86 Neubronner gegen Baugebiet

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Auf dieser innerörtlichen Grünfläche in Neubronn könnte das Baugebiet "Kalkäcker" entstehen. Derzeit befindet sich die Fläche noch im Besitz einer Erbengemeinschaft.

Annette Holland überreicht an den Abtsgmünder Bürgermeister Armin Kiemel eine Unterschriftenliste gegen eine Ausweisung der "Kalkäcker".

Abtsgmünd-Neubronn.

Schon früh am Morgen bekam Bürgermeister Armin Kiemel Besuch im Rathaus von Annette Holland. Sie hatte eine Unterschriftenliste im Gepäck, in der sich 86 Bürgerinnen und Bürger von Neubronn gegen den aufgestellten Bebauungsplan "Kalkäcker" aussprechen. Dieser soll die rechtliche Grundlage für eine innerörtliche Wohnbebauung werden. Das Ganze auf einer rund ein Hektar großen Fläche, die sich bislang als Wiese mit Obstbäumen präsentiert.

Annette Holland als Initiatorin der Unterschriftenliste wies Bürgermeister Kiemel auf die wichtige ökologische "Schlüsselloch-Funktion" der besagten Fläche hin. Sprich, es handelt sich um ein Rückzugsgebiet für vielfältige Tierarten, die der bisherigen Bebauung weichen mussten. Doch es spreche laut Holland auch ein sozialer Aspekt dagegen, dass aus der Wiese Bauland werden soll. In ihrem Schreiben geht Holland darauf ein, dass die Wiese an einen Bolzplatz angrenzt und daher jährlich genutzt wird, wenn auf dem Platz das Dorf-Fußballturnier stattfindet. Holland argumentiert weiter, dass Neubronn über viele Ackerflächen verfüge, die an die Siedlungen grenzen. Auf diesen Flächen sieht sie eher das Potenzial für ein Neubaugebiet.

Das mit den Unterschriften gezeichnete Schreiben fordert, dass der Abtsgmünder Gemeinderat den Satzungsbeschluss für diese Fläche "Kalkäcker" nicht fasst. Und zudem von einer dortigen Bebauung absieht, sofern die Fläche einmal in Gemeindebesitz kommen sollte.

Wir nehmen Sie ernst.

Armin Kiemel Bürgermeister, zu den Gegnern des neuen Baugebiets

Potenzielle Baufläche noch in Privatbesitz

Laut Armin Kiemel befindet sich diese aktuell im Besitz einer Erbengemeinschaft, mit der er bereits Kontakt aufgenommen habe. "Wir denken perspektivisch", erklärte Kiemel, während er die Unterschriftenliste entgegennahm. Es gebe Anrufe aus Neubronn, in der die Frage nach baulicher Weiterentwicklung vorgebracht werde. "So eine Dynamik hatten wir noch nie in Neubronn." Kiemel berichtet von 23 Bauplätzen im Baugebiet "Berg II und III", die alle "restlos verkauft" seien. "Nachverdichtung ist das Schlagwort", betont Kiemel. Innerörtliche Bebauung, also der Schluss von Baulücken, sei vom Land erwünscht.

Beim Bebauungsplan "Kalkäcker" stehe man "ganz am Anfang mit dem Aufstellungsbeschluss", betonte er. Kiemel begrüßt außerordentlich das Engagement der Neubronner. "Es ist ein offenes Verfahren", erläutert er. Jetzt erfolge erst einmal eine mögliche Planung und die Träger öffentlicher Belange werden gehört – auch, was den Artenschutz anbelangt.

Alle Bauplätze in Neubronn sind ausverkauft.

Armin Kiemel Bürgermeister

Wann dieses Baugebiet erschlossen werden könne, stehe derzeit noch in den Sternen. Zumal nun erst ab Sommer die Erschließung des Bereichs "Wasserstube IV" in Abtsgmünd und weitere bauliche Überlegungen für Wöllstein anstünden.

"Wir nehmen Sie ernst", kommentierte Kiemel die Unterschriftenliste. "Wir werden Ihr Anliegen und das Schreiben prüfen", sicherte er Annette Holland zu. Und erklärte, dass ein Bebauungsplanverfahren "komplex und langwierig" sei. Es beinhalte viele gesetzlichen Vorgaben.

"Volle Transparenz", sagte der Bürgermeister den insgesamt 340 Einwohnern aus Neubronn zu. Er bedauerte ebenso wie Holland, dass die Bürgersprechstunde am 30. März in Neubronn wegen der Coronakrise ausfallen musste. Denn dort, so Holland, wollten die Neubronner ihre Bedenken gegen das Baugebiet "Kalkäcker" vorbringen.

Annette Holland überreicht Bürgermeister Armin Kiemel die Unterschriftenliste.

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