Was tun Behörden, um vor Hochwasser zu schützen?

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Überschwemmungen und Starkregen sorgen die Bürger. Was Land und Kreis beisteuern können.

Abtsgmünd/Hüttlingen. Hochwasser und Starkregenereignisse: In den vergangenen Jahren haben Überflutungen größere Schäden im Ostalbkreis verursacht. Wegen des Klimawandels steigen in unserer Region die Gefahren von Naturereignissen. Für Kommunen und zuständige Kreis- und Landesbehördenbedeutet dies: In Schutzmaßnahmen investieren und sich auf den Ernstfall vorbereiten.

Gabriele Seefried, Erste Landesbeamtin und Leiterin des Dezernats Umwelt im Landratsamt Ostalbkreis, und Wolfgang Mayer vom Bereich Wasserwirtschaft erläutern im Gespräch Zuständigkeiten, Vorschriften, Notwendigkeiten und auch Grenzen für die Verwirklichung eines kommunalen Hochwasserschutzes.

Was das Land macht

Um die Menschen im Land über hochwassergefährdete Gebiete zu informieren, bietet das Land im Internet eine Vielzahl von Informationen: die Hochwassergefahrenkarte – eine Karte mit Überschwemmungsgebieten, Hochwasserrisikobewertungskarten nach vier Kategorien und vieles mehr. Dort sind auch Leitfäden für Kommunen und Behörden abrufbar, welche Voraussetzungen beispielsweise für Hochwasserschutz oder auch für die Ausweisung neuer Bau- und Gewerbegebiete zu berücksichtigen sind.

Behörden prüfen und beraten

„Unsere Geschäftsbereiche, die Wasserwirtschaft, der Naturschutz, der Artenschutz oder die Forstwirtschaft, prüfen dann die Unterlagen und beraten die Kommunen oder initiieren Verbesserungen, die wir als nötig erachten“, erklärt Gabriele Seefried. Zuständig für Planung, Bau und Unterhalt von Gewässern zweiter Ordnung, das sind kleinere Gewässer mit eher regionaler Bedeutung, sind die Kommunen, Vorhaben an größeren Gewässern, solchen 1. Ordnung, liegen in der Verantwortung des Landes Baden-Württemberg. Die Bereiche des Landratsamtes prüfen und genehmigen die Maßnahmen an Gewässern oder zum Schutz vor Gewässern und Niederschlag. Gewässer 1. Ordnung sind beispielsweise die Jagst ab dem Bucher Stausee, der Kocher ab Niederalfingen und die Rems ab Zimmern.

Fachbüros machen Gutachten

Für der Planung von Vorhaben müssen Kommunen Fachbüros beauftragen. Diese erstellen Gutachten, etwa über die Umweltverträglichkeit des Projekts, besonders in FFH-Gebieten, oder sie führen eine sogenannte Flussgebietsuntersuchung durch, die zum Beispiel ermittelt, welche Abflussmenge in einem Gewässer bei einem 100-jährlichen Ereignis zu erwarten ist. Angeschlossene hydraulische Berechnungen überprüfen die Wirkungsweise einer Schutzmaßnahme bei unterschiedlich hohen Überflutungen. Kommunen wird inzwischen auch angeraten, ein sogenanntes Starkregenmanagement-Gutachten erstellen zu lassen, in dem aufgezeigt wird, wo und wie Regenwasser von versiegelten Flächen und den umliegenden Hängen den Ort gefährden kann. Eine solche Untersuchung lässt gerade Abtsgmünd erstellen, damit die Gemeinde wirksame Schutzmaßnahmen ergreifen kann. Denn die Behörden sehen die Gefahr, dass Schutzmaßnahmen gegen das Wasser der Flüsse das Regenwasser der von den Hängen quasi im Ort zurück hält und dort zu „rückwärtigen“ Überschwemmungen führt.

Diese Gutachten werden dann von den jeweils zuständigen Behörden geprüft, unter anderem auch auf Fördermöglichkeiten, Kosten-Nutzen-Effekt und auf das öffentliche Interesse. Übersteigen beispielsweise die zu erwartenden Kosten für ein Vorhaben die durch ein Hochwasser zu erwartenden Schäden, gewährt das Land Baden-Württemberg keine Förderungen. So geschehen bei einem nach dem Hochwasser 2016 von der Gemeinde geplanten Damm in Niederalfingen, der nach Ansicht des Regierungspräsidiums mehr gekostet hätte, als bei einem großen Hochwasser an Schäden zu erwarten gewesen wären. Bei diesen Berechnungen werde meist nur der Zeitwert des Materials angesetzt, erläutern die Fachleute. „Wenn eine Maßnahme nötig ist zum Schutz von Menschen und Gewerbe, dann ist auch in einem FFH-Gebiet etwas möglich“, sagt Gabriele Seefried. Jede notwendige Maßnahme, die im öffentlichen Interesse ist, sei möglich. Die Gemeinde könne dafür eine Ausgleichsmaßnahme schaffen.

Kein völliger Schutz möglich

„Ein 100-prozentiger Schutz lässt sich ohne immensen Aufwand durch Kommunen nicht schaffen“, betont Wolfgang Mayer. Da gebe es sicher auch oft Schwierigkeiten mit der Akzeptanz der Bürger. „Diese sind im Rahmen ihrer Möglichkeiten verpflichtet, auch selbst Maßnahmen zu ergreifen, beispielsweise so zu bauen, dass mögliche Gefahren weitestgehend ausgeschlossen werden“, ergänzt er. So sollten beispielsweise keine Keller- oder Tiefgaragen in Risikogebieten angelegt werden, oder Kellerfenster und Lichtschächte nicht an einem abschüssigen Hang und damit potentiellen Zufluss liegen. Auch sollten Rückstauklappen eingebaut und dann regelmäßig kontrolliert werden. „Wer in Risikogebieten baut, muss sich dessen immer bewusst sein und sich informieren“, ergänzt Gabriele Seefried: „Hochwasserschutz ist umfang- und facettenreich.“ ⋌Jürgen Eschenhorn

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