Bodenständig und doch weit gereist

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Martha Janeck mit ihren Lebenserinnerungen und den selbstgemalten Tischkärtchen
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In Untergröningen feiert Martha Janeck heute ihren 100. Geburtstag. Über ihr arbeits- und erlebnisreiches Leben hat die Jubilarin zwei Bücher geschrieben.

Abtsgmünd-Untergröningen

Martha Janeck sitzt auf ihrem Sofa in der Untergröninger Buchbergsteige. Das weiße Haar ist schön frisiert, über das fast faltenlose Gesicht huscht ein Lächeln. Lächeln und lachen tut Martha Janeck viel und gerne. Ein Paar Socken werden gerade gestrickt. Doch wenn Besuch kommt, wird das Strickzeug zur Seite gelegt. „Es wäre gelogen, würde ich sagen, mir fehlt gesundheitlich nichts“, erklärt die charmante Dame.

Die Spuren, die ein 100-jähriges, immer arbeitsames Leben hinterlassen haben, relativieren sich aber bei Martha Janeck dank eines blitzscharfen Verstands und hervorragenden Augenlichts. Mit Vorliebe verbringt die Jubilarin ihre Zeit mit Handarbeiten, dazu zählen neben dem Stricken auch das Malen von zauberhaften Landschaftsbildern, auf Leinwand oder auf Straußeneiern - „und alles ohne Brille“, sagt sie stolz.

Extra zum Fest ihres 100. Geburtstags hat Martha für alle Gäste kleine Tischkärtchen mit Motiven aus Untergröningen gemalt. Die Hände in den Schoß legen und nichts tun, das kommt für Martha nicht in Frage. Schließlich könne man ja nicht dem „Herrgott die Zeit stehlen“, findet sie.

Das Leben von Martha füllt buchstäblich Bücher, mit „Meine Kindheit“ und „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“ hat die Jubilarin zwei Bücher über ihre Erinnerungen geschrieben und veröffentlicht.

Als Martha Kolb wurde Martha Janeck am 13. Februar 1922 im Märzenhäusle am Untergröninger Schattenberg geboren. Eigentlich wünschte sich Mutter Marie eine „Margarete“. Ob der Vater Friedrich auf dem Weg zur Anmeldung beim Rathaus im Unterdorf die drei Gasthäuser aufsuchte und deshalb eine „Martha“ draus wurde, sei nicht mehr zu belegen. Nachweisbar ist aber, dass der Vater, auf dem Rathaus angekommen, sich nicht mehr daran erinnern konnte, welchen Namen das neugeborene Töchterlein erhalten sollte. Lediglich die Anfangsbuchstaben „Ma“ seien im Gedächtnis hängen geblieben, erzählt Martha gut gelaunt.

Als Jüngste von drei Kindern half Martha schon früh auf dem elterlichen Bauernhof mit. In ihrer Jugend lernte sie das Nähen, was sie in späteren Jahren beruflich nutzte. Auch die Familie wurde regelmäßig mit selbst genähten Kleidungsstücken ausgestattet. Mit ihrem Ehemann Werner war der jungen Ehe nur ein kurzes anfängliches Glück vergönnt. Werner wurde zum Kriegsdienst befohlen. Lange Zeit wussten Martha und Töchterchen Ingrid nicht, wie es Werner geht. Bis die Nachricht von der Kriegsgefangenschaft die kleine Familie erreichte. Erst am 17. Oktober 1949 kehrte Werner zurück und die Janecks bauten sich ihr Eigenheim am Schattenberg nur wenige Meter unterhalb des Elternhauses. Dabei war Martha fleißig mit am Bau beschäftigt. Sie besorgte das Holz bei den umliegenden Bauern und manche der Wände an dem Gebäude wurden von ihr gemauert.

1952 kam Tochter Sonja zur Welt, die aber im Alter von 37 Jahren viel zu früh verstarb. Mit Wolfgang wurde die Familie 1956 komplett. Neben Kindern und Haushalt stand Martha immer im Berufsleben, erst als Näherin und später, bis zur Rente, in einer Nadelfabrik in Leinzell. 1970 starb Ehemann Werner.

Statt zu verzagen, nahm Martha das Leben in ihre Hand, machte mit 50 Jahren noch den Führerschein, den sie erst im vergangenen Herbst aus eigenem Antrieb abgegeben hat. Die Fahrten „ins Dorf“ oder auf die Märkte von Gaildorf und Gschwend vermisst sie zwar, ermahnt sich aber: „Man muss das Alter nehmen, wie es kommt.“ In ihrem ganzen Leben habe sie nie „aufhausig“ gelebt und immer etwas Geld gespart, erzählt sie. Damit erfüllte sich Martha viele weitere Träume. Die Wanderungen in jungen Jahren mit Bruder Fritz, der bei der Bergwacht war, entfachten bei ihr die Leidenschaft für das Hochgebirge. Als Mitglied im Albverein konnten so viele Wanderungen in der näheren Umgebung, aber auch hochalpine Touren unternommen werden. Fremde Länder hatten es Martha ebenso angetan. Weite Reisen führten sie nahezu um den ganzen Globus. Den berührendsten Eindruck hinterließ dabei die „Mutter Heimat Statue“ bei Wolgograd, die an die Schlacht von Stalingrad erinnert; als schönstes Land ist ihr Marokko im Gedächtnis geblieben. In Lebensgefahr befand sich Martha auf einer Reise im Nahen Osten, als ihr Reisebus beschossen wurde. Martha überlebte den Angriff, einige ihrer Mitreisenden hatten nicht so viel Glück.

Theaterspielen, singen, die Liste von Marthas Hobbys ist lang und sie ist dem Herrgott für ihre Fähigkeiten dankbar. Ob noch ein weiteres Buch über ihre Lebensgeschichte geschrieben wird, kann nicht ganz ausgeschlossen werden.

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