Personalnot bei Untergröninger Feuerwehr: Die Tagesbereitschaft steht auf der Kippe

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Personalnot bei Untergröningens Wehr beklagen Kommandant Oliver Schön (links) und sein Stellvertreter Nicolai Drescher.
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Abteilung Untergröningen klagt über Personalnot und fühlt sich alleingelassen.

Abtsgmünd-Untergröningen. Der Frust sitzt tief bei Abteilungskommandant Oliver Schön und seinem Stellvertreter Nicolai Drescher von der Feuerwehrabteilung Untergröningen. Der Frust über „fehlende Unterstützung der Lokalpolitiker bei der Suche nach neuen Mitgliedern“, wie beide sagen. Denn sie sehen die Einsatzbereitschaft ihrer Abteilung schon länger gefährdet.

Seit sechs Jahren sind Schön (32) und Drescher (34) im Amt. Beide traten mit neun Jahren in die Jugendfeuerwehr ein und wurden dort beste Freunde. Der eigentlich vorgesehene Kandidat auf den Chefposten zog seine Zusage kurzfristig zurück. „Und wir wollten die Ämter nur gemeinsam übernehmen“, ergänzt der Kommandant.

Nach einer Einarbeitungszeit wurde ihnen klar, dass die angegebene Mannschaftsstärke nur auf dem Papier bestand, die eine oder andere Papierleiche in den Listen geführt worden war. Ab 2017 versuchten sie gegenzusteuern - verteilten Flyer, sprachen Menschen an. 2019 gingen sie mit Kameraden  im Ort  von Tür zu Tür und organisierten auch drei Infoveranstaltungen – mit „null Resonanz“, wie Drescher sagt.

„Wir hatten die Gemeinde gebeten, ein offizielles Anschreiben zu verteilen, haben vom Bürgermeister aber damals keine Antwort bekommen“, sagt Schön. Dazu habe man AGs an der Schule abgehalten, um Nachwuchs zu werben. Auch in der Jugendfeuerwehr seien nur noch fünf bis sechs Mitglieder.

Der harte Kern: zwölf Kräfte

Die Wehr zählt derzeit einen harten Kern von zwölf Personen, die zum Teil in Teilorten wohnen und vor allem oft auswärts arbeiten. Schön selbst beispielsweise in Schwäbisch Hall, Drescher bei einer Ellwanger Firma im Außendienst, im ganzen Kreis unterwegs. „Wenn ein Alarm kommt, haben viele lange Anfahrten und können nicht rechtzeitig da sein“, sagt der Kommandant, wobei beide aber immer anfahren. „Da fehlt schon auch mal der Fahrer für das Löschfahrzeug.“ Dann könne man gar nicht ausrücken. „Zum Glück sind die Abtsgmünder Kameraden, die bei größeren Unfällen oder bei Bränden alarmiert werden,  meist vor Ort und schnell zur Stelle“, ergänzt er. Große Unterstützung erhalte man vom Gesamtkommandanten der Gemeindewehr, Holger Schmid.

Fordernd für die kleine Gruppe seien auch Brandwachen, die man bei Veranstaltungen stellen müsse – teils sei hier die ganze Truppe über ein Wochenende im Einsatz. „Natürlich haben auch Vereine Personalprobleme, aber bei uns geht es um mehr für die Gesellschaft“, sagt Nicolai Drescher.

Die Ausrüstung passt

Die Abteilung sei mit Ausrüstung und Gerätehaus gut ausgestattet, das 32 Jahre alte Löschfahrzeug LF8 wird durch ein modernes LF10 ersetzt. Dies ist bereits genehmigt. „Aber bis dahin ist vielleicht noch weniger Personal da, wenn nichts passiert“, blickt Drescher voraus. Beide wünschen sich neben Engagement der Lokalpolitik auch Werbeaktivitäten der örtlichen großen Betriebe, „denn auch bei ihnen kann ein Notfall eintreten, den wir dann vielleicht nicht rechtzeitig erreichen“,sagen sie.

Ein weiterer Kritikpunkt an die Gemeinde: Diese bezuschusst Lkw-Führerscheine, die für Löschfahrzeuge nötig sind, mit 1500 Euro – diese kosten aber 5000 bis 6000 Euro. So viel werde keiner in sein Ehrenamt investieren, führen beide an.

Bürgermeister will helfen

Der Kommandant hat die Probleme jüngst im Ortschaftsrat wieder angesprochen, aber auch da fand er keine Unterstützung. „Das muss aus dem Ort selbst kommen, von Bürgerinnen und Bürgern und dem Ortschaftsrat, sowohl die Werbung als auch das Engagement“, sagt Bürgermeister Armin Kiemel. Die Gemeinde tue hinsichtlich der Ausrüstung alles Nötige, „und beide Kommandanten versuchen alles Mögliche“, lobt er. Die Wehr müsse selbst versuchen, Mitglieder, beispielsweise unter Neubürgern, zu gewinnen. „Ich werde erneut das Gespräch mit Ortsvorsteher Bacher, Ortschaftsrat und mit Kommandant Schön suchen“, sagt Kiemel zu.

„Feuerwehr ist ein tolles Ehrenamt. Neben dem Gefühl, Gutes für Menschen zu tun, gibt es Kameradschaft und Zusammenhalt“, schwärmt Schön. „Wir wollen nicht aufgeben, aber bitte mehr Anerkennung und Unterstützung.“ Jürgen Eschenhorn

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