Der Naturgarten als Chance

+
Ein naturnaher Garten arbeitet mit den Kreisläufen der Natur und erfordert eine besondere Planung, dankt es aber mit wassersparenden Konzepten. Foto: aks
  • schließen

Wie im Angesicht der Trockenheit das Wirtschaften mit der Natur und die Abkehr vom Englischen Rasen einen Ausweg aus verdorrten Gartenwüsten darstellen.

Abtsgmünd-Neubronn

Sanft wiegen sich lila und gelbe Blüten im Sommerwind, fröhlich tanzen die Schmetterlinge darum herum. Es ist Leben in diesem Garten - der aktuellen Hitze zum Trotz. Und auch die nervenzehrende Trockenheit scheint diesem idyllischen Fleckchen Erde weniger anhaben zu können. Obwohl Annette Holland ausdrücklich betont: „Gegossen wird hier nicht.“ Nur die Tomaten im Gemüsegarten, dicht behangen mit prall-roten Früchten, werden derzeit mit etwas Wasser versorgt.

Wobei, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, der Boden in diesem Beet mit Mulchresten bedeckt ist, um die Feuchtigkeit maximal auszunützen.

Das ist besonders spannend: Jeder Quadratmeter in diesem kleinen Paradies ist anders genutzt. Da gibt es eine Naschecke und ein Areal zum Spielen, oder auch ein ungemähtes Wiesenstücken mit einem Haufen aus Totholz und Mulchresten dahinter - von mindestens einem Igel als Versteck genutzt.

Und in der Kuhle, in die lässig das Fallrohr der Dachrinne ragt, gibt es auch nach vielen regenfreien Tagen noch das, wonach viele Tiere lechzen: Wasser.

Ihr Revier am Rand eines Neubaugebiets ist für Annette Holland Oase und Versuchslabor zugleich. Denn die gelernte Feinoptikerin mit großer Berufserfahrung im Qualitätsmanagement hat in der Familienphase ein Fernstudium „Professionelle Gartengestaltung“ abgeschlossen, ein Seminar zum Thema „Essbare Waldgärten“ am Schloss Tempelhof belegt und gerade eine Weiterbildung zum Naturgartenprofi in der Naturgarten-Akademie mit Pflanzenkenntnisprüfung und Abschlussprojekt absolviert. Sie ist - je länger, je mehr - fasziniert davon, mit den Kreisläufen der Natur zu arbeiten und in diesem Sinn nachhaltige Projekte umzusetzen. Dabei will sie den Pflanzen und Tierarten, die in der freien Landschaft verschwinden, im Garten wieder einen Lebensraum bieten.

Mit Blick auf den zunehmenden Klimawandel ist Annette Holland davon überzeugt, dass konventionelle Gärten mit englischem Rasen sich nicht halten lassen. Und dass es neue Konzepte braucht für Naturgärten, die wassersparend betrieben werden können. Mit hohen Bäumen, die das Haus beschatten und kühle Rückzugsorte bieten. „Wir müssen immer mehr in diese Richtung denken“, findet Annette Holland und auch erkennen, dass ein Garten Lebensgrundlage ist. Als Planerin erlebt sie, dass etliche Häuslebauer diesen Paradigmenwechsel inzwischen erkannt haben und sich bei Profis Hilfe und Begleitung suchen. Wie das idealerweise abläuft, hat sie in fünf Schritten zusammengefasst:

Am besten ist ein Kennenlernen schon vor Beginn des Hausbaus. Auf dem Grundstück können die Wünsche besprochen und notwendige Erdbewegungen gleich mit einkalkuliert werden. Wichtig ist obendrein die Analyse des Mutterbodens - mager, mineralisch und beikrautfrei ist die beste Voraussetzung.

Gemeinsam werden unterschiedliche Bereiche des Naturgartens - der aber auch auf einer Dachterrasse in Kübeln realisiert werden kann - festgelegt: Trockenmauer, Teich, Magerbeet, Totholzhecke, Vogelgehölz-Hecke, Sandarium, Eidechsenburg, Staudenbeet, Naschobstfläche, Matschplatz, Erlebnishügel - der Fantasie und Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt, wobei die Priorität auf Ideen wie einer Kreislaufwirtschaft innerhalb des Gartens, dem Recycling von Materialien, einer sinnvollen regionalen Regenwassernutzung oder einer möglichst minimalen Verdichtung des Bodens liegt.

Nach diesen Vorgaben wird ein Funktions- und Gartenplan erstellt, der zum Beispiel auch Hauptwege festlegt und entweder aufzeigt, wie der Gartenbesitzer das Konzept selbst umsetzen kann oder wie der Gartenbauer vorgehen soll.

Die heimischen Pflanzen und Gehölze werden in einer Wildstaudengärtnerei bestellt. Zum Glück gebe es in diesem Bereich ein wachsendes Angebot, sagt Annette Holland.

Die abschließend in den ersten Jahren auch eine Pflegebegleitung anbietet. Denn ein Naturgarten bleibt spannend, bietet immer wieder Möglichkeiten, artgerechte Inseln etwa für Insekten zu schaffen - bei abnehmender Pflegeintensität.

Viel Wissen, wachsende Erfahrung und eine durchdachte Planung stecken hinter einem Naturgarten. Annette Holland mit einem ihrer Meisterstücke.
Auf dem mageren, mineralreichen Substrat fühlen sich viele Pflanzen wohl.
Selbst bei großer Trockenheit gibt es noch ein bisschen Wasser in der schattigen Kuhle aus Ende der Dachrinne.
Mit Geschick und Geduld werden die langen Triebe der Rose zu einer Hecke geformt, die ganz schön dicht ist und im Frühsommer wunderbar blüht.
Auf dieser einen Fläche im Garten wird das Gras gar nicht gemäht. Hier kann die Trockenheit den Pflanzen weniger anhaben und das Areal bietet im Winter vielen Tieren Unterschlupf.
Herrlich grün und lecker bestückt: Die Hecke aus Himbeeren und Brombeeren.
Vorher - nachher: Die Bilder zeigen, dass auch im Naturgarten sich im ersten Jahr gewaltig etwas tun kann.
Abgestorbenes Brombeerholz dient als Abstandshalter

Zurück zur Übersicht: Neubronn

Mehr zum Thema

Kommentare