegt Lippold schließlich selbst.

Darin stellt sie – mit Augenzwinkern und für den Laien verständlich – die acht Herpesviren dar, die es unter Menschen gibt. Eines davon ist das Zytomegalievirus (CMV) – dieses sei vor allem für Schwangere und deren ungeborene Kinder gefährlich.

Viele Rückmeldungen zum Buch

Veröffentlicht wurde das Buch im April. Schon jetzt hat Lippold viele Rückmeldungen erhalten. Auch von Fremden, die sie über soziale Netzwerke kontaktierten. "Ich habe von vielen Schicksalsschlägen gehört", sagt sie. Vor allem von Müttern – denn über CMV-Viren sei in Schwangerschaftsratgebern oftmals nichts zu lesen. "Dabei gibt es Studien, die zeigen, dass allein das Wissen über das Virus präventiv ist", ergänzt sie.

Warum ist dieses Thema also noch immer ein Tabu? Zum einen der Ekel, den viele Menschen damit verbinden. "Aber auch, dass ein gesunder Mensch davon nichts bemerkt", erläutert sie. Dabei kämpfe das Immunsystem ständig gegen die Viren an. Das mache sich dann vor allem bei Organtransplantationen bemerkbar. Ein Grund mehr für Sina Lippold, über das Tabu rund um die Viren, die die meisten Menschen nur mit Lippenbläschen verbinden, zu schreiben.

Die SchwäPo verlost fünf Bücher von Sina Lippold. Wer gewinnen möchte, schreibt bis Mittwoch, 22. Juli, um 12 Uhr an die Adresse: verlosung@sdz-medien.de. Bitte Namen, Adresse und Telefonnummer angeben.

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