Tierquälerei: Kaninchen in Abtsgmünder Zucht brutal totgeschlagen

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Ein Blick in den Stall: Eng zusammengepfercht und auf Gitterböden müssen die Kaninchen in dem Betrieb in Abtsgmünd leben.

Dem Deutschen Tierschutzbund liegt Bildmaterial aus einer der größten Kaninchenzuchtanlagen Deutschlands vor. Tiere dort werden auch für Tierversuche gezüchtet. 

Abtsgmünd. Dem Deutschen Tierschutzbüro liegt Bildmaterial und Videomaterial (siehe unten) aus einer der größten Kaninchenzuchtanlagen Deutschlands vor. Die Aufnahmen sind in den vergangenen Monaten bei einem Zuchtbetrieb in Abtsgmünd entstanden. Dabei handelt es sich um einen besonderen Betrieb, da die in Deutschland und in der EU zur Fleischproduktion am häufigsten genutzte Kaninchenrasse - Zimmermann Kaninchen (Zika) - in dieser Anlage ihren Ursprung hat. Das teilt der Deutsche Tierschutzbund in einem Schreiben mit. Über Monate wurde der Betrieb laut Mitteilung observiert und mit versteckter Kamera dokumentiert. Das Material wurde von Tierschützern dem Deutschen Tierschutzbüro zugespielt.

"Die Bilder zeigen tausende Kaninchen, die zusammengepfercht in engen Käfigen leben müssen. Dabei drücken sich die Gitterböden in die empfindlichen Pfoten der Tiere. Artgerecht ist das auf keinen Fall!", fasst Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Tierschutzbüro, die Haltung der Tiere zusammen. Vor allem die Zika-Weibchen leiden, denn sie müssen bis zu achtmal im Jahr Nachwuchs zur Welt bringen, wobei sie pro Wurf etwa neun Jungtiere gebären, wie Pfeifer sagt. "Die Zika-Hybridhäsinnen werden regelrecht als Gebärmaschinen missbraucht, es ist schrecklich", sagt Peifer.

"Einzelne Tiere haben für die Verantwortlichen keinen Wert"

Die Videobilder zeigen auch eine verdreckte Käfighaltung und, dass kranke sowie verletzte Tiere ganz offenbar nicht tierärztlich versorgt, sondern sich selbst überlassen werden. Einige der Tiere haben laut Schreiben zudem Kokzidien, eine Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, die zu starkem Durchfall, Gewichtsverlust und letztlich zum Tod führen kann. "Einzelne Tiere haben für die Verantwortlichen keinen Wert und deswegen ist es ihnen schlichtweg egal. Am Ende zählen nur die Masse und der Profit" so Peifer.

Der Hauptvorwurf sei jedoch, dass offenbar erkrankte Tiere tierschutzwidrig notgetötet werden, indem sie einfach auf den Boden ge-, oder mit einer Eisenstange erschlagen werden. "Viele der Tiere überleben jedoch diesen Gewaltakt und zeigen noch deutliche Anzeichen von Bewusstsein." Die versteckten Aufnahmen haben dies dutzendfach dokumentiert, sodass davon ausgegangen werden kann, dass es sich hierbei um eine gängige Praxis in dem Betrieb handelt, wie Pfeifer mutmaßt. "Dies wird auch dadurch bestätigt, dass diese gesetzeswidrige Methode in den Aufnahmen durch verschiedene Mitarbeitende durchgeführt wird." Pfeifer: "Beim Sichten der Videoaufnahmen ist mir vor allem ein weißes Kaninchen aufgefallen, welches am frühen Morgen mit einer Stange geschlagen wurde. Nach dem Schlag schaute die Person einfach dabei zu, wie es sich auf dem Boden quälte. Erst nach zwei Stunden schlug die Person erneut zu, was erst dann offenbar zum Tod führte. Das Tier muss Höllenqualen gelitten haben." Diese Art des Tötens sei nach dem Tierschutzgesetz verboten, denn, um sicherzugehen, dass die Tiere wirklich kein Bewusstsein mehr haben und tot sind, müsse ein Kehlschnitt erfolgen, damit die Tiere ausbluten. "In den dokumentierten Monaten erfolgte dies zu keinem Zeitpunkt", sagt Peifer.

Siemens zählt zu den Kunden

"Rund 20 Millionen Kaninchen werden jedes Jahr in Deutschland gegessen, dabei stammen die meisten aus einer industriellen Kaninchenmast mit Gitterböden ohne Auslauf. Dennoch wird das Fleisch als Delikatesse verkauft. Neben Schlachthöfen und anderen Kaninchenmastanlagen zählt aber auch unter anderem ein Tierversuchslabor zu den Abnehmern der Kaninchen", erzählt Pfeifer. Ein Recherche-Team habe mehrfach einen Lastwagen verfolgt, der von der Kaninchenanlage nach Marburg (Hessen) auf ein Gelände gefahren sei, wo auch die Firma Siemens Healthcare einen Sitz habe. Dort betreibt das Unternehmen ein Tierversuchslabor. Wie viele Tiere dort aktuell gehalten und welche Versuche durchgeführt werden, sei unklar. "Da Tierversuchslabore in der öffentlichen Kritik stehen, geben sie meist keinerlei Auskunft", so Peifer.

Bis Ende der 1990er Jahre seien in dem Labor bis zu 40.000 Kaninchen pro Jahr genutzt worden, wie aus einer Anfrage an den hessischen Landtag hervorgeht. Offenbar werden die Kaninchen für "blutbasierte Produkte" verwendet, so Pfeifer. Darunter versteht man die Produktion von polyklonalen Antikörpern, sowie Seren. Das Europäische Validierungszentrum ECVAM empfiehlt, dass sowohl polyklonale als auch monoklonale Antikörper tierischen Ursprungs nicht mehr eingesetzt werden sollen, da es gleichwertige oder bessere Methoden zur Herstellung gibt, wie der Tierschützer sagt. "Siemens verwendet offenbar zigtausende Kaninchen und tötet sie für etwas, das laut EU längst ersetzt werden kann und sogar soll", so Peifer.

Das Deutsche Tierschutzbüro habe Anfang Mai eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Ellwangen (Jagst) erstattet sowie das zuständige Veterinäramt informiert. "Wir fühlen uns erneut darin bestätigt, den Menschen die vegane Lebensweise zu empfehlen, denn nur so kann Tierquälerei wie diese nachhaltig beendet werden", betont Peifer. 

Lesen Sie auch: Die Betreiber der Zuchtanlage haben sich geäußert.

Inhaltswarnung: Dieses Video zeigt Aufnahmen, auf denen zu sehen ist, wie Tiere gequält werden.

Sonnenlicht oder Auslauf gibt's für die Kaninchen nicht.
Die Gitterböden drücken auf die empfindlichen Pfoten der Tiere.
Die Kaninchen leben in Gutterboxen.
Ein Blick in den Stall.
In der Anlage in Abtgsmünd werden Kaninchen auch für Tierversuche gezüchtet.

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