Von todesmutigen Rostgänseküken

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Tapfer wandert die ganze Mannschaft quer durch den Garten hinter der Rostgansmama her.
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Eine Begegnung mit einer zwischenzeitlich elfköpfigen Tierfamilie.

Göggingen/Abtsgmünd-Neubronn. War das eine Aufregung: "Riesiges Geschrei" hat Elisabeth Abele am Samstag alarmiert und quasi wie im Film konnte sie beobachten, wie hoch aus der Giebelluke einer Scheune auf der anderen Seite der Hauptstraße todesmutig ein Gänseküken nach dem anderen hüpfte und auf dem Dach eines kleinen Schuppens etliche Meter tiefer landete.

Unüberhörbar sei das Geschnatter der gefiederten Eltern gewesen, erzählt die Neubronnerin. Noch lauter und zum Teil richtig aggressiv wurde die Elternschelte, als die Nachbarn versuchten, die wuseligen Federbällchen einzufangen, bevor sie auf der Durchgangsstraße von Autos überfahren würden.

In den ehemaligen Hühnerstall wollte sich das Rostgänsepaar mit seinen Küken auf keinen Fall einsperren lassen. In einem Pappkarton haben Rebekka und Werner Kogel die neun schwarzbraun-weiß gescheckten Küken dann in den Garten von Elisabeth Abele getragen, argwöhnisch begleitet von den leuchtend braun gefärbten Eltern.

Richtig nett sei das gewesen, wie alle dann im Teich gebadet haben, erzählen die Tierretter von ihrem Abenteuer. Auch abends, als Elisabeth Abele noch mal hinausguckte, herrschte am idyllisch gelegenen Wasser friedliche Stimmung. "Die Katzen hatte ich sicherheitshalber eingesperrt", erzählt sie.

Trotzdem waren die Rostgänseeltern am nächsten Morgen verschwunden – mitsamt ihrer putzigen Brut. Und alles Suchen half nichts. Dass die kleinen Küken es bis zum etwa drei Kilometer Luftlinie entfernten Kocher geschafft haben – durch relativ hohes Gras und durch den Wald – das kann sich Elisabeth Abele nicht so richtig vorstellen.

"Könnte aber durchaus sein", meint Hobby-Vogelkundler Peter Wolf, der unter anderem 20 Jahre lang Vorsitzender des Nabu in Ellwangen war. Er hat schon beobachtet, dass Rostgänseeltern mit ihrem Nachwuchs drei Kilometer über Land zum nächsten Gewässer gelaufen sind – er weiß aber auch, mit Blick auf die Gesetze der Natur, dass angesichts einer Gelege-Stärke von acht bis elf Eiern gewisse Verluste auf dem Weg zum Großwerden "eingeplant" sind – "sonst würde die Population explodieren".

Ohnehin beobachten Ornithologen eine Zunahme der eingewanderten Arten, wozu neben den Rostgänsen, die ursprünglich aus den innerasiatischen Steppen kommen, auch die Nilgänse zählen, die in Afrika heimisch sind, sich hierzulande als Gefangenschaftsflüchtlinge verbreiten.

Manfred Wespel zum Beispiel hat in diesem Frühjahr ausnehmend viele am Götzenbachstausee beobachtet. Seit den 1980er-Jahren gibt es Rostgänse in Baden-Württemberg. Ralf Worm, Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbandes, bestätigt, dass diese zunächst geförderten Arten sich nun beständig ausbreiten. Peter Wolf schätzt, dass die Population am Bucher Stausee rund 100 Tiere groß ist.

Rostgänse gelten als geschickte und wendige Flieger. Oben vom Scheunendach beobachtet das Paar die Lage.

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