Eine Glocke zum Geburtstag - doch was soll jetzt die Stunde schlagen?

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Heinrich Kunz vor der Laube im Brauereihof, wo jetzt seine Glocke hängt.
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Wie sich der pandemiegebeutelte Familienbetrieb Kunz um Gasthaus und Lamm-Brauerei im Kochertal nicht unterkriegen lässt. Eine Geschichte - so leicht wie ein Sommerweizen.

Abtsgmünd-Untergröningen

Es ist ein Schmelztiegel für praktische Kreativität, dieses Wirtshaus samt Brauerei im Herzen von Untergröningen, in dem die Generationen unter einem Dach zusammenarbeiten. Und in dem die Stammtische von überall her schon so lange kommen, dass sie irgendwie zur großen Familie dazu gehören. Immer wieder werden in diesem besonderen Klima fantasievolle Aktionen geboren und dann auch umgesetzt. Zum Beispiel der Hopfenanbau am eigenen Berg oder das Bier vom heißen Stein gebraut unter Aufsicht der Feuerwehren aus der Region. Und jüngst eben auch die Idee für ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk für den Seniorchef zum 85sten.

Eine Geschichte, die sich so leicht erzählt, wie ein sommerlich frisches Weizenbier. Solches nämlich genossen trotz ätzender Coronazeit Heinrich Kunz und sein Sohn Andreas unterm schattigen Dächle im Brauereiinnenhof zusammen mit den Glockengießern aus Gundelsheim. Die schlagen etwa alle vier Wochen in der Brauerei in Untergröningen auf, um das „Heller Krapp“ abholen - 80 Kisten Bier in stilvollen Bügelflaschen für den Brau- und Kulturverein Hochhausen, der auf die Kompetenz des Untergröninger Braumeisters im Kochertal setzt.

Im netten Gespräch in der kühlen Laube wurde der Faden fortgesponnen: Eine Glocke zum 85. Geburtstag, die würde er sich schon gerne gönnen, verriet der Seniorenchef Heinrich Kunz der lustigen Schar. Aber nur, wenn sein Sohn den Glockenstuhl dazu übernähme - was, ein Mann ein Wort, Andreas Kunz auch prompt versprach. Mit einem großen Geburtstagsfest im November sollte beides dann seiner Bestimmung übergeben werden.

„Mit Zuversicht aus der Krise“

Gesagt, getan. Eine Glocke mit der Inschrift „Mit Zuversicht aus der Krise“ wurde bestellt. Und am 25. Juni 2021 war es so weit. Heinrich Kunz durfte mit seiner Frau dem Glockengießen zuschauen und wenige Wochen später bestückte das kostbare Unikat den Glockenstuhl, den Andreas Kunz aus alten Eichenbalken hatte fertigen und über der Laube, in der die Idee geboren worden war, hatte anbringen lassen. Sogar für das Storchennest, das zuvor mit einem von Eugen Kiemele aus Seifertshofen gestifteten künstlichen Storch auf der Laube residiert hatte, ersannen die Strategen eine neue Lösung. „Diese Idee muss aber noch umgesetzt werden“, erzählt Andreas Kunz von einem echten Nest im Drahtkorb auf einer Stange hoch über der Glocke, zu dem diesmal ein echter Storch aus den nahe gelegenen Kocherauen angelockt werden soll.

Was leider nicht gefeiert werden durfte, war das große Geburtstagsfest für Heinrich Kunz. Am 22. November hatte immer noch die ätzende Seuche das Regiment. Dafür aber bescherte die evangelische Pfarrerin Florentine Wolter bei ihrem Besuch als Gratulantin dem Kreativteam eine neue Herausforderung: Eine Glocke, mahnte die Fachfrau, könne nicht einfach so ohne Grund geläutet werden. „Da könnte ja jeder kommen und am Seil herumziehen“, fürchtete sie um den guten Ruf des prachtvollen Stücks. In den christlichen Kirchen gebe es deshalb immer ein Läutebuch, in dem die Läuteordnung festgeschrieben ist. Da werde, wie zum Beispiel in Obergröningen zur Verwunderung mancher Neubürger vorgeschrieben, dass die Glocke zur ersten Betzeit schon um 5.30 Uhr läute, erzählt die Pfarrerin. Es gibt das Läuten, das die Gläubigen zum Gottesdienst einlädt, aber auch das Schiedläuten, wenn jemand gestorben ist. Eigentlich, sagt die Pfarrerin, die findet, dass die Glocke ein tolles Geschenk ist, sei der Hinweis auf die Läuteordnung scherzhaft gemeint gewesen. Doch er fiel auf fruchtbaren Boden.

Herausforderung angenommen

„Wir nehmen die Herausforderung an“, sagt Annette Hafner, die Chefin im Gasthaus und Herrin der Stammtische lachend. Und macht gleich erste Vorschläge: Vielleicht könne ja der Frühdienst die Glocke läuten, wenn das Frühstück fertig ist. Oder, ergänzt ihr Bruder Andreas Kunz, „der Braumeister läutet jedesmal dann, wenn aus dem Sud ein Bier geworden ist“. Allerdings müsse dann für jede Sorte eine Abfolge an Glockenschlägen ausgetüftelt werden. Oder vielleicht, vermuten die Geschwister, hat jemand aus der großen Fangemeinde des Lamm noch andere Ideen? „Der kann sich gerne melden“, sagen beide.

Da soll doch nicht jeder dran herumziehen.“

Florentine Wolter,, Pfarrerin
  • Öffnungszeiten werden wieder hochgefahren
  • Sie lassen sich nicht unterkriegen von der Pandemie. Ab dem März wollen Annette Hafner und Andreas Kunz die derzeit eingeschränkten Öffnungszeiten im Lamm wieder hochfahren. Außerdem soll es im Sommer wieder ein Zelt geben, in dem quasi in frischer Luft fröhlich gefeiert werden kann. Über den Knaller zur Eröffnung und weitere Attraktionen wird in der familieninternen Kreativschmiede derzeit engagiert diskutiert.⋌ aks

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