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Missstände in der Kaninchenzucht: Profit geht über Wohl

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Marcia Rottler
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Marcia Rottler über Massentierhaltung und den Vorfall in Abtsgmünd

Die Videos, die in einer Kaninchenzucht in Abtsgmünd gemacht wurden, sind schockierend. Tiere erhalten Schläge mit einem Knüppel, sie zappeln einige Minuten, dann schlägt der Mitarbeiter erneut zu, wirft die Lebewesen in die Mülltonne, tot. Anderes Material zeigt Kaninchen, zusammengepfercht in Gitterkäfigen, mit entzündeten Augen oder eingerissenen Ohren. Die Firma reagiert auf das Video, lässt wissen, dass der Mitarbeiter den Betrieb verlassen habe, dass die Anlage vom Veterinäramt kontrolliert werde.

Der Aufschrei in den sozialen Medien: groß. Dabei ist das, was die Videos zeigen, in vielen industriellen Schlachtbetrieben Alltag – Aktivistinnen und Aktivisten enthüllen regelmäßig diese Details aus Schweine-, Rinder- oder Geflügelzuchtanlagen.

Die Tiere führen ein Leben, das darauf ausgerichtet ist, in möglichst wenig Zeit, auf möglichst wenig Platz viel Fleisch anzusetzen – Profit geht über das Wohl der Tiere.

Dabei endet die Qual nicht mit dem Erreichen des Mastgewichts. Ob Zuchttier im Käfig oder mit Auslauf, irgendwann geht’s für alle zum Schlachter. Und da kann es passieren, dass der Bolzenschuss daneben geht, dass die Kehle nicht richtig durchgeschnitten wird oder die Betäubung mit CO₂ oder Strom nicht wirkt. Das Ergebnis: Tiere, die halblebendig auf dem Boden zappeln, leiden und ihren Artgenossen beim Sterben zusehen müssen.

Es liegt an der Politik, etwas gegen diese Missstände zu unternehmen und an den Konsumentinnen und Konsumenten, die Augen davor nicht zu verschließen, denn den Preis für ihren Genuss, den zahlen die Tiere. Marcia Rottler

Mehr zum Thema finden Sie hier: Kaninchenzucht: Die Ermittlungen laufen

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